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Foto: Marco Urban
Praxis

Rhetorikcheck: Julia Klöckner

Bei "Maybrit Illner" hat die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner am Donnerstagabend klare Kante gegen Islamismus gefordert. Rhetorikexperte Frank Hartmann analysiert für p&k ihren Auftritt.

von Frank Hartmann

Julia Klöckner bekommt bei "Maybrit Illner" schnell ihren ersten Applaus. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende spricht beim Thema "Mord im Namen Allahs – woher kommen Hass und Terror?" über organisierte Rekrutierung, über junge Männer, die eine Ich-Störung haben und denen versprochen wird, dass sie Teil einer großen Geschichte werden: "Das Ergebnis ist dann, wenn man radikalisiert wird, dass man den Glauben über die Rechtsordnung stellt. Das ist das, was wir alle nicht wollen!" Das Publikum nickt und applaudiert.

Wenig später ist ein kurzer Film zu sehen, in dem die Kanzlerin sagt: "Der Islam gehört zu Deutschland." Maybrit Illner fragt nach: "Frau Klöckner, ist der Satz von Angela Merkel richtig?"

"Ähm, ich würde ihn modifizieren, indem ich sage: Muslime gehören zu Deutschland. Und, äh, ich unterstreiche das, was Wolfgang Bosbach gesagt hat, man weiß ja nicht, welche Ausprägung des Islam… Ganz real ist es, dass im Namen des Islam auch gemordet und getötet wird… Die Religion kann niemals über dem Grundgesetz stehen, auch nicht die Scharia! Die Deutungshoheit, die der Einzelne hat, ist mitunter nicht nur kreativ, sondern auch tödlich!" Es sind diese Sätze, die ankommen. Sätze, mit denen Julia Klöckner Haltung zeigt und Position bezieht.

Erst Passiv, dann Aktiv

Ab und an sind ihre Sätze zu lang. Julia Klöckner formuliert außerdem gerne im Passiv, merkt es aber selbst und übersetzt dann in Ich-Botschaften und griffige Kernaussagen: "Wir sollten erst einmal fragen: Gilt die Gleichberechtigung von Mann und Frau? – Ich habe ein Problem damit, wenn man sagt, die Vollverschleierung ist in Ordnung, aber man kämpft gleichzeitig für gleiche Bezahlung und für die Frauenquote. Das passt nicht zusammen, meiner Meinung nach!"

Eine weitere rhetorische Stärke Julia Klöckners sind Fragen, die vom Redner in der Diskussion selbst gestellt und beantwortet werden: "Die Frage ist, wie verhält sich die Religion in der säkularen Welt? Das ist, glaube ich, die große Herausforderung. Und vor dieser Herausforderung steht der Islam mehr als das Christentum." Oder später in der Sendung: "Es gibt 21 Länder auf dieser Welt, da steht Religionswechsel unter Strafen, drakonischen Strafen! Das sind alles islamisch geprägte Länder. Welcher Anspruch entsteht daraus?"

Noch stärker argumentiert sie am Ende der Sendung. Die Zeit läuft, klare Beispiele müssen her: "Warum soll eine Frau, nur weil sie Frau ist und weil ein Mann angeblich nicht das Haar und das Gesicht sehen soll in der Öffentlichkeit, sich verschleiern? Wenn ein Mann ein Problem mit diesem Anblick hat, hat nicht die Frau das Problem, dann hat der Mann ein Problem!" Wieder Applaus.

Engagiert, frisch und sympathisch bleibt Julia Klöckner auch beim Reizthema Vollverschleierung: "Das fällt für mich nicht unter kulturelle Vielfalt, sondern unter Missachtung der Rechte der Frau."

Fazit: Julia Klöckner hat das, was die Engländer common sense, gesunden Menschenverstand, nennen. Damit dürfte sie für weitere Debatten über die freie und offene Gesellschaft gut aufgestellt sein!

 

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