Foto: SPD Sachsen
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Stimmen statt Schwimmen: SPD-Spitzenkandidat Dulig beim Wahlkampf an der Ostsee. Foto: SPD Sachsen
Landtagswahlen

Wahlkampfsommer hoch drei

Ob auf "Sachsentour" im Bus, Wahlkampfgespräche am Küchentisch oder Gesangseinlagen auf dem Strohballenfest: In Sachsen, Thüringen und Brandenburg stehen die Zeichen ganz auf Wahlkampf. Mit welchen Ideen die Parteien Stimmen gewinnen wollen und wie hoch ihre Budgets sind – p&k hat den Überblick. 

von Luisa Pischtschan

Über Heringshäppchen und Mettbrötchen am Strand bis hin zu Gesangseinlagen auf dem Strohballenfest: In Sachsen, Thüringen und Brandenburg stehen die Zeichen ganz auf Wahlkampf. Denn Ende August und Mitte September entscheiden die Wähler in den drei Bundesländern über die Zusammensetzung der Parlamente.

In Sachsen wird zuerst gewählt: Am 31. August können dort etwa 3,3 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimmen abgeben. Die CDU und ihr Spitzenkandidat Stanislaw Tillich, der seit 2008 Ministerpräsident ist, haben einen Etat von 1,5 Millionen Euro für den Wahlkampf zur Verfügung. Mit schwarzem Bus, Espresso und drei Assistentinnen rollt Tillich durchs Land. Die Kampagne der CDU kommt von der Berliner Agentur "Dieckertschmidt". Laut Umfragen im Juli von infratest dimap sieht es gut für die Christdemokraten aus: 54 Prozent der Befragten wünschen sich eine CDU-geführte Landesregierung. Seit 2008 regiert Schwarz-gelb den Freistaat.

SPD und Linke versuchen sogar, Wähler im Urlaub an der Ostsee zu erreichen. Am 29. August enden in Sachsen und Thüringen die Sommerferien. So war etwa SPD-Spitzenkandidat Martin Dulig mit seinem Küchentisch, den er den gesamten Wahlkampf über von A nach B mitnimmt und darauf Unterschriften sammelt, im Ostseebad Ahlbeck. Die Kampagne, für die die Sozialdemokraten rund 1,1 Millionen Euro ausgeben, setzt die Berliner Agentur "NetworkMedia" um.

Auch die Linken waren an der Ostsee unterwegs: Sowohl der sächsische Spitzenkandidat Rico Gebhardt, Bodo Ramelow für Thüringen als auch Christian Görke aus Brandenburg versuchen im Norden des Landes, Wähler aus Mitteldeutschland für sich zu gewinnen. Wie schon bei den Bundestags- und Europa-Wahlen setzt die Berliner Agentur "DiG/Trialon" die Kampagnen der thüringischen und sächsischen Linken um, letztere gibt 492.900 Euro für den Landtagswahlkampf aus.

Laut einer Juli-Sonntagsfrage von infratest dimap könnte es die Alternative für Deutschland (AfD) über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Etwa 300.000 Euro gibt die Partei für den Landtagswahlkampf in Sachsen aus, ohne sich dabei allerdings von einer Agentur beraten zu lassen.

Die Kampagne der FDP Sachsen verwirklichte die Agentur "Zastrow+Zastrow". Ein Budget von 550.000 Euro stand den Liberalen hierfür zur Verfügung.

Wandernder Wahlkampf

Zwei Wochen nach der Wahl in Sachsen folgen zwei weitere: Am 14. September werden die Landtage in Thüringen und Brandenburg gewählt. Im Freistaat können 1,84 Millionen Wahlberechtigte über die Zusammensetzung des Erfurter Landtags entscheiden, in Brandenburg sind es rund 2,1 Millionen.

Die CDU setzt im thüringischen Wahlkampf vorrangig auf die Kanzlerin – Angela Merkel kommt vier Mal zu Besuch. Außerdem geht Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin seit 2009 und zugleich Spitzenkandidatin der CDU, zusammen mit ihrem Amtskollegen Stanislaw Tillich auf Wandertour durch das Göltzschtal. Die Grünen haben sich von der Berliner Agentur "Ballhaus West" beraten lassen.

Derzeit werden die Thüringer von SPD und CDU regiert. Mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten wünscht sich eine Neuauflage dieser Koalition. Rund 40 Prozent der Befragten befürworten dagegen eine rot-rote Regierung.

Den Sonntagsumfragen zufolge könnten die Liberalen den Wiedereinzug ins Parlament verpassen. Um dies zu verhindern, gibt die Thüringer FDP etwa 175.000 Euro für ihre Landtagswahlkampagne aus. Entwickelt wurde die von der Berliner Agentur "Etwas Neues entsteht".

Bodo Ramelow hat Chancen, der erste Ministerpräsident der Linken zu werden: Laut Umfragen würden 24 Prozent aller Wahlberechtigten Ramelow direkt wählen. Und auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner schloss in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nicht aus, dass seine Partei Ramelow unterstützen und damit eine rot-rote Landesregierung ermöglichen könnte. Ihren Wahlkampf lässt sich die Linke etwa 550.000 Euro kosten.

Wählen ab 16

In Brandenburg dürfen Jugendliche zum ersten Mal den Landtag wählen. 2011 wurde die Landesverfassung geändert und das Mindestalter für die Landtagswahlen auf 16 herabgesetzt. Rund 2,1 Millionen Brandenburger können die Abgeordneten in Potsdam wählen. Laut einer Sonntagsumfrage im Juni könnte die FDP im September aus dem Landtag fliegen – wenngleich es dem Landesverband der Liberalen mit seiner Wahlkampagne "Keine Sau braucht die FDP" gelungen ist, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Insgesamt gibt die FDP 98.000 Euro für den Wahlkampf aus, die Kampagne kommt von der Agentur "Himmel & Jord". Die AfD könnte Umfragen zufolge, ähnlich wie in Sachsen, erstmals in den Landtag einziehen. Rund sechs Prozent aller Wahlberechtigten gaben bei einer Umfrage an, für die AfD stimmen zu wollen.

Seit 2009 wird Brandenburg von einer rot-roten Koalition geführt. Ob das so bleibt, ist ungewiss. Laut Umfragen könnte es der CDU gelingen, die Zahl ihrer Direktmandate deutlich zu erhöhen. Ein Dreierkampf zwischen Linken, SPD und CDU zeichnet sich ab. Um in der Regierungsverantwortung bleiben zu können, greift die SPD tief in die Tasche. 1,7 Millionen Euro stehen den märkischen Sozialdemokraten für den Wahlkampf zur Verfügung. Im Kampf um die Wählergunst versucht es Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bisweilen mit Gesangseinlagen: Ob es ihm gelungen ist, mit den "Rolling Stones" Sympathiepunkte bei den Wählern zu sammeln lassen, wird sich am Wahltag zeigen.