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Public Affairs

PA-Managern geht’s prima!

Public-Affairs-Manager verfügen oft über langjährige Erfahrungen, sind zufrieden mit ihrem Job und verdienen Spitzengehälter. Das besagt eine Studie zum Berufsfeld in Zahlen

von Carolin Zeller, Elisa Lopper und Christian Thorun
Public Affairs haben sich in Deutschland stark professionalisiert. Im Rahmen einer Berufsfeldstudie der Quadriga Hochschule Berlin wurden auch Daten über Public-Affairs-­Schaffende erhoben. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Public Affairs in den Leitungsebenen von Unternehmen und Organisationen angekommen sind. Public-Affairs-Manager verfügen oft über langjährige Erfahrung in ihren Positionen, erzielen Spitzen­gehälter und sind zudem auch noch zufrieden mit ihrer Tätigkeit.
 
Von den 327 Teilnehmern, die sich neben dem PR- auch dem PA-Berufsfeld zuordnen, sind rund 35 Prozent in privatwirtschaftlichen Unternehmen tätig, wobei hier eine große Streuung zwischen verschiedenen Branchen, regionaler Herkunft und Unternehmens­größen vorliegt. 15 Prozent sind bei PR-Dienstleistern und rund je ein Viertel in öffentlichen Institutionen sowie Vereinen und Verbänden tätig. 52 Prozent der Befragten sind weiblich. Dieses Ergebnis überrascht vor dem Hintergrund des weit verbreiteten Vorurteils, dass Public Affairs immer noch ein männlich dominiertes Berufsfeld seien. Das Durchschnittsalter der Befragten liegt bei rund 45 Jahren. 
 
Mehr als die Hälfte der Befragten arbeitet bereits seit 13 Jahren oder länger in diesem Berufsfeld, in ihrer jetzigen Stelle sind sie durchschnittlich seit fast sieben Jahren tätig. Dies legt nahe, dass Public Affairs als Berufsfeld heute wenig von Berufsanfängern oder Quer­einsteigern geprägt sind und durchaus über sehr erfahrenes Personal verfügen. In der befragten Gruppe zählen sich rund zwölf Prozent zur höchsten Führungsebene und rund 43 Prozent zur Gesamtleitung ihrer Organisation. Im Schnitt arbeiten acht Mitarbeiter in ihrem Verantwortungsbereich, von denen wiederum durchschnittlich die Hälfte direkt an sie berichtet.
Die starke Verankerung in der Organisationsführung zeigt sich auch in den sehr hohen Durchschnitts­einkommen der befragten PA-Manager. So liegt dieses in Deutschland bei den Teilnehmern bei einem Bruttojahreseinkommen von rund 178.000 Euro (Vergleichswert der PR-­Manager: 160.000 Euro), wobei hierbei anzumerken ist, dass dieses Ergebnis stark durch einige sehr hohe Einkommen nach oben getrieben wird. Der Median liegt bei rund 73.000 Euro (bei den PR-Managern bei 65.000). Das bedeutet, dass die eine Hälfte der Befragten weniger und die andere mehr als diesen Betrag als Bruttojahresgehalt bezieht. 
 
Bemerkenswert: Lediglich die Hälfte der Befragten gibt an, über individuelle Zielvereinbarungen zu verfügen. Diese scheinen für Public-Affairs-Manager allerdings durchaus realistisch formuliert zu sein, jedenfalls geben 84 Prozent der Teilnehmer an, ihre gesteckten Ziele auch zu erreichen. Diese Sicht wird auch auf die Kunden- beziehungsweise Leistungsabnehmerseite übertragen: So ist die Hälfte der Befragten der Meinung, dass sie 90 Prozent ihrer Aufgaben zur Zufriedenheit der Leistungsabnehmer erledigt.
 
