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Politik

Was ist die größte ­Gefahr, wenn man Macht besitzt?

Thomas Matussek, Liane Buchholz, Christiane Wirtz, Burkhard Schwenker, Rainer Dulger und Ralf Tils verraten politik&kommunikation, welche Risiken mit Machtbesitz einhergehen.

Redaktion

Thomas Matussek, Geschäftsführer der Alfred Herrhausen Gesellschaft

Foto: Privat

"Macht hat ein hohes Suchtpotenzial. Machtausübung um der Macht willen ist steril. Macht kann korrumpieren. Deswegen muss ihre Ausübung streng kontrolliert und sie darf nur auf Zeit verliehen werden. In den Worten von Alfred Herrhausen: 'Es geht nicht darum, ob wir Macht haben, sondern ob wir sie mit Verantwortungsbewusstsein ausüben."

 

Liane Buchholz, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB)

Foto: VÖB

"Macht wird dann zur Gefahr, wenn sie nicht als Gestaltungsanspruch auf Zeit, sondern als Selbstzweck verstanden wird. Nur zu gut erinnere ich mich an meine Jugend in der ehemaligen DDR, wo dieser Missbrauch von Macht ganze Biografien prägte oder gar zerstörte. Umso mehr schätze ich, heute in einer Gesellschaft zu leben, die eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten zulässt, aber gleichzeitig der Macht von Einzelnen oder Gruppen klare Grenzen setzt."

 

Christiane Wirtz, Stellvertretende Sprecherin der ­Bundesregierung und stellvertretende Leiterin des Presse- und Informationsamts der Bundes­regierung

Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

"Die größte Gefahr ist ein Mächtiger, der sich seiner Verantwortung nicht bewusst ist. Macht sollte nur besitzen, wer sie zum Wohle der Sache oder der Menschen einsetzt, die ihm anvertraut sind."

 

Burkhard Schwenker, Chairman Roland Berger ­Strategy Consultants

Foto: Roland Berger Strategy Consultants

"Macht verleitet zu Hybris und mangelnder Reflexion – schließlich ist man/frau ja wohl gut, sonst hätte man keinen Einfluss. Wer sich nicht gezielt mit Menschen umgibt, die Mut zum Widerspruch haben, landet rasch in einer gefährlichen Blase aus falschem Lob und zu schneller Zustimmung: Fehler werden schön geredet, Alarmsignale dringen nicht durch und Chancen verstreichen ungenutzt."

 

Rainer Dulger, Präsident Gesamtmetall

Foto: www.herrmattes.de

"Erstens: Sich auf die Macht statt auf Argumente zu verlassen. Und zweitens: Zu vergessen, dass Macht immer geliehen ist. Sie ist mit dem Amt verbunden, das jeder nur eine Zeitlang ausübt, und sei die Branche noch so groß. Das gilt natürlich auch für den Gesamtmetall-Präsidenten."

 

Ralf Tils, Mitinhaber der Beratungsgesellschaft Agentur für Politische Strategie (APOS) und Gastprofessor an der ­Leuphana Universität Lüneburg

Foto: Brinkhoff-Moegenburg/Leuphana

"Das Schlimmste ist, wenn man vergisst, dass in der Demokratie Macht nur auf Zeit und nicht als Selbstzweck verliehen wird, wenn man die eigene Macht nur noch um ihrer selbst Willen behauptet. Macht ohne Gestaltungsziele hilft letztlich niemandem. Karl W. Deutsch hat gesagt, Macht sei die Fähigkeit, es sich leisten zu können, nicht lernen zu müssen. Aber: Zuviel Macht macht dumm. Zu lange Macht auch. Ausschließlicher Machtwille und unangefochtene Machtposition führen zu Lernunfähigkeit. Die Folge ist schlechte Politik."