Fotos: Marco Urban / Montage: Janice Arpert
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Fotos: Marco Urban / Montage: Janice Arpert
Über Reden

So lernen Sie, eine gute Rede zu halten

Für jeden Politiker unerlässlich: die Kunst des Vortrags. Doch wie wird man zu einem guten Redner? Sieben Tipps von unserem Rhetorik-Experten Vazrik Bazil.

von Vazrik Bazil

Gefragt sind Tipps und Tricks. Ein Laut hier, ein Gestus da, ein Wort dazwischen und ein Witz davor: Mit solchen Kniffen und Griffen soll sich die Rede einen Sitzplatz im Gehirn des Publikums erobern. Wäre Rhetorik bloß so einfach und der Redner so schlicht!

Der Mensch ist keine Maschine, die Rede kein Auspuff. Mit "Checklisten" allein läuft man sich höchstens warm, das Ziel erreicht man aber selten. Wer gute Reden halten will, muss sich Zeit nehmen und üben. Sicher keine überraschende Wahrheit, aber eine immer noch nützliche. Vor allem Abgeordnete, zu deren Rüstzeug die Rede gehört, tun sich selbst und den Bürgern einen großen Gefallen, wenn sie nicht wie ein scheues Reh mit allerlei Ausreden vor regelmäßigen Übungen davonlaufen.

Diszipliniert und reflektiert

"Übung macht den Meister" ist eine bekannte Wahrheit. Allerdings: "Viel" reden allein bedeutet noch keine Übung, auch wenn es gewiss hilft. "Üben" heißt, sich systematisch und diszipliniert mit den eigenen Redeleistungen auseinanderzusetzen. Wer meint, im Alltag dafür keine Zeit zu haben, vor allem nicht im Alltag als Abgeordneter, zeigt, wie gering er die Rede schätzt und wie sorglos er mit seiner Zeit umgeht. Nicht Ausreden sollen geübt werden, sondern Reden.

Andere Politiker – ich kenne welche –, die größere Verantwortung tragen und sicher noch weniger Zeit zur Verfügung haben, schaffen es durchaus, mit reflektierten Übungen ihre Redefähigkeiten zu Redefertigkeiten auszubauen. Warum soll dies anderen nicht auch glücken?

Diszipliniertes und reflektiertes Üben meint:

1. Die Referenten zeichnen, wenn möglich, die Reden, Interviews oder Vorträge ihres Chefs auf.

2. Sie holen zudem die Meinungen anderer zu diesen Auftritten ein.

3. Sie sind selbst, wenn möglich, bei den Auftritten ihres Chefs dabei, um Eindrücke – ihre eigenen inbegriffen – zu sammeln.

4. In regelmäßigen Abständen – etwa alle vier Monate – ziehen sich Redner und Referent einen Nachmittag lang zur Beratung zurück. Am besten außerhalb des eigenen Arbeitsplatzes und Hauses. 

5. Die gesammelten Materialen werden dann gemeinsam analysiert und Handlungsfelder bestimmt (zum Beispiel Blickkontakt zum Publikum halten oder Kunstpausen einlegen).

6. In den nächsten Monaten setzt der Redner diese Empfehlungen in jeder Rede bewusst um.

7. Beim nächsten Treffen werden die Fortschritte bewertet und neue Handlungsfelder herausgearbeitet.

Das sind die Übungen, die Redner voranbringen. Griffe und Kniffe sind nützlich, wenn sie darin Platz finden.

Wer sich hierfür Zeit nimmt, spart sich später viel Ärger und Frust und erntet die Früchte disziplinierter Arbeit – zum eigenen Glück und zum Wohle der Bürger.