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Mancher prominente Politiker verabschiedet sich im nächsten Jahr aus dem Bundestag – freiwillig wie die Altstars Michael Glos und Heidemarie Wieczorek-Zeul oder unfreiwillig wie der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse.

Der Glücklose
Als Michael Glos 1976 als junger Abgeordneter erstmals in den Plenarsaal trat, war Helmut Schmidt (SPD) noch Bundeskanzler. In Erinnerung geblieben ist er vielen wohl als CSU-Landesgruppenchef. Als Bundeswirtschaftsminister agierte er hingegen eher glücklos. Nach dann 37 Jahren ist Schluss: Der Bayer geht hoam.

Der Ex-Bürgermeister
Er war für die SPD stets eine Bank: Hans-Ulrich Klose, der Ex-SPD-Schatzmeister, Ex-Fraktionsvorsitzende, Ex-Vize-Bundestagspräsident und Ex-Hamburger Bürgermeister errang während seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter seit 1983 immer ein Direktmandat. „Es ist genug“, sagte der SPD-Politiker „Welt online“.

Die rote Heide
Die roten Haare sind bis heute ihr Markenzeichen: Nach einem Vierteljahrhundert verlässt die „rote Heidi“, wie Heidemarie Wieczorek-Zeul seit ihrer Zeit als Juso-Vorsitzende genannt wurde, die parlamentarische Bühne. Die gebürtige Frankfurterin war elf Jahre lang Bundesentwicklungshilfeministerin in drei Kabinetten. Kanzler Schröder schätzte besonders ihre Wahlkampfqualitäten.

Seehofers Kronprinzessin
Es war die Überraschung im September. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner gab bekannt, im kommenden Jahr nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren, sondern für den bayerischen Landtag, dort saß sie schon einmal eine Wahlperiode. In Bayern gilt sie als Seehofers Kronprinzessin.

Der Vollblutpolitiker
Die Leidenschaft, mit der Dieter Wiefelspütz Politik betrieb, brachte ihn bisweilen ordentlich in Rage. Ganze zwölf Jahre lang war Dieter Wiefelspütz innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion, seit 1987 sitzt er im Bundestag. Sein feuerrotes Haar ist inzwischen ergraut. Vor dem Hintergrund des Lebensalters sei seine Entscheidung, nicht mehr anzutreten, keine Überraschung, so Wiefelspütz.

Der ehemalige General
Seine Zeit als CDU-Generalsekretär währte nur wenige Monate – im Bundestag hielt es Ruprecht Polenz hingegen entschieden länger aus. Seit 1994 ist er dabei, seit 2005 als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. 2013 soll Schluss sein. Mit dann 67 Jahren sei die Zeit einfach gekommen, um sich dem Neuen, aber auch dem in all den Jahren Liegengebliebenen zu widmen, sagte Polenz.

Der Seriöse  
Als FDP-Bundes- und Fraktionsvorsitzender war er Jahre lang das Gesicht der FDP. Die Dienste von Wolfgang Gerhardt waren immer dann gefragt, wenn es darum ging, die FDP vom Image der Spaßpartei zu befreien. Trotzdem hängt dem 68-Jährigen eher das Manko an, dröge zu wirken. Mit dann 19 Jahren im Bundestag will sich Gerhardt künftig mehr um den Vorsitz der Friedrich-Naunmann-Stiftung kümmern.

Der Rechtsexperte
Nach nur zwei Legislaturperioden hat der ehemalige Berliner Justizsenator Wolfgang Wieland (Grüne) schon wieder genug von der Bundespolitik. Er fühle sich fit, wolle aber Platz für Jüngere machen, sagte der 64-Jährige der „Tageszeitung“.  Zurzeit sitzt Wieland noch für die Grünen im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der NSU-Morde.

Der Ex-Kanzleramts­minister
Mit Rolf Schwanitz verliert die SPD-Fraktion neben Thierse noch einen namhaften DDR-Bürgerrechtler. Schwanitz, der seit 1990 im Parlament sitzt, war während der Regierungszeit von Gerhard Schröder dessen Kanzleramtsminister. Danach war er unter Ulla Schmidt parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium.

Der Bundestags-Vize
Mit Wolfgang Thierse verliert der Bundestag eine ostdeutsche Symbolfigur: Seit der Wiedervereinigung sitzt der überzeugte Christ im Bundestag, zwischen 2002 und 2005 als Bundestagspräsident. Nun zieht er sich zurück. Nicht ganz freiwillig, das schreiben zumindest die Zeitungen. Die jüngere Konkurrenz ist dem 69-Jährigen inzwischen auf den Leib gerückt. Das Direktmandat in seinem Wahlkreis Berlin-Pankow verlor er 2009 gegen den Linken-Abgeordneten Stefan Liebich.

Die Haushaltsexpertin
Als Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Bundestags bekleidet Petra Merkel (SPD) in dieser Legislaturperiode kein einfaches Amt. Sicher kam der Berlinerin dabei ihre kaufmännische Ausbildung zugute. Nach vier Wahlperioden – sie gewann ihren Wahlkreis Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf jeweils direkt – hat die 64-Jährige in einem Rundbrief angekündigt, nicht wieder anzutreten. „Familie und Freunde sind mir immer wichtig“, und sie wolle mehr Zeit für ihre Enkelkinder haben, so Merkel.

Der Bilderbuch-Genosse
Von ihm stammen Sätze wie: „Opposition ist Mist“. Die Rente mit 67, die er bis heute verteidigt, hat Franz Müntefering für sich selbst nicht akzeptiert. Mit 72 Jahren ist nun aber doch Schluss, Münte kandidiert 2013 nicht mehr für den Bundestag „Das wird meine Frau alleine machen müssen“, sagte er Ende September. Der Sauerländer war von 1975 bis 1992 und seit 1998 im Bundestag vertreten.