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Bild: Marcel Franke
Social Media

Mit diesen Tools kommen Sie sicher durch den Wahlkampf!

Bundestagskandidaten, Lobbyisten und Wähler – sie alle sind in den sozialen Medien aktiv, erst recht im Wahlkampf. Doch wie schafft man es, den Überblick über all seine Kanäle zu behalten? Wir haben sieben Social-Media-Tools getestet.

von Eva Hieninger

Im Wahlkampf kommt es in den sozialen Medien vor allem auf Folgendes an: gelebter Dialog mit der Community, Schnelligkeit und verifizierte Quellen. Für die Kandidaten muss ein Tool deshalb möglichst einfach zu bedienen sein und gleichzeitig so viele Social-Media-­Kanäle abdecken wie möglich, damit man sich das Ein- und Ausloggen in den verschiedenen Apps und auf Plattformen sparen kann. Außerdem ist es in dieser Zeit unabdingbar, dass die Social­-Media-Kommunikation auch über das Smartphone funktioniert, also beispielsweise über eine App.

Oft bekommen Kandidaten Hilfe von Mitarbeitern, die ebenfalls Zugriff auf ihre Social-Media-Konten haben, ohne die persönlichen Logins zu benutzen. Ein Social-Media-Tool muss also die Möglichkeit bieten, mehreren Personen unterschiedliche Rollen und Aufgaben zuordnen zu können. Mitarbeiter sollten so über eine Planungsfunktion Posts planen und verschiedenen Netzwerken hinzufügen können. Da­rüber hinaus sind Sponsored Posts und Anzeigenschaltung für viele Kandidaten eine Möglichkeit, sowohl ihre Reichweite zu erhöhen, als auch ihre Zielgruppe zu erweitern. Auch das sollte ein Social-Media-Tool bieten.

Neben der Organisation der eigenen Kommunikation ist es ebenso interessant, was andere, vor allem auch die politischen Gegner, zu gewissen Begriffen und Hashtags kommunizieren, um adäquat darauf reagieren zu können. Gleichzeitig muss überprüfbar sein, welche Quellen hinter den unterschiedlichen Meldungen stehen, um nicht Fake News zu verbreiten. Außerdem will man natürlich wissen, wie man selbst im Vergleich zur Konkurrenz in Bezug auf Fan- und Followeranzahl, Interaktion und Qualität der Kommentare dasteht (Benchmark).

Für politik&kommunikation habe ich sieben Tools auf ihre Eignung für politische Social-Media-Kommunikation überprüft. Welches Tool ist wofür geeignet – und wofür auch nicht?

Hootsuite

Hootsuite verbindet alle gängigen Social-Media-Kanäle auf einer Plattform. Lediglich für Youtube sind Zusatzkosten von 3,99 Euro pro Monat notwendig. Durch die differenzierte Kostenstruktur ist es sowohl für Einzelpersonen mit wenigen Profilen als auch für Teams möglich, unterschiedliche Kanäle zu verwalten, Kommentare zu beantworten beziehungsweise sich gegenseitig zuzuordnen wie auch Hashtag- und Wettbewerb-Monitoring zu betreiben. Lediglich bei der Erstellung von Anzeigen oder beim Benchmarking gibt es hier Punktabzüge. Durch die App ist das Bedienen verschiedener Kanäle auch mobil gut möglich. Für Unentschlossene bietet Hootsuite die Möglichkeit eines kostenlosen Accounts mit eingeschränkter Funktionalität beziehungsweise einer 30-tägigen Demo-Version. Das gute Preis-/Leistungsverhältnis und die einfache Bedienung überzeugen – 4,5 von fünf Likes.

Tweetdeck

Tweetdeck ist vor allem für Nutzer, die verschiedene Twitter­-Accounts verwalten, geeignet. Dank der App ist es einfach, auch mobil den Überblick über die Aktivitäten zu behalten. Andere Social-­Media-Kanäle werden über das kosten­lose Tool, das Planung, Hashtag-Monitoring und Auswertung der eigenen Twitter­-Kanäle abdeckt, nicht angeboten. Deswegen gibt es nur zwei von fünf Likes.

