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Rhetorik

Nicht so kompliziert, bitte!

Aufgeblähte Rhetorik, leere Worthülsen – der sogenannte Politikersprech steht gerade in Wahlkampfzeiten in der Kritik. Dabei könnte es so einfach sein: Statt mit komplexen Erläuterungen Eindruck schinden zu wollen, sollten sich Politiker sprachlich an Unternehmern wie Tesla-CEO Elon Musk ein Beispiel nehmen.

von Torsten Langner

"Denke wie ein Weiser, aber kommuniziere in der Sprache des Volkes", lautet ein Zitat des irischen Dichters William Yeats. Viel zu oft wird in der Politik aber vergessen, weise Entscheidungen einfach und verständlich zu kommunizieren. 2011 wurde im "Spiegel" ein Artikel zum Thema "Jugendfrust und Politikersprech" veröffentlicht, der die inhaltsleere und zu komplizierte Sprache der Politik anprangerte. Und, hat sich seitdem etwas verändert? Im September 2016 stellte die "Augsburger Allgemeine" einen Fortschritt in Frage.

Geht es auch anders, können Sie komplizierte Themen einfach und verständlich kommunizieren? Die Antwort lautet: ja. Wie dies gelingt, zeigt ein praktisches Beispiel. Im März 2015 stellte der Unternehmer Elon Musk ein neues Produkt vor, die Tesla Powerwall. Der Vortrag des CEOs von Tesla, Space X und weiteren Firmen sprühte vor Begeisterung: Können wir die Zukunft verändern? Natürlich! Können wir alle ins Weltall fliegen? Aber sicher! Obwohl er manchmal leicht zu stottern beginnt, beherrscht Musk das Präsentieren. Denn er verkauft keine Produkte sondern Visionen – und das funktioniert. Nun müsste Ihre entscheidende Frage lauten: Kann ich komplexe Themen, von denen ich überzeugt bin, dass sie die Dinge zum Guten verändern, auch so überzeugend verkaufen?

Musk verwendet immer dieselbe Technik: Er spricht erst über das unglückliche Jetzt ("Wir zerstören unsere Umwelt"; "Wir stehen drei Stunden täglich im Stau") und dann malt er aus, wie toll unsere Zukunft sein könnte ("weniger CO2-Ausstoß", "nur 20 Minuten bis zur Arbeit").

Die gesamte Magie einer solchen verständlichen Kommunikation kann in drei Teile unterteilt werden, die zusammen eine sogenannte Persuasion Canvas ergeben:

1. Situationsbeschreibung: Ihr unglückliches Jetzt

In ihrem 1987 veröffentlichten Buch "The Pyramid Principle" empfiehlt die ehemalige McKinsey-Mitarbeiterin Barbara Minto eine pyramidale Struktur, die für jede geschäftliche Kommunikation geeignet ist. Minto schreibt, gute Kommunikation beginne mit einer Einführung, die dem Gegenüber etwas erzählt, das er bereits weiß. Während er diese liest, stellt er sich automatisch Fragen, deren Antworten mit dem Dokument geliefert werden.

Elon Musk startet jeden Vortrag mit einer kleinen Geschichte über das Jetzt: "Was ich Ihnen heute erzählen werde ist eine fundamentale Transformation dessen, wie die Welt funktioniert, dessen, wie Energie auf der Erde produziert wird. Und so machen wir es heute – es ist extrem schlimm…" Anschließend zeigt er immer Bilder der gegenwärtigen Situation. Er schließt die Einführung stets mit einer Erklärung ab, warum er etwas tut.

2. Status quo: Warum sollten Sie etwas ändern?

Der zweite Teil von Musks Vorträgen ist die kurze Darstellung des Status quo: Wie wird es heute gemacht? Bestehende Probleme zu verändern ist eine enorme Herausforderung: "Sehen Sie auch den ganzen Plastikmüll am Strand? Ist es einfach in Ihrem Alltag auf Plastik zu verzichten?", oder: "Sie haben Übergewicht? Ist es einfach, weniger zu essen und Sport zu treiben?"

Einfach ist es natürlich nicht. Um etwas zu verändern, bedarf es mentaler Motivation. Um die Dringlichkeit einer Veränderung hervorzuheben, setzt auch Elon Musk auf Zahlen. Sie sind, genau wie Bilder, immer ein Blickfang, der emotional berühren kann und in Erinnerung bleibt, zum Beispiel: "Eines von drei Kindern in den USA ist übergewichtig."

3. Empfohlene Lösung: Ihre fantastische Zukunft

Zu diesem Zeitpunkt sollte der Zuhörer nun wissen, dass dringend eine Veränderung nötig ist. Er wird sich nun fragen: Aber wie? Gibt es eine Lösung für mein Problem?

Die Antwort lautet: Ja! Und sie ist ganz einfach. Zu diesem Zeitpunkt ist Ihnen als Vortragender alle Aufmerksamkeit sicher. Und nun können Sie die Lösung vorschlagen: ein neues Solarmodul, einen neuen Prozess, die Autobahnmaut für PKW und so weiter.

Fazit

Menschen für eine Sache zu begeistern, ist nicht einfach. Die einen können es, die anderen nicht. Wen Sie jedoch von einem Thema begeistert sind, das wirklich Dinge zum Positiven hin verändert, dann wäre es schade, wenn es an der Kommunikationshürde scheitert.

Ganz gleich, ob Sie beispielsweise Ihre Kinder dazu bewegen möchten, Gemüse zu essen, Ihre Kollegen überzeugen wollen, endlich Prozesse zu befolgen oder eine politische Botschaft verkünden: Ihre Botschaft muss weise sein und "in der Sprache des Volkes" verkündet werden.

Wenn man komplizierte Themen einfach verpackt, können sie viele Menschen bewegen. Das Erfolgsgeheimnis von Rednern wie Tesla-Chef Elon Musk ist die geniale Einfachheit der Botschaften. Und diese Einfachheit können Sie mit Hilfe einer Persuasion Canvas ebenfalls schaffen.

Torsten Langner ist Experte auf dem Gebiet der Kommunikation und des digitalen Wandels. Für eine einfachere Kommunikation hat er die Persuasion Canvas sowie eine App entwickelt. In seinem Blog publiziert er regelmäßig Anwendungsbeispiele für erfolgreiche Kommunikation. (Foto und Illustrationen: privat)