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Foto: Thinkstock/Pablo Demetrio Scapinachis Armstrong
Politik

Woraus speist sich Macht?

p&k hat Persönlichkeiten aus Politik und Medien nach Machtquellen gefragt. Antworten gaben Verena Bentele, Ulrich Schneider, Christiane Woopen, Katrin Göring-Eckardt, Mathias Müller von Blumencron und Tom Buhrow.

Redaktion

Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen

Foto: SPD

"Politik kann jeder, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Deswegen sind Empowerment, eine gute Schulung der Fähigkeiten und die Schaffung von Strukturen die notwendigen Grundlagen für Menschen mit Behinderung, um politisch teilhaben zu können. Ich wünsche mir, dass die Parteien immer mehr Menschen mit Behinderung bei Wahlen aufstellen und so Expertinnen und Experten mit einem besonderen Blickwinkel in allen Bereichen der ­Politik verankern."

 

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen ­Gesamtverbands

Foto: Der Paritätische Gesamtverband/Die Hoffotografen GmbH Berlin

"Geld regiert die Welt, keine Frage. Macht speist sich vor allem aus der Möglichkeit, Mittel zukommen zu lassen oder auch verweigern zu können. Doch leben wir in einer Demokratie. Regierungen müssen gewählt werden. Macht heißt also auch: gesellschaft­liche Stimmungen und öffentliche Meinung beeinflussen zu können. Gute PR ist die Macht der Mittellosen. Und fest steht auch: Wer nichts macht, kriegt auch keine."

 

Christiane Woopen, Vorsitzende des Deutschen ­Ethikrats und Geschäftsführende Direktorin ceres, Universität zu Köln

Foto: Reiner Zensen

"Macht ist ein Beziehungsgeschehen. Der sie Ausübende hat sie kraft formaler Zuschreibung oder persönlicher Autorität. Der sie Gewährende glaubt, dass es so richtig oder unausweichlich ist – oder er denkt gar nicht nach. Am liebsten ist mir die Macht, die sich aus guten Argumenten statt Manipulation speist, und aus einer großen Persönlichkeit, die sich dienend am Gemeinwohl orientiert."

 

Katrin Göring-Eckardt, Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Foto: L. Chaperon - B90/Die Grünen

"In einer Demokratie Macht zu haben, bedeutet für mich als Grüne frei nach Hannah Arendt, dass handelnde Personen sich für ihre Überzeugungen zusammenschließen und versuchen Mehrheiten zu erringen. Als Ostdeutsche weiß ich, dass Macht nur auf Zeit verliehen sein darf, niemals absolut und immer unter Rechtfertigungsdruck. Macht ist in offenen Gesellschaften polyzentrisch, Gott sei Dank. Und sie sollte ihren Schwerpunkt flexibel verlagern können. Es braucht ein starkes Parlament gegenüber der Exekutive, aber auch die Kontrollfunktion der Medien und einer engagierten Zivilgesellschaft. Macht ist weder gut noch schlecht, wichtig ist, dass sie in verschiedenen Händen gleichzeitig ist und nicht hinter den Kulissen."

 

Mathias Müller von Blumencron, Editor-in-Chief Digital Media der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"

Foto: Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Ach, die Macht. Wieviele Träume sind an ihr gescheitert. Einer der letzten war: Die digitale Revolution wird sie endlich in eine Kategorie der Vernunft wandeln, Transparenz schaffen, der Weisheit Bahn brechen. Nichts war falscher. Das Netz ist eine faszinierende Welt, aber es wird von Konzernen beherrscht, von Staaten missbraucht, ein Tummelplatz für Geschäftemacher und Demagogen. Kurzum: Es ist wie im richtigen Leben, nur manchmal noch schlimmer."

 

Tom Buhrow, Intendant Westdeutscher Rundfunk

Foto: WDR/Herby Sachs

"Das Fernsehen porträtiert Macht häufig negativ. In House of Cards geht Frank Underwood über Leichen, um auf den Olymp der politischen Macht zu gelangen. Doch zum Glück nutzen die meisten Menschen die ‚Ressourcen der Macht‘ nicht auf eine mörderische Art. Macht aus Gier und Neid fällt eines Tages wie ein Kartenhaus zusammen. Nur Macht, die sich aus Verantwortung speist, wird auf Dauer akzeptiert."