Bundestagswahl

Plakative Langeweile

[no-lexicon] Kommunikation ist Reduktion von Komplexität. Das gilt ganz besonders im Ausnahme­zustand des Wahlkampfs. In kürzester Zeit und auf begrenztem Raum die prägnanteste Aussage treffen – in dieser Königsdisziplin der Massenkommunikation üben sich die deutschen Parteien seit vielen Jahrzehnten. Manche politische Slogans sind dem kollektiven Gedächtnis erhalten geblieben, andere mangels Strahlkraft und Stringenz längst in Vergessenheit geraten.

"Wer ständig seine Berater wechselt, verliert die Richtung"

Christian Lindner hat in seinem NRW-Spot die vielen Beratungshinweise, die Politiker erhalten, zum Thema gemacht und sie verspottet. Ein werblich herausragender Kurzfilm, aber vielleicht nicht ganz realistisch. Denn kein Spitzenpolitiker setzt sich so konsequent wie im Film einfach über alle Ratschläge hinweg. Im Gegenteil: Die eigene Linie bildet sich meist im Gespräch mit dem eigenen Umfeld, Experten, dem Wahlkampfteam, einem vertrauten Kreis.

Ein Image schärft man in ruhigen Zeiten

Die wichtigste Bedingung für eine gelungene Beratung ist nicht die Beratungswilligkeit eines Politikers – das ist Grundvoraussetzung dafür, einen Berater zu kontaktieren –, sondern ein Mindestmaß an Vertrauen zwischen Berater und zu Beratendem. Ohne gegenseitiges Vertrauen kein gemeinsamer Erfolg, insbesondere wenn es an den Kern der Persönlichkeit eines Politikers geht. Wie etwa beim Image-Building. Das Image eines Politikers ist die spontane Assoziation, das Bild, das im Kopf eines Menschen entsteht, wenn er den Namen oder das Gesicht eines Politikers sieht.

Beratung funktioniert nur mit einem interdisziplinären Team

Politiker, die sich heute damit rühmen, alles selbst besser zu wissen und zu können und die deshalb keine Notwendigkeit zur Beratung sehen, verspielen leichtfertig Chancen, Politik zu gestalten. Gleichzeitig ist die Zeit des selbstherrlichen Beraters vorbei, der den Masterplan für den Wahlerfolg im stillen Kämmerlein entwickelt. Gerade im Wahlkampf ist Beratung Teamwork und funktioniert nur mit einem interdisziplinären Backup.

Vertrauen müssen sich Berater lange vor dem Wahlkampf erarbeiten

Was für Wahlkampfzeiten gilt, ist doch eigentlich immer richtig: Die Beratungsfähigkeit hat viel mit Spitzenpolitikern zu tun und noch mehr mit ihren Beratern. Nur mit einem gewachsenen, vertrauensvollen Verhältnis gibt es eine Grundlage für eine gute und vor allem belastbare Zusammenarbeit und damit für eine erfolgreiche Beratung in Wahlkampfzeiten. Ein Vertrauensverhältnis muss schon weit vor dem Wahlkampf die Belastungs- und Bewährungsprobe überstanden haben.

Wie ernst ein Politiker Beratung nimmt, zeigt sein Zeitaufwand dafür

Berater sollten sich bloß nicht aus finanziellen Gründen darauf einlassen, als ein Alibi für Beratung zu dienen. Jeder kennt diesen Blick des Politikers, der sagt: "Was willst du denn? Das kann ich doch, deshalb bin ich jetzt an der Spitze!" Also kommt der Auftrag, ein konzeptionelles Papier zu schreiben. Das wandert ab in die Blackbox auf Nimmerwiedersehen. Oder der Berater wird gebeten, im Kreise des Stabs seine Überlegungen vorzutragen. Das ist okay, denn Kooperation und Diskussion gehören zur Beratung.

Fünf Gründe, warum auch 2017 die Wahlkampf-Revolution ausbleibt

Woche für Woche werden dies- und jenseits des Atlantiks neue Tools präsentiert, die Wahlkämpfe revolutionieren sollen. Es wird suggeriert, dass Wahlen ohne "Microtargeting" und andere Wunderwaffen nicht mehr zu gewinnen seien. Ist Wahlkampf zu einem Spiel geworden, das man nur noch mit einem Team aus lauter Techies gewinnen kann? Nein. Gewiss: Sie sollten in einem interdisziplinären Team heute ebenso vertreten sein wie politische Strategen.

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