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Illustration: Marcel Franke

Umfrage - Wer sind die wichtigsten Meinungsmacher im Wahljahr?

Gut 100 Tage vor der Bundestagswahl wollten wir wissen, welche Journalisten im Superwahljahr 2013 die öffentliche Meinung am stärksten prägen. Und haben uns bei denen umgehört, die das unserer Meinung nach wohl am besten beurteilen können: die Sprecher der Parteien, der im Bundestag vertretenen Fraktionen, der Bundesministerien sowie renommierte Medien- und Politikwissenschaftler.
In den drei Kategorien TV, Print und Online/Blogs/Social Media haben uns die Teilnehmer unserer Umfrage ihre jeweiligen Top 5 genannt. Wir haben daraus ein Ranking erstellt und präsentieren auf den folgenden Seiten die 15 wichtigsten Meinungsmacher der Berliner Republik in Kurzporträts.   

 

von Björn Müller, Felix Fischaleck und Christina Bauermeister

Print:

Wolfgang Büchner (DPA/Der Spiegel)

Was haben Helmut Kohl und Wolfgang Büchner gemeinsam? Sie sind beide Pfälzer. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Anders als Kohl gilt der in Speyer geborene Büchner als Team-Player. Wohl nicht die schlechteste Eigenschaft, um im modernen Medien-Management zu bestehen. Den Journalistenberuf erlernte Büchner am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München. Nach der Wende versuchte er die Boulevard-Postille „Neue Presse – Express“ in den neuen Bundesländer zu etablieren – allerdings ohne Erfolg. Es folgten Stationen bei „Reuters“ und „Spiegel Online“. Büchner ist weniger als Journalist bekannt denn als  Redaktionsmanager. In Deutschland gilt er als einer der effizientesten Organisatoren im Bereich Medien. Sein exzellenter Ruf rührt auch daher, dass er 2010 als Chefredakteur der „Deutschen Presse Agentur“ (dpa) deren Umzug nach Berlin erfolgreich managte. Noch im selben Jahr kürte ihn das Branchen-Magazin „Medium“ zum Chefredakteur des Jahres. Die Begründung: „Büchner ist es gelungen, das Team für seine Vorstellungen einer multimedialen, transparenten Agentur als Dienstleister zu motivieren.“ Die dpa hatte den heute 46-Jährigen nach einem monatelangen Sichtungsprozess durch eine Schweizer Headhunter-Agentur ausgewählt. Jetzt muss sie ihn ziehen lassen: Büchner wird demnächst Chefredakteur von „Spiegel“ und von „Spiegel online“. 

 

Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung)

Die Edelfeder der „Süddeutschen Zeitung“ wurde mit Preisen und Ehrungen überhäuft wie kaum ein anderer Journalist. Der Leiter des Ressorts Innenpolitik bei der SZ ist der einflussreichste Meinungsmacher, wenn es um Grundsatzfragen der deutschen Demokratie und das Verhältnis von Staat und Bürgerrechten geht. Alt-Kanzler Gerhard Schröder hat ihn einmal den „Dritten Senat des Bundesverfassungsgerichts“ genannt. Dabei kommt dem Volljuristen zugute, dass er in seinem früheren Berufsleben als Rechtsanwalt, Staatsanwalt und Richter tätig war. Das journalistische Handwerk lernte Prantl während des Studiums als Stipendiat des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses. Seit 1988 ist der heute 59-Jährige innenpolitischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung, wo er bald als Leitartikel-Schreiber brillierte. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

 

Kai Diekmann (Bild--Zeitung)

