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Foto: Flickr.com/Blu News

Rhetorikcheck: Horst Seehofer

"Wer das bessere Deutschland erleben will, muss nach Bayern kommen", schmetterte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer den Anhängern in der Passauer Dreiländerhalle entgegen. Rhetorikcoach Frank Hartmann analysiert für p&k seine Rede auf dem politischen Aschermittwoch.

von Frank Hartmann

Am Aschermittwoch schicken die Parteien ihre Löwen ans Rednerpult, um den politischen Gegner bei guter Laune hart anzugreifen. Bei der CSU in Passau ist bereits am Morgen jeder Platz besetzt.

John Wayne der Politik

Die Parteifreunde sind in Bierstimmung, als Horst Seehofer an das Rednerpult geht. Nein, Seehofer schreitet! Kraftvoll, gelassen, mit ruhigen und selbstsicheren Schritten. Wenn im amerikanischen Wahlkampf die Präsidentenkandidaten sportlich winkend die Bühne erstürmen, dann haben wir es bei Horst Seehofer eher mit dem John Wayne der Politik zu tun.

„Hier in Passau bei der CSU ist in diesem Jahr der Aschermittwoch der Tag der Wahlgewinner: Willkommen bei den Siegern!“ Der Saal ist begeistert, tobt wie bei der Pokalpräsentation des FC Bayern auf dem Münchener Rathausplatz.

Denn eins wird gleich zu Beginn klar gestellt: Der politische Aschermittwoch der CSU ist eine Siegesfeier - die absolute Mehrheit der CSU durch Seehofers Führung wiederhergestellt: „Bayern ist jetzt wieder der schwärzeste Erdteil Europas!“ Und: „Wer das bessere Deutschland erleben will, der muss nach Bayern kommen!“ 

Kurz bevor ich das Bahnticket buchen kann, geht’s schon weiter: „Und ich möchte auch einem Freund danken: Hans-Peter Friedrich.“ 30 Sekunden Applaus. Man möchte sich eine Träne aus dem Auge wischen. Redezeit und Pausenzeit wirken gefühlt gleich lang!

Seehofer weiß, wie es geht

Selten zuvor hat ein Politiker einen so großen Saal mit so wenigen Worten so stark bewegt und motiviert. Seehofer weiß, wie es geht und spricht über den Mythos CSU, das Bayern-Gen und die Regelwut Europas. „Wir gehen unseren Weg mit sanfter Beharrlichkeit … und wenn wir die letzten Preußen sind, wir halten Stand!“ Es sind diese Sätze, die Seehofers Rhetorik prägen.

Fazit: Er weiß, was die Partei hören will. Selbstsicher, aber auch verschmitzt findet Seehofer die richtigen Worte für das, was die Menschen bewegt. So sollte der gute Redner agieren. Nur eines bleibt hin und wieder auf der Strecke: die Stimme und das richtige Maß!

Mimik, Gestik, Körpersprache:
Lebendiger Ausdruck:
Redeaufbau: 

 

 

 

Frank Hartmann

berät und trainiert als Geschäftsführender Gesellschafter der Hartmann Rhetorik GmbH Politiker und Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung.

www.hartmann-rhetorik.de