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Protokollfest

Wenn es ganz förmlich zugeht in der Politik, gibt das Protokoll die nötigen Verhaltensvorschriften an die Hand. Vor allem im Umgang mit auswärtigen Gästen ist das eine Hilfe.

Von Julia Hähnel

Während Knigge und Etikette den zwischenmenschlichen Umgang betreffen, regelt das Protokoll die offiziellen Beziehungen zwischen den Repräsentanten von Staaten untereinander oder den Umgang mit solchen. Staatliche Feiern, Empfänge für Staatsgäste oder auch offizielle Veranstaltungen von Wirtschaftsunternehmen: Das Protokoll gibt die Regeln für ein Zusammentreffen vor. Seine Aufgabe ist es, eine konfliktfreie Atmosphäre zu schaffen. Zu beachten ist dabei der Grundsatz der Vergleichbarkeit. Das bedeutet, dass alle, die vom Titel her gleichrangig sind, auch gleich behandelt werden.

Staatschefs sind gleich

Staatschefs etwa werden unabhängig davon, wie groß oder bedeutend ihr Land ist, immer mit den gleichen Würden empfangen. Es kommt aber auch auf die Verhältnismäßigkeit an: Kosten und Aufwand müssen im Bezug zu Anlass und Gästen stehen – schließlich sollen die Gäste nicht durch übermäßigen Prunk beschämt werden. Auch Wirtschafts­unternehmen und die großen Wirtschaftsverbände unterhalten heutzutage Protokollabteilungen. „Protokoll bedeutet heute vor allem professionelles Gästemanagement  auf ranghohem Niveau“, erklärt Alexander Freiherr von Fircks, der über zehn Jahre lang Protokollchef der Bundesregierung war. Der Protokoller stellt – zusammen mit dem Gastgeber – die Gästeliste zusammen, erstellt die Tischordnung, sorgt für eine rechtzeitige Einladung und wählt die passenden Speisen und Getränke.
Doch auch im Alltag erfordert es der gute Ton, bei Begrüßungen und Vorstellungsrunden die korrekte protokollarische Rangfolge einzuhalten. Die Rangfolge der Staatsorgane ist klar geregelt. Repräsentanten der Legislative werden grundsätzlich höher eingestuft als Vertreter der Exekutive und der Judikative. Gewählte Vertreter des Volkes haben verfassungsmäßig ein besonderes Gewicht, das sich auch in der protokollarischen Rangfolge widerspiegeln sollte. Besonders knifflig sind Tischordnungen dann, wenn neben Politikern auch Vertreter aus der Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Bereichen teilnehmen. Das erfordert vor allem Fingerspitzengefühl. Alter, Umsatz und die Anzahl der Beschäftigten sind bei Unternehmern die Kriterien für die richtige Platzierung. „Wichtig ist aber auch, für interessante Gespräche zu sorgen“, so von Fircks.

Gesprächsstoff

In der Bundesrepublik wurden die Regeln des Protokolls nach ihrer Gründung vollständig neu geregelt. „Man wollte sich auch in Protokollfragen klar von Kaiser- und NS-Zeit abheben. Für die neue Republik wurde absichtlich ein sehr schlichtes Zeremoniell erdacht“, sagt Horst Arnold, der ehemalige Protokollchef im Bundespräsidialamt. Zudem musste das Protokoll innerhalb der Grenzen der Höflichkeit klare Abstufungen ermöglichen, was die Gästen gegenüber gewährten Ehren betrifft. So werden nur ganz besondere Gäste bereits auf dem Flughafen vom Bundespräsidenten in Empfang genommen.