Im Vergleich zu den Studienteilnehmern, die sich primär mit Kommunikationsaufgaben beschäftigen, fällt auf, dass die Zufriedenheit unter PA-Managern sehr hoch ist. So geben 30 Prozent der befragten PA-Manager an, sehr zufrieden mit ihrer aktuellen Tätigkeit zu sein, 44 Prozent sind eher zufrieden und lediglich sieben Prozent geben an, eher unzufrieden oder unzufrieden zu sein. Die vergleichbaren Werte für die PR-Teilnehmer liegen bei 28 Prozent für sehr zufrieden, 42 Prozent für zufrieden und elf Prozent für eher unzufrieden/unzufrieden. Diese Unterschiede sind statistisch signifikant, sodass festgehalten werden kann, dass die untersuchte Gruppe der PA-­Manager statistisch gesehen etwas zufriedener ist als die Kommunikatoren, die keine PA-Aufgaben übernehmen.
 
Dieser Umstand ist auch deshalb interessant, da PA-Manager ihren Job im Mittel als anstrengender wahrnehmen als die Befragten aus der Kommunikation. So erleben 19 Prozent der PA-Manager ihren Arbeitsalltag als sehr stressig, 39 Prozent als eher stressig. Im Vergleich dazu geben 16 Prozent der PR-Manager an, einen sehr stressigen Arbeitsalltag zu haben, 36 Prozent der Kommunikatoren erleben ihn als eher stressig.

Die Erhebung

Die Quadriga Hochschule ­Berlin hat im Sommer 2017 Daten zur "Führung und Organisation in der PR" erhoben. Diese ermöglichen nicht nur interessante Einblicke in das Berufsfeld PR im weiteren Sinne, sondern auch in das ­der PA. So waren unter den 2.043 teilnehmenden PR-­Managern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz 327 Teilnehmer, die für ihre Organisation auch PA-­Aufgaben übernehmen. Die Daten erheben keinen Anspruch auf ­Repräsentativität. Zum einen basiert die Erhebung auf primär in der Kommunikation arbeitenden Teilnehmern. Es muss davon ausgegangen werden, dass Interessenvertreter beispielsweise von NGOs hier unterrepräsentiert sind. Rund sieben Prozent der Teilnehmer gaben an, mehr als 50 Prozent ihrer Arbeits­zeit mit Aufgaben der Interessenvertretung und Public Affairs zu verbringen. Der größte Teil (rund 45 Prozent) der Befragten verbringt zwischen zehn und 30 Prozent seiner Arbeitszeit mit Aufgaben, die primär der PA und Interessenvertretung zuzu­ordnen sind. Weiterhin weist die Datenbasis darauf hin, dass vor allem Führungskräfte im Kommunikations- und PA-Management an der Untersuchung teilnahmen, diese hier also überrepräsentiert sind.

Fazit

Auch wenn die Ergebnisse keine Repräsentativität für sich in Anspruch nehmen, so verweisen sie in der Tendenz darauf, dass Public-Affairs-Manager
 
  • in Unternehmen, öffentlichen Institutionen, Verbänden und bei PR-Dienstleistern tätig sind,
  • zur Hälfte Frauen sind,
  • über sehr viel Berufserfahrung verfügen und zur Hälfte auch höchste Führungsfunktionen in ihren Organisationen wahrnehmen,
  • ein sehr hohes Durchschnittseinkommen haben, individuelle Zielvereinbarungen aber nur für rund die Hälfte existieren,
  • zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrer Tätigkeit sind,
  • ihre Tätigkeiten als durchaus stressig betrachten.
 
Insgesamt deuten die vorliegenden Daten auf einen gut etablierten, professionalisierten Berufsstand hin, in dem sich talentierte Leute verwirklichen können. 
 

Carolin Zeller ist Professorin für Politikwissenschaft & Public Affairs an der Quadriga Hochschule Berlin. (Foto: Laurin Schmid)

Elisa Lopper

ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Quadriga Hochschule Berlin. (Foto: Laurin Schmid)

Christian Thorun

ist Professor für Politik­wissenschaft, Internationale Politik und Public Affairs an der Quadriga Hochschule Berlin. (Foto: Laurin Schmid)