Vor eineinhalb Jahren diskutierte ganz Deutschland über eine Nachricht des Ex-Bundespräsidenten auf der Mailbox von Kai Diekmann. Heute ist klar: Wulffs aufgebrachter Anruf beim Chefredakteur der „Bild“-Zeitung war der Anfang vom Ende seiner Amtszeit. Diekmann, seit zwölf Jahren an der Spitze von Europas auflagenstärkster Boulevardzeitung, ist der einflussreichste Print-Journalist Deutschlands – und wohl auch der meist gehasste. Der gebürtige Oberschwabe wusste schon früh um sein journalistisches Talent. Als Gymnasiast gründete er die konservative Schülerzeitung „Passepartout“ – um dem damals linken Zeitgeist etwas entgegenzusetzen. Und schon mit 18 Jahren führte Diekmann sein erstes Interview mit Helmut Kohl. Daraus sollte eine Freundschaft fürs Leben entstehen. Sein Studium der Geschichte, Germanistik und Politik brach der heute 48-Jährige ab – für ein Volontariat bei Axel Springer. Seine Karriere dort verlief übrigens nicht immer geradlinig: Als der damalige Vorstandschef Jürgen Richter ihn 1997 als Vizechef bei „Bild“ absetzte und zum Springer-Auslandsdienst beorderte, wollte Diekmann das Unternehmen verlassen. Dann ging der Vater von vier Kindern aber erst einmal auf eine längere Auslandsreise und bekam einige Monate später in Panama einen Anruf vom Verlag: „Komm zurück!“

 

Günter Bannas (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

„In der ‚nervösen Zone’, dem politischen Betrieb der selbsternannten ‚Alpha-Journalisten‘ und bi- oder trimedialen Selbstvermarkter, ist er ein Antipode“, sagte Stephan Detjen, Chefkorrespondent des Deutschlandradio, über seinen Freund und Kollegen Günter Bannas anlässlich der Verleihung des Medienpreises Politik 2010 des Deutschen Bundestages. Bereits seit 1981 begleitet Bannas das innenpolitische Geschehen der Republik. Als er damals zur Parlamentsredaktion der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in Bonn stieß, war er mit 29 Jahren der Youngster im Büro und schien damit prädestiniert für die Berichterstattung über „junge“ Themen: Jugend, Familie und die damals frisch gegründeten Grünen. Inzwischen leitet er seit mehr als 14 Jahren die Parlamentsredaktion der FAZ in Berlin, nachdem er zwischenzeitlich zur „Süddeutschen Zeitung“ abgewandert war. Privat entspannt der 61-Jährige am liebsten beim Basteln von Modellschiffen aus Karton, wie er der „Berliner Republik“ verriet.

 

Nikolaus Blome (Bild-Zeitung)

Die meisten kennen ihn wohl in erster Linie aus dem Fernsehen: Nikolaus Blome, 49, ist das smarte „Talkshow-Gesicht“ der „Bild“-Zeitung. Omnipräsent in den politischen Talkshows war er im Jahr 2011, als die Plagiatsaffäre um den damaligen Verteidigungsminister zu Guttenberg die Republik beschäftigte. Auch während der Causa Wulff war Blome ein häufiger Gast in den Diskussionsrunden. Dass er gerne um die richtigen Argumente streitet, kann man freitags auf „Phoenix“ beobachten: Beim Spartensender liefert er sich regelmäßig einen Schlagabtausch mit Jakob Augstein, dem Verleger der Wochenzeitung „Der Freitag“. Bei den häufigen TV-Ausflügen könnte man glatt vergessen, dass der gebürtige Bonner in erster Linie ein Print-Mann ist. Er begann seine journalistische Karriere 1991 als Wirtschaftsredakteur beim „Tagesspiegel“. Seit 1997 ist Blome ein „Springer-Mann“ und dort mittlerweile der zweitwichtigste Mann: Leiter des Hauptstadtbüros, stellvertretender Chefredakteur und Leiter des Wirtschaftsressorts. Damit ihm nicht langweilig wird, schreibt der Diekmann-Stellvertreter gelegentlich auch noch Bücher. Vor Kurzem erschien von ihm „Angela Merkel – Die Zauder-Künstlerin“.