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Qualitätssiegel für Redenschreiber

Bislang gibt es für die Ausbildung zum Redenschreiber keinerlei bundesweit einheitlichen Prüfungskriterien. Das soll sich nun ändern, erläutert Vazrik Bazil, Präsident des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache, im Interview.

Herr Bazil, der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) und die Prüfungs- und Zertifizierungsorganisation der deutschen Kommunikationswirtschaft (PZOK) entwickeln derzeit einen zertifizierten Abschluss für Redenschreiber. Warum?

Weil wir für den Beruf des Redenschreibers ein Qualitätssiegel brauchen, das allen Seiten klare Orientierung gibt. Viele Trainer bieten Redenschreiber-Kurse an. Auch Akademien für Journalisten und PR-Leute ziehen nach. Doch was fehlt, ist ein ausbilderunabhängiges und bundesweit standardisiertes Abschlusszertifikat. Unsere Initiative hängt aber auch eng mit dem Stand der Ausbildung zusammen.

Inwiefern?

Die bisherige Ausbildung der Redenschreiber ist fast ausschließlich textorientiert. Redenschreiber schreiben Reden und brauchen das Rüstzeug des Redenschreibens, so der allgemeine Ansatz. Das stimmt ja auch. Aber  Redenschreiber tun eben mehr, als nur Reden zu schreiben. Ihr Selbstverständnis hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt.

Könnten Sie das erläutern?

Redenschreiber verstehen sich heute nicht nur als Schreiber, sondern beraten ihre Redner auch, geben ihnen Ideen und bieten sich als Sparring-Partner an. „Redenberater“, „Redenmanager“, „Ghostwriter“, „Ghostthinker“ – all das sind treffende Bezeichnungen. Deshalb ist es sinnvoll, die Ausbildung zu erweitern.

Was heißt das konkret?

Zum einen wollen wir betriebswirtschaftliches Wissen in die Ausbildung integrieren. Es gibt ja nicht nur angestellte, sondern auch freiberufliche Redenschreiber und solche, die nach einer Festanstellung in die Selbstständigkeit streben. Wie man Businesspläne aufstellt, Kunden akquiriert, Angebote erstellt, welche Steuersätze man wann erhebt – das sind Fragen, mit denen sich alle freiberuflichen Redenschreiber herumschlagen.

Könnten sie sich dieses Wissen nicht auch anderswo aneignen?

Sicher. Wir halten es aber für sinnvoller, es in gebündelter und auf Redenschreiber zugeschnittener Form aufzubereiten und in den entsprechenden Ausbildungsgängen anzubieten.

Was sollte die Ausbildung außerdem beinhalten?

Definitiv mehr Kommunikationswissen. Rede als PR-Instrument übt eine Hebelwirkung in der „Persönlichkeits-PR“, im „Issue-Management“ oder im „Krisenmanagement“ aus. Wer als Redenschreiber PR-Akademien besucht, erlernt die Grundlagen dieser Disziplinen einzeln und isoliert, doch – und das ist der entscheidende Mangel – baut ihm niemand die Brücke zwischen Redenschreiben und zum Beispiel Krisenmanagement.

Wie könnte eine solche Brücke aussehen?

Indem angehende Redenschreiber lernen, wie glaubwürdige „Entschuldigungsreden“ verfasst sind: Wovon hängt ihr Erfolg ab? Nur vom Text oder von anderen Faktoren, auf die Redenschreiber  Einfluss nehmen sollten? Auch hier ist es ratsam, das PR-Wissen, zugeschnitten auf Redenschreiber, zu bündeln und das allgemeine für PR-Leute durch spezifisches für Redenschreiber zu ersetzen.

Wo sehen Sie weitere Defizite in der bisherigen Ausbildung?

Eine interne Umfrage des VRdS hat ergeben, dass circa acht Prozent der Redenschreiber nur Redetexte verfassen. Die anderen schreiben zusätzlich Namensartikel, Briefe, PR-Texte, Pressetexte, Geschäftsberichte und so weiter. Das heißt: Redenschreiber spielen auf der gesamten Klaviatur der sprachlichen Kommunikation. Eine zeitgemäße Ausbildung sollte Redenschreibern zeigen, wie sie ihre Macht als „Sprach-Chefs“ nutzen und zum Beispiel sprachliche Leitlinien für ihre Organisationen entwickeln könnten. Außerdem wollen wir die Redenschreiber besser auf die Arbeitsabläufe in ihrem Beruf vorbereiten.

Warum ist das wichtig?  

Weil der Erfolg von Redenschreibern nicht nur von ihren Texten abhängt, sondern davon, wie sie ihre Arbeit organisieren. Dabei geht es zum Beispiel um die Organisation von Arbeitsabläufen mit dem Chef, mit seinem Büroleiter und mit den Referats- oder Unit-Leitern. Es geht auch darum, wie informelle Informationsquellen erschlossen und interne Netze geknüpft werden können. Redenschreiber müssen schließlich nicht nur ganz Hand, sondern auch ganz Ohr und ganz Nase sein, um Stimmungen zu erfassen und Atmosphärisches zu wittern.