CSU

Das Machtsystem Söder

Die Maschine ist gelandet, Markus Söder wartet in der VIP-Lounge des Flughafens Sofia. Draußen flackern die Blaulichter der Kolonne, die ihn in die Stadt bringen soll. Drinnen müht sich eine Zollbeamtin ab, seiner Delegation nach der Kontrolle die Pässe zurückzugeben. Es dauert. Bis sich der Ministerpräsident persönlich den Stapel greift: Im Eiltempo klappt er die Ausweise auf, witzelt über zweite Vornamen, wirft den Besitzern in hohem Bogen ihre Pässe zu.

"Seehofer und Söder werden sich nicht halten können"

Die Wahl in Bayern steht unmittelbar bevor, die CSU ist in heller Panik angesichts von zuletzt nur noch 33 Prozent Zustimmung. Im letzten Interview vor der Wahl spricht Lars Rademacher mit dem Wahlkampfmanager Professor Markus Karp, der an der TH Wildau bei Berlin Personalmanagement und Politikwissenschaft lehrt und für Christian Wulff den Regierungswechsel in Niedersachsen vorbereitet hat, über die gescheiterte Wahlkampfstrategie der CSU und die Spätfolgen des Unionsstreits.

Politik für die ­Leberkäs-Etage

Die stolze Staatspartei hauste in einem häss­lichen Hinterhof. Abgewetzte Teppiche führten über dunkle Flure, die Heizung bollerte sommers wie winters. Der Geruch aus den Toiletten erinnerte, so beklagte sich Horst Seehofer, "an eine nicht mehr zeitgemäße Pflegestation". Keine Frage: An der alten CSU-Zentrale war nur die Adresse mondän, Münchens Nymphenburger Straße, ein Klang nach Porzellan und Prinzen. In der Realität wollte die CSU hier einfach nur raus, vier Jahrzehnte lang.

"Politikverächter sind die Krisengewinner"

Die Situation im bayerischen Wahlkampf hat sich zugespitzt: Die CSU verliert in den Umfragen weiter an Zustimmung, die SPD kann davon überhaupt nicht profitieren, während die AfD immer stärker wird. Was nun, CSU? Karl-Rudolf Korte, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen und Direktor der NRW School of Governance, im Gespräch über den neuen Extremismus der Mitte.

Die große Markus-Söder-Show

Der Wahlkampf werde ganz auf den Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten Markus Söder abgestellt, kündigte CSU-Generalsekretär Markus Blume gerade erst wieder an. Dazu passend tourte der Kandidat nun mit dem Format "Markus Söder persönlich" durch das Land – Ansbach, München, Rosenheim, Bayreuth – mit dem Versprechen, ihn einmal ganz anders kennenzulernen. In München war der Termin kürzlich ausgefallen, des Asylstreits wegen.

"Mit der Ratio alleine werden Sie nicht alle Menschen erreichen"

Franz Josef Strauß war Ihr Entdecker, Lehrmeister und väterlicher Freund. Was sind Sie für Markus Söder?

Ich bin für Markus Söder ein Mentor, der ihm aus seiner langen politischen Erfahrung heraus bei Bedarf den einen oder anderen Rat geben kann. Ich habe seine politische Karriere seit Langem wohlwollend begleitet und unterstützt.

Seit wann kennen Sie ihn, wie wurden Sie auf ihn aufmerksam?

Das Machtsystem Seehofer

Kurz nach Weihnachten 2008 wurde es Horst Seehofer ein wenig langweilig. Bayerns Ministerpräsident griff zum Handy, um die Stille zu stören. "Wo bleibt die Revolution?", tippte er und schickte den Text reihum an seine Minister. Er erwischte sie kalt, zumeist irgendwo im Winterurlaub. Grübelnd verbrachten sie die nächsten Stunden über der Frage, was der Chef gemeint haben könnte.

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