Foto: Laurence Chaperon
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Foto: Laurence Chaperon
Praxis

Rhetorikcheck: Armin Laschet

Frank Hartmann analysiert für p&k im Rhetorikcheck Reden der drei Bewerber um den CDU-Parteivorsitz. Teil eins der Reihe: Armin Laschet beim Aschermittwoch

von Frank Hartmann

Einmal im Jahr – zum politischen Aschermittwoch – steigen die Hauptredner der Parteien angriffslustig in den Ring. Ihr Ziel: den politischen Gegner durch treffende Worte und schlagkräftige Argumente zu attackieren. Mehr noch kommt es hier auf Wortwitz, pointierte Vergleiche und Übertreibungen an.

Konnte Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, was wir aus Passau vom "größten Stammtisch der Welt" von der CSU kennen? Wie wirkte seine erste Aschermittwochsrede auf die Zuhörer? Eine Rede, die zugleich auch als Bewerbungsrede für den CDU-Parteivorsitz verstanden wurde. Sind seine Pointen auch im Saal angekommen und haben emotionale Wirkung entfacht?

"Nichts liebt das Publikum so sehr wie Kürze, Anschaulichkeit und Antithetik" wusste schon Aristoteles

Egal wo Armin Laschet in den vergangenen Monaten auftaucht, ob Fernseh-Talk-Show oder großer Saal, stets zeigt er sich bürgernah, verständnisvoll und ausgleichend. Es ist eher der leise Ton, der bei Laschet die Musik macht. Der politische Aschermittwoch jedoch verlangt mehr. Das wusste auch der studierte Staatsrechtler und ehemalige Integrationsminister sehr genau. Und so passte Laschet am 26. Februar in Kirchveischede seinen Ton an und beschrieb gleich zu Beginn äußere und innere Bedrohungen unseres gewohnten Zusammenlebens:

"Wir wissen, dass Europa sich anstrengen muss, wenn es im Wettbewerb mit China und den Vereinigten Staaten noch mitspielen will. Wir wissen, dass wenn es einen Handelskrieg dort gibt, dass er direkt Arbeitsplätze auch bei uns in diesem erfolgreichen Kreis Olpe betreffen kann. Weltpolitik endet im letzten Dorf, wo die Menschen das spüren."

Hier ist Laschet zu Hause. Die Weltpolitik bis auf den Kreis Olpe runterbrechen – ein antithetischer und zugleich bildhafter Kontrast – das ist seine Stärke. Und diesmal schon lauter und engagierter als in vielen Reden zuvor.

Die Fähigkeit für das große Thema kleine, dafür aber konkrete und verständliche Beispiele zu verwenden, zeichnet Laschets Aschermittwochsrede aus. Beim Thema "Weltpolitik" entsteht Sachkenntnis (Pragma). Durch sein lebensnahes und anschauliches Beispiel "Kreis Olpe" kommt Persönlichkeit (Ethos) hinzu. Gute Beispiele aus der Erlebnis- und Erfahrungswelt der Bürger zu kennen und zu verwenden, das ermöglicht Identifikation: Der Armin, der ist einer von uns.

Der Ton macht die Musik: Ausgleichend oder kämpferisch

Armin Laschets Stärke, sein ausgleichender, vermittelnd wirkender Ton, seine Nähe und Verbindlichkeit, könnte für eine Aschermittwochsrede fehl am Platze sein. Dann wäre der Saal enttäuscht. Denn jedes Publikum hat zu bestimmten Anlässen emotionale Bedürfnisse und Erwartungen. Das Ziel der Karnevalszusammenkunft: durch Humor aufgebaut, von Zweifeln befreit und emotional gestärkt herauszugehen. Karnevalsredner sollten diese Erwartungen auf keinen Fall einfach ignorieren.

Laschet muss also angreifen, wenn er die Emotionen der Zuhörer bewegen will (Pathos). Und wer eignet sich da besser, als jene, die bereits im Bundestag und in den Landesparlamenten die politische Bühne für Ihre Zwecke missbrauchen: die AfD.

Laschet: "Wir lassen uns unser Land nicht kaputt machen! Von diesen Typen, die da in den Parlamenten Stimmung machen!" Langer Applaus.

Die richtige Balance von Pragma – Ethos – Pathos

Wenn Armin Laschet für die Herausforderungen unserer Zeit machbare und nützliche Lösungen vorschlägt, dann nennen wir das pragmatisch. Ethos entsteht durch die vielen bildhaft wirkenden Beispiele und seinen verbindlichen Ton. Das kommt an. Armin Laschet wirbt engagiert und schmunzelnd bisweilen aber auch kämpferisch für seine Politik. Großes Pathos fehlt zwar, doch zum Schluss wird Laschet richtig leidenschaftlich. Als pragmatischer Problemlöser gilt sein Angriff den Herausforderungen, die die CDU nur gemeinsam lösen kann:

"Und ich würde mir wünschen, dass wir diese Breite, christlich-soziale, liberale und konservative, alle zusammen, dass wir gemeinsam für unsere Werte, dass wir das irgendwann auch einmal hinkriegen im Bundeskabinett abzuspiegeln… Volkspartei in allen Facetten auch in der Bundespolitik. Wenn wir das schaffen, werden wir die stärkste Partei, werden wir den nächsten Kanzler stellen und dafür arbeiten wir alle gemeinsam. Vielen Dank und Glück auf!“

Fazit

 Armin Laschet schafft zwar kein KO im Schlagabtausch mit dem politischen Gegner, aber hält eine gute und überraschend leidenschaftliche Bewerbungsrede für den CDU-Parteivorsitz.

Frank Hartmann

berät mit seinem Trainerteam Fach- und Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft.