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Phönix aus der Asche

Der Verband der Zigarettenindustrie hat seine Arbeit aufgenommen. Der Name ist neu, die Büros sind es auch. An der inhaltlichen Ausrichtung feilen die Mitglieder aber noch.

Annett Zühlke

Hinter einer unscheinbaren Glastür in Berlin-Mitte liegen die neuen Büroräume des Deutschen Zigarettenverbands (DZV). Einen Empfang gibt es nicht, auch keine Schilder, die einem den Weg weisen. Nichts hier deutet auf Tabak, auf Zigaretten hin. Die Büros sind verglast, lichtdurchflutet und hübsch eingerichtet mit hellen Möbeln und vielen Pflanzen. In diesen Räumen geht das Motto des neuen Verbands auf: mehr Transparenz.

Am 14. März verkündete der DZV seine Neugründung. Unter neuem Namen und mit einem neuem Konzept soll die Zigarettenindustrie nun wieder mit einer Stimme sprechen. Vor knapp einem Jahr läutete der Austritt des Marktführers Philip Morris aus dem damaligen Verband der Cigarettenindustrie (VdC) dessen Ende ein. Die Idee eines Verbands sei es, gleiche Ansichten und Interessen zu bündeln. „Doch diese unterschieden sich zunehmend“, sagt Elfriede Buben, Managerin für externe Kommunikation bei Philip Morris. Das Unternehmen wolle sich darauf konzentrieren, die eigene Sichtweise zu vermitteln und für eine umfassende Regulierung der Tabakwirtschaft einzutreten.

Neuausrichtung

Diese sollte sich an „gesundheitspolitischen Zielen“ orientieren, begründete Philip Morris seinen Austritt aus dem VdC im Mai 2007. So tritt das Unternehmen für eine einheitliche Tabakbesteuerung ein und steht einer starken Einschränkung der Tabakwerbung offen gegenüber. Ein Werbeverbot nutze aber immer dem Marktführer, meinen die konkurrierenden Unternehmen und Beobachter der Szene.

„Wir haben auch in Märkten nichts gegen derartige Regelungen, in denen wir weit hinten liegen. Es hat sich gezeigt, dass wir auch in sehr streng regulierten Märkten sowohl verlieren als auch gewinnen können“, sagt Buben zu dieser Interpretation.

Mit dem Austritt von Philip Morris aus dem VdC brach dem Verband ein Großteil des Kapitals und des Personals weg. „Ein Neustart war da die beste Option“, sagt Sebastian Blohm, Pressesprecher des Mitgliedsunternehmens Reemtsma. „Wir wollten neue Strukturen schaffen und die Kernbotschaften des Verbands ändern.“ Außerdem haftete dem VdC ein negatives Image an. Von Hinterzimmerlobbyismus bis hin zu gekauften Wissenschaftlern, die Forschungen zu Gefahren des Zigarettenkonsums beeinflusst haben sollen – über die mächtige Tabaklobby wurde viel getuschelt. In der Neugründung sahen die verbliebenen Mitgliedsunternehmen die Chance, sich davon zu befreien.

Doch Tabak bleibt Tabak. Und die übrig gebliebenen fünf Mitglieder sind die gleichen. Was sich ändern wird, kann bisher noch niemand sagen. Unter neuem Namen und in neuen Büros feilt der DZV derzeit noch an seinen Inhalten und seinem Auftreten. An den Themen auf der Agenda hat sich in den verbandslosen Monaten nicht viel geändert – Zigarettenschmuggel, Besteuerung, Werbeverbote, EU-Richtlinien, Inhaltsstoffe. Das Rad wird der DZV nicht neu erfinden. Und über die genauen Positionen müssen sich die Mitglieder erst noch einig werden. Wohin die Reise des Zigarettenverbandes geht, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

In der Zwischenzeit liegt die Betonung darauf, wie wichtig es sei, dass es wieder einen Ansprechpartner gebe. „Deutschland ist eine Verbänderepublik. Man will nicht mit einzelnen Unternehmen reden, sondern wünscht sich eine Stimme“, sagt Reemtsma-Sprecher Blohm.

Da Philip Morris inzwischen eigene Wege geht, ist es mit der Einigkeit und Geschlossenheit nicht weit her. Und auch DZV-Mitgliedsunternehmen wollen sich nicht mehr allein auf den Verband verlassen: Sie machen ihre eigene Lobbyarbeit und richten eigene Repräsentanzen in der Hauptstadt ein. Verbandsmitglied British American Tobacco (BAT) ist Unter den Linden sogar Büronachbar des Zigarettenverbands.