Corona-Krise

Im Schatten des Virus

Vor knapp drei Monaten, im März, da war 2015 plötzlich wieder ganz nah. Deutsche Zeitungen und das Internet waren voller Bilder von Flüchtlingen, die sich an der türkisch-griechischen Grenze drängten und von griechischen Sicherheitskräften mit Tränengas beschossen wurden. Migration und Asyl waren kurz davor, wieder als große Streitthemen in die deutsche Öffentlichkeit zurückzudrängen. Auch die beiden alten Lager, "lasst sie rein" und "wehrt sie ab", waren schnell formiert. Dann kam Corona.

Nachhaltige Stadtentwicklung: Städte lebenswert und krisenfest machen

Covid-19 hat unsere Art und Weise zu leben und zu arbeiten grundlegend infrage gestellt und unsere täglichen Routinen verändert. Auch wenn die Gesellschaft nun allmählich zur Normalität zurückkehrt, verbringen viele immer noch mehr Zeit in den eigenen vier Wänden als im Büro. Unternehmen wie Twitter oder Amazon wollen ihren Mitarbeitenden die Option auf Homeoffice dauerhaft einräumen. Wir konsumieren weniger und besorgen das Nötigste in der Nachbarschaft oder online. Stadtzentren und Einkaufszentren haben an Anziehungskraft verloren.

Stabil, Verlässlich und Fair – Wie Lieferketten sich verändern müssen

Wie unter einem Brennglas offenbart die Corona-Pandemie die Schwachstellen unserer globalen Wirtschaft. Das winzig kleine Virus deckt auf, wie anfällig und zerbrechlich die Lieferketten vieler Unternehmen sind. Wo möglich haben Unternehmen darauf reagiert, neue Lieferanten, andere Lieferregionen oder alternative Transportwege erschlossen – mit zum Teil erheblichem Aufwand und Mehrkosten. Auch die Bundesregierung und die Länder sind eingesprungen, haben Krisenzentren gebildet und Plattformen aus dem Boden gestampft.

Die Krise als Katalysator für die Mobilitätsbranche und die Politik

Autofahrer in Berlin, Hamburg und München verbringen jedes Jahr durchschnittlich über 140 Stunden im Stau. Bis zu einem Drittel des urbanen Verkehrsaufkommens ist zu Spitzenzeiten reine Parkplatzsuche. Es drohen Fahrverbote durch Feinstaubbelastung und die Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors sinken nicht, sie steigen. Der ÖPNV ist vielerorts überlastet und unterfinanziert, Radfahrer leben gefährlich.

Eine andere Welt

Das Unerwartete ist eingetreten – ein hochinfektiöses, leicht von Mensch zu Mensch übertragbares Virus – Covid-19 – hat eine globale Pandemie ausgelöst und die Weltwirtschaft zu einer bisher nicht gekannten Vollbremsung gezwungen. Die Welt steht vor einer Rezession, die unseren Alltag tiefgreifend treffen wird. In der Zeit nach dem Virus wird vieles anders sein, manches sogar radikal anders. Das wird auch und gerade für viele Märkte gelten. Bedarfe und Verbraucher werden sich grundsätzlich wandeln, und genau darauf werden sich Unternehmen einstellen müssen.

Die vierte Gewalt kränkelt

Christian Drosten hat sich zu Beginn der Corona-Krise offenbar tüchtig geärgert. Die Pressekonferenzen zur Pandemie habe er als "Zeitverschwendung empfunden", sagte der mittlerweile bundesweit bekannte Chef-Virologe der Berliner Charité dem NDR. "Ich wurde nur nach leeren Fußballstadien und dem CDU-Parteitag gefragt, anstatt inhaltliche, medizinische Fragen zu beantworten." Der politische Journalismus müsse "zurückgefahren" werden zugunsten des Wissenschaftsjournalismus. Mehr erklären, weniger kritteln, so klang es. Das war Anfang März.

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