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Wie sieht die Kampagne der Zukunft aus?

In Zeiten von Digitalisierung und dem Erstarken populistischer Parteien ändert sich die Kampagnenführung. Beim Political Campaign Festival hat politik&kommunikation acht Experten zu den aktuellen Trends befragt.

von Judit Cech

 

Carl Philipp Burkert



Foto: privat

"Den größten Trend sehe ich im verstärkten Aufbau eigener Daten. Denn dieser erlaubt uns nicht nur, digitale Kampagnen individueller und kreativer zu gestalten, sondern auch persönlicher mit Unterstützern und Wählern zu kommunizieren. Unabhängig von aktuellen Trends wird die Story immer im Mittelpunkt einer Kampagne stehen. Ohne eine überzeugende Erzählung waren und sind keine Reichweiten und kein Engagement zu erzielen – weder damals am Lagerfeuer, noch heute in den sozialen Medien."

 

Tobias Nehren

Foto: privat

"Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit ist enorm hoch. Durchdringen und wahrgenommen werden, werden Kampagnen in Zukunft mehr denn je beschäftigen. Dafür müssen Cam­paigner Inhalte anbieten, die die Menschen als relevant empfinden. Es geht nicht um Plattform, Format, Bild, Ton oder Video. Sondern um die Fähigkeiten, Menschen in den Umfeldern in denen sie sich bewegen, so anzusprechen, dass sie das Gefühl haben, dass die Botschaften etwas mit ihnen zu tun haben. Dafür brauchen Organisationen mehr denn je technische, inhaltliche und kreative Flexibilität."

 

Nicolas Schwendemann



Foto: Rasmus Tanck

"Die Digitalisierung wird die Kampagnenführung verändern: Die Medienlandschaft wird sich weiter konzentrieren, während die sozialen Medien sich weiter ausdifferenzieren werden. Es wird vermutlich weniger Qualitätsmedien geben, dafür aber neue soziale Medien, die unterschiedliche Zwecke erfüllen. Tiktok zur Selbstdarstellung, Whatsapp für den Chat mit den Eltern. Die direkte Kommunikation mit den Wählern wird deswegen weiter an Bedeutung gewinnen – klassisch im Haustürwahlkampf mit vielen Freiwilligen und digital über E-Mail, SMS und Messenger."

 

Anja Pfeffermann



Foto: Maximilian König

"Es gibt nicht das eine Tool, mit dem man Wahlkämpfe gewinnt. Worauf es ankommt: klare Botschaften, mit denen die Wahlkampfunterstützer gut gerüstet losziehen können. Was sich ebenfalls als Trend abzeichnet: Es wird persönlicher So kann ein Bundestagsabgeordneter seine eigene Homestory via Instagram-Stories machen, die Kandidatin für das Europäische Parlament per E-Mail und Whatsapp ausgewählte Zielgruppen erreichen. Wesentlich dabei ist der Rückkanal. Die Menschen verstehen sich nicht als passive Empfänger, sie teilen Politikern ihre Meinung direkt mit."


Utta Tuttlies

Foto: privat

"Die traditionellen Medien spielen weiter eine Rolle, daneben werden die sozialen Medien immer wichtiger. Mittlerweile haben wir eine starke europäische Öffentlichkeit in den Medien. Dadurch werden nationale Wahlkämpfe europäisch, und der europäische Wahlkampf wird national. Dennoch wird der Haustürwahlkampf immer wichtiger. Ich denke, dass sich auch der kommenden EU-Wahlkampf an der Frage entscheiden wird, inwiefern wir pro-europäischen Familien es schaffen, lokal zu agieren und bei den Bürgern vor Ort zu sein."

 

Radu Magdin

Foto: Jana Legler 

"Künftig wird sich in der Kam­pagnenführung alles um die Kombination aus authentischem Storytelling und Analytics drehen. Geschichten haben den menschlichen Geist schon immer fasziniert. Da die allgemeine Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird, werden solche Politiker bei Wahlen Erfolg haben, die ihre persönliche Geschichte glaubwürdig mit der Gemeinschaft und mit Handlungsaufforderungen verknüpfen können. Dabei muss ein Zugang zu den Emotionen der Menschen gefunden werden. Der Einsatz von Analytic‘s hilft, die für die Wähler wichtigsten Themen zu bestimmen."

 

Camila Crescimbeni 



Foto: Jana Legler

"Politische Plattformen und Kampagnen müssen künftig weniger versuchen, den Wählern Lösungen anzubieten, sondern sich viel mehr an einer Agenda orientieren, die sich auf ihre Bedürfnisse konzentriert, – nicht nur um Wahlen und Macht zu gewinnen, sondern um grundsätzlich in der Lage zu sein, Veränderung zu bewirken. Politiker können diese Bedürfnisse nur erfolgreich angehen, indem sie eng und persönlich mit ihren Wählern interagieren, ohne sich komplett auf soziale Medien oder Umfragen zu verlassen."

 

Philipp Maderthaner

Foto: MONIHART

„Es geht vor allem um eines: Wie sind wir in der Lage, Eins-zu-eins-Beziehungen zu den Menschen aufzubauen, die für unsere Sache wichtig sind? Die Herausforderung, diese Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, wird immer komplexer, weil Menschen heute entscheiden können, ob sie lieber über Whatsapp, Facebook-Messenger oder E-Mail kommunizieren. Dem müssen sich Kam­pagnen stellen."

 

Das Political Campaign Festival fand am 30. Januar statt. Campaigner, Kommunikatoren und Public-Affairs-Experten aus 17 Ländern diskutierten aktuelle Trends in der Kampagnenführung. Eingeladen hatten die Quadriga Hochschule und politik&kommunikation.