Beratung

"Wer ständig seine Berater wechselt, verliert die Richtung"

Christian Lindner hat in seinem NRW-Spot die vielen Beratungshinweise, die Politiker erhalten, zum Thema gemacht und sie verspottet. Ein werblich herausragender Kurzfilm, aber vielleicht nicht ganz realistisch. Denn kein Spitzenpolitiker setzt sich so konsequent wie im Film einfach über alle Ratschläge hinweg. Im Gegenteil: Die eigene Linie bildet sich meist im Gespräch mit dem eigenen Umfeld, Experten, dem Wahlkampfteam, einem vertrauten Kreis.

Ein Image schärft man in ruhigen Zeiten

Die wichtigste Bedingung für eine gelungene Beratung ist nicht die Beratungswilligkeit eines Politikers – das ist Grundvoraussetzung dafür, einen Berater zu kontaktieren –, sondern ein Mindestmaß an Vertrauen zwischen Berater und zu Beratendem. Ohne gegenseitiges Vertrauen kein gemeinsamer Erfolg, insbesondere wenn es an den Kern der Persönlichkeit eines Politikers geht. Wie etwa beim Image-Building. Das Image eines Politikers ist die spontane Assoziation, das Bild, das im Kopf eines Menschen entsteht, wenn er den Namen oder das Gesicht eines Politikers sieht.

Beratung funktioniert nur mit einem interdisziplinären Team

Politiker, die sich heute damit rühmen, alles selbst besser zu wissen und zu können und die deshalb keine Notwendigkeit zur Beratung sehen, verspielen leichtfertig Chancen, Politik zu gestalten. Gleichzeitig ist die Zeit des selbstherrlichen Beraters vorbei, der den Masterplan für den Wahlerfolg im stillen Kämmerlein entwickelt. Gerade im Wahlkampf ist Beratung Teamwork und funktioniert nur mit einem interdisziplinären Backup.

Vertrauen müssen sich Berater lange vor dem Wahlkampf erarbeiten

Was für Wahlkampfzeiten gilt, ist doch eigentlich immer richtig: Die Beratungsfähigkeit hat viel mit Spitzenpolitikern zu tun und noch mehr mit ihren Beratern. Nur mit einem gewachsenen, vertrauensvollen Verhältnis gibt es eine Grundlage für eine gute und vor allem belastbare Zusammenarbeit und damit für eine erfolgreiche Beratung in Wahlkampfzeiten. Ein Vertrauensverhältnis muss schon weit vor dem Wahlkampf die Belastungs- und Bewährungsprobe überstanden haben.

Wie ernst ein Politiker Beratung nimmt, zeigt sein Zeitaufwand dafür

Berater sollten sich bloß nicht aus finanziellen Gründen darauf einlassen, als ein Alibi für Beratung zu dienen. Jeder kennt diesen Blick des Politikers, der sagt: "Was willst du denn? Das kann ich doch, deshalb bin ich jetzt an der Spitze!" Also kommt der Auftrag, ein konzeptionelles Papier zu schreiben. Das wandert ab in die Blackbox auf Nimmerwiedersehen. Oder der Berater wird gebeten, im Kreise des Stabs seine Überlegungen vorzutragen. Das ist okay, denn Kooperation und Diskussion gehören zur Beratung.

Einer muss entscheiden und dafür geradestehen

Wie Radio Eriwan könnte man antworten: "Im Prinzip ja, aber im Einzelfall wissen sie alles sowieso besser!" Im Ernst: Es kommt auf den Typ und auf das Setting an. In Deutschland bestimmen die zur Verfügung stehenden Mittel, Personen und Programme der Parteien, welches Beratungsumfeld der Spitzenkandidat hat. Ist man schon im Amt, kommen die Rahmenbedingungen des Regierungsapparats und der dort verfügbaren Personen und Ressourcen dazu – auch wenn das stets abgestritten wird (siehe die Causa Altmaier).

Merkels Navigator

Das Büro von Christoph Heusgen liegt im vierten Stock des Kanzleramts. Hier befinden sich die Räume, in die es beim virtuellen Rundgang auf der offiziellen Kanzleramt-Webseite keinen Einblick gibt. Heusgen leitet die "Abteilung 2" für Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik. Sein Büro ist schlicht eingerichtet: Ein Holzschreibtisch und eine schwarze Ledergarnitur für Gespräche mit Gästen. Ein paar persönliche Gegenstände verraten, was dem rheinischen Katholiken jenseits des Jobs wichtig ist: Heimat und Fußball, das Neusser Schützenfest und Bayern München.

RSS - Beratung abonnieren