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International

Public Affairs in Zeiten der Krise

Viele Menschen bewerten die Chancen und finanziellen Möglichkeiten der zukünftigen Generation zunehmend kritisch. Das in der Bevölkerung weit verbreitete Gefühl, in einer permanenten Krise zu leben, stellt die Public Affairs vor neue, zusätzliche Herausforderungen.

Von Peter Köppl

Die globalen Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Heute gibt es auf der Welt mehr demokratische Staaten, weniger Kriege und einfachere Zugänge zu Bildung und Informationen als vor 20 Jahren. Dennoch zeigen Umfragen, dass die Menschen die Chancen und finanziellen Möglichkeiten der zukünftigen Generation zusehends pessimistisch bewerten. Der Grund für diese Fehleinschätzung ist die individuelle Wahrnehmung der Lebensumwelt, die in den meisten Fällen nicht mit der tatsächlichen Realität übereinstimmt.

Diese Verzerrung durch sogenannte "Krisenbeschleuniger" – wie etwa die zunehmende Informationsflut oder die steigende Komplexität von Politik und Wirtschaft – schafft Unsicherheit und führt zu mangelndem Vertrauen innerhalb der Gesellschaft sowie gegenüber Wirtschaftsunternehmen und der Politik. Krisen erscheinen weitreichender und tragischer, als sie tatsächlich sind. Man könnte daher mit Fug und Recht sagen, "es ist nicht so tragisch, wie es auf den ersten Blick aussieht", wie es Doug Pinkham, Präsident des Public Affairs Council in Washington D.C., formuliert.

Der Public Affairs Council wurde 1954 auf Initiative von Präsident Dwight D. Eisenhower gegründet. Ziel war es, Unternehmen dabei zu unterstützen, bessere Arbeitsbeziehungen zur Regierung aufzubauen. Im Public Affairs Council wurden Manager dieser Firmen gezielt in politischem Know-how und dem Umgang mit der Politik geschult, woraus sich auch das heutige Public-Affairs-Verständnis herleitet. Über die Jahrzehnte hinweg verlagerte sich die Kernausrichtung des Public Affairs Council in dem Sinne, dass Mitarbeiter aus Unternehmen verstärkt in den Bereichen politisches Engagement und Lobbying gegenüber erstarkenden Stakeholdern wie Gewerkschaften, Konsumenten- und Umweltschützern geschult werden.

Den Krisen entgegentreten

Aus Sicht des Public Affairs Council ist Public Affairs jene Unternehmensfunktion, die die Beobachtung des Geschäftsumfelds und das Management der unternehmerischen Reaktion darauf betreibt. Transparente und konsistente Kommunikation über alle Kanäle an alle Stakeholder sind der Schlüssel zum Erfolg. Wie kann nun erfolgreiche Public-Affairs-Arbeit in Zeiten – zumindest gefühlt permanenter – Krisen aussehen? Basierend auf Erkenntnissen des Public Affairs Councils hebt Doug Pinkham folgende Punkte hervor:

Charakteristika führender Public-Affairs-Unternehmen

  • Topmanagement und Mitarbeiter mit einbeziehen
  • Aufbau und Pflege externer Beziehungen, um Bündnisse zu kreieren
  • Public Affairs agieren als direkte Unterstützung der Business Units
  • Kommunikations- und Public-Affairs-Verantwortliche müssen eng zusammenarbeiten und Themen abstimmen
  • Einsatz externer Public-Affairs-Berater
  • Entscheidungs- und Evaluationsmethoden sollen geschaffen werden
  • transparente Kommunikation nach innen und außen
  • regelmäßige Evaluierung des öffentlichen Images

Doug Pinkham ist seit 1997 Präsident des politisch unabhängigen Public Affairs Councils in Washington D.C., der aktuell mehr als 700 Unternehmen und Verbände als Mitglieder führt. Er war auf Einladung der Österreichischen Public Affairs Vereinigung  Referent beim 3. Österreichischen Kommunikationstag in Wien.

Peter Köppl

ist Präsident der Österreichischen Public Affairs-Vereinigung (ÖPAV) und Managing Director von Mastermind Public Affairs (Wien).