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Foto: Marco Urban

Rhetorikcheck: Ursula von der Leyen

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat vor dem Bundestagsplenum den Etat ihres Ressorts präsentiert. Rhetorikcoach Frank Hartmann analysiert für p&k ihre Rede.

von Frank Hartmann

Es ist nach 17 Uhr, als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen an das Rednerpult tritt. 38 Abgeordnete haben seit dem Morgen im Deutschen Bundestag zum Haushalt 2015 gesprochen. Die Reihen haben sich gelichtet. Kein Zweifel, auf viele wirkt Ursula von der Leyen routiniert und kompetent in der Sache. Und nicht wenige wünschen sich, ebenso energiegeladen und souverän zu wirken wie sie. Doch machen diese Eigenschaften allein einen guten Redner aus?

Die Eröffnung: Routiniertes Lesen vom Blatt

"Vielen Dank, Herr (Pause) Präsident, liebe Kolleginnen und (Pause) Kollegen, wir diskutieren den (Pause) Haushalt 2015 vor einer Folie (Pause) gravierender Veränderungen." So mancher Redner gerät bei Manuskriptreden ins Stocken, in die falsche Zeile oder verspricht sich. Nicht so Frau von der Leyen: Sie macht an der falschen Stelle Pause! Kommata und Satzpunkte werden gerne mal überlesen, dafür zwischen Artikel und Substantiv eine Kunstpause gesetzt. Theaterleute würden sagen, dass der Schauspieler mehr mit dem Aufsagen seines Textes beschäftigt ist, als mit dem eigentlichen Spiel. Das Resultat: Die Emotionen fehlen und damit die Möglichkeit zur Identifikation. Die Verteidigungsministerin verweigert damit den Kontakt zum Publikum. Empathie und Identifikation jedoch wünschen sich viele Zuhörer auch bei einer Rede. Und das mit Recht!

Die Folgen: Perfekte Körpersprache ohne verbindliche Emotionen

"Wir sehen einen blutigen Vormarsch des 'Islamischen Staates' im Irak und Syrien, geprägt von unbeschreiblicher Grausamkeit." Ursula von der Leyen hat zwar eine ausgezeichnete Haltung, klare Gesten und sogar eine scheinbar emotional in Sorgenfalten gelegte Stirn, wenn es darauf ankommt. Jedoch wirken die teilweise lehrerhafte Diktion zusammen mit überkorrekten Gesten auch distanzierend, manchmal sogar unglaubwürdig. Es fehlen innere Anteilnahme und verbindliche Emotionen, die wir zum reflektierenden Zuhören und Verstehen brauchen.

Der verräterische Schluss: Ein Lächeln oder worum es eigentlich geht

Inhaltlich haben sich Steinmeier und von der Leyen abgesprochen. Waffenlieferungen an die Kurden im Irak? Steinmeiers Antwort im ZDF: "Schulterklopfen alleine reicht nicht!" Internationale Herausforderungen für die Bundeswehr? Von der Leyens Antwort: "Das… führt uns auch immer wieder vor Augen, dass Freiheit und Sicherheit nicht zum Nulltarif zu haben sind." Doch jetzt kommt es: "Wir können jetzt nicht einfach mehr Geld für Verteidigung in 2015 fordern." – Nein, natürlich nicht! Denn: "Das eigentlich Entscheidende sind die Menschen in der Bundeswehr! … deswegen unsere Agenda 'Attraktivität'… Das Gesetz wird nach jetzigem Stand zusätzliche Mittel beanspruchen." Aha! "Die exakten Zahlen können wir erst vorlegen, wenn…" Na, also! Dafür noch ein Lächeln zum Schluss: "Deutschland ist sicher… dank auch den Leistungen der Bundeswehr… Damit das auch in Zukunft so bleibt, braucht es einen verlässlichen Verteidigungshaushalt." Das Lächeln gefriert: Vielleicht ging der Blick ja ein wenig zu lange in die leeren Sitzreihen… Fazit: Mut zu Emotionen, bitte!

Mimik, Gestik, Körpersprache:
Lebendiger Ausdruck:
Redeaufbau: