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The Show must go on

Karl-Theodor zu Guttenberg ist nach seinem wenig glamourösen Rücktritt als Verteidigungsminister vor knapp zwei Jahren in die USA ausgewandert. p&k hat sich angeschaut, was der Ex‑Verteidigungsminister in seiner neuen Heimat so treibt.

von Marie-Luise Klose

Den großen Auftritt hat Karl-Theodor zu Guttenberg nicht verlernt. An einem Novembernachmittag hält er in Washington D.C. einen Vortrag für seinen neuen Arbeitgeber: den renommierten Think-Tank „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS). Mit dem Titel „distinguished statesman“ (deutsch: angesehener Staatsmann) arbeitet der Ex-Minister für die Denkfabrik. Einige Straßenblöcke vom Weißen Haus entfernt, sitzen im fensterlosen Kellerraum des CSIS etwa 120 Gäste, um Guttenbergs Vortrag zur „Zukunft der
transatlantischen Beziehungen“ zu hören. Theoretisch – denn tatsächlich setzt sich das Publikum zu einem bemerkenswert großen Teil aus deutschen Journalisten zusammen, die alle nur eins interessiert: Was ist dran an den Gerüchten, dass Guttenberg pünktlich zur Bundestagswahl 2013 nach Deutschland zurückkehrt und für die CSU um Stimmen kämpft?
„Quatsch“, seien die Gerüchte – das verkündet er gleich vorneweg. „Meine Familie und ich sind zu glücklich hier“, sagt Guttenberg. Eine „schnelle Rückkehr“ schließt er aus. Damit hält er sich ein Hintertürchen offen, irgendwann kommt er vielleicht doch zurück. Auf den Bundestagswahlkampf 2013 hat er jedenfalls keine Lust. Stattdessen genießt er es, im Rampenlicht zu stehen und über die Probleme der Welt zu sprechen – denn ohne politisches Amt ist es leicht, mal richtig auszuholen. In seinem einstündigen Vortrag kriegt jeder sein Fett weg. Die Amerikaner wegen ihres ideologischen Wahlkampfs und ihrer Ignoranz gegenüber dem Klimawandel: Pfui. Aber auch die Deutschen, die sich nicht genug mit amerikanischen Problemen beschäftigen und völlig unkritisch Obama anhimmeln: So nicht! In der Eurokrise sei Europa zu zögerlich und kümmere sich zu viel um Einzelinteressen. Die Nato hätte nie einen Termin für einen Rückzug der Truppen aus Afghanistan nennen dürfen – einen Krieg, den man sowieso nicht mehr gewinnen könne. Und alle zusammen versagen kläglich, weil sie mit der demografischen Zeitbombe nicht umzugehen wissen. Guttenberg hat gesprochen. Immerhin: Mit konkreter Kritik an der Bundesregierung hält er sich auffallend zurück – vielleicht, weil er irgendwann doch nach Berlin zurück will.
Nach dem Rundumschlag auf einer kleinen Bühne zwischen einer Vielzahl Plastikpflanzen darf das Publikum Fragen stellen. Als erstes springt ein aufgeregter deutscher Student im Anzug auf, eine kleine Deutschlandflagge am Revers. Es folgt eine lange Dankesbekundung für den Vortrag, seine Stimme überschlägt sich vor Aufregung. Guttenberg strahlt und beantwortet ruhig und gelassen alle Fragen: zu sozialen Netzwerken, zur EU-Erweiterung, zu China, Russland und Bosnien. Moderiert wird diese „lässige Runde“ von Heather A. Conley, Leiterin der Europaabteilung des CSIS. Nach jeder Antwort von Guttenberg sagt sie „Wow“ und „Thank you“, und während er spricht, nickt sie heftig mit dem Kopf. Der „distinguished statesman“ fühlt sich in seiner Rolle sichtlich wohl.
Dann ist die Veranstaltung zu Ende. Guttenberg plaudert noch kurz mit einigen Journalisten, für ausgiebige Fernseh-Interviews hat er keine Zeit mehr. Von Blitzlichtern begleitet, verlässt er schnellen Schritts den Raum. Alles fast wie früher.