Social Hub

Social Hub ist das sicherste Tool auf dem Markt, weshalb auch Institutionen wie die Bundes­wehr und die Deutsche Bahn darauf vertrauen. Ähnlich wie Hootsuite bietet Social Hub von Planung über Team­-Zusammenarbeit bis zu Moni­toring und Analyse alles, was das Herz begehrt. Nicht inbegriffen sind die Planung bezahlter Anzeigen und Bench­marking. Eine spezielle Funktion ist die Social Inbox, die alle Anfragen, Kommentare und Nachrichten bündelt und deren Verwaltung somit erleichtert. Besonders für Fan-Pages mit vielen Anfragen ist dies unverzichtbar. Lediglich der Preis schreckt mit 599 Euro pro Monat etwas ab. Insgesamt bewerte ich das Tool mit vier von fünf Likes.

Buffer

Buffer ist überwiegend ein Planungstool für die gängigen Social-Media-Platt­formen, mit Ausnahme von Youtube. Anzeigen, Monitoring, Commu­nity-Management oder Bench­marking bietet das Tool nicht. Das ist schade und etwas kurzsichtig. Dafür ist es außerdem verhältnismäßig teuer. Deshalb gibt es insgesamt nur drei von fünf ­Likes.

Fanpage Karma

Fanpage Karma ist für diejenigen perfekt geeignet, die nicht genug von Zahlen, Daten und Fakten bekommen können. In der Analyse und im Social­-Media-Monitoring greifen sie auf die vorhandenen Daten der Plattformen zurück und werten diese mit ihrem Algo­rithmus aus, um die besten Posts, Zeitpunkte und Trends zu ermitteln. Beim Preis unterscheiden sie zwischen Analyse und Moni­toring, was die Kosten enorm in die Höhe treiben kann. Deswegen gibt es nur drei von fünf Likes für die Nutzung im Wahlkampf.

Sprout

Sprout ist der Mittelklasse­Wagen unter den Social­-Media-Tools und startet deswegen auch bei einem Premium-Preis von 99 Euro. Das bein­haltet zehn Accounts, aber keinen Team-Zugriff. Für Youtube ist das Tool nicht geeignet, ansonsten kann es ähnlich viel wie Hootsuite und Social Hub. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist jedoch kaum gerechtfertigt. Ergebnis: zwei von fünf Likes.

Postplanner

Wie der Name andeutet, ist Postplanner überwiegend ein Planungstool. Es hilft bei der Entdeckung von neuem Con­tent und beinhaltet vereinfachte Community-Management-Funktionen. Das Tool ist lediglich für Facebook und Twitter geeignet und kann in der kleinsten Version trotz Kosten kaum mehr als die kostenlose Version von Buffer. Daher gibt es nur zwei von fünf Likes.

Fazit: Welches Tool ist also das Richtige?

Das kommt ganz darauf an, welche Funktionalitäten benötigt werden. Überlegen Sie sich daher vorab, welche Ziele Sie verfolgen und machen Sie eine Bedarfsanalyse für Ihre Kanäle. Auf dieser Grundlage können Sie eine fundierte Entscheidung treffen.

Für bezahlte Anzeigen empfiehlt es sich, die Werbeanzeigen-Manager von Facebook, Twitter und Google direkt zu nutzen. Wird ein Gesamtpaket für das ganze Team benötigt, lohnen sich Hootsuite und Social Hub. Für die Planung steht die kostenlose Version von Buffer ganz vorne. Für Analyse und Monitoring eignet sich Fanpage Karma.

Aber schauen Sie selbst in unsere Übersicht, welches Tool was kann und was nicht – und welches am besten zu Ihnen passt.

Eva Hieninger

ist Inhaberin von Marketing for Good und berät Parteien und Verbände, Non-Profit-Organisationen und ­Stiftungen zu den Themen Online-Marketing, Fundraising und ­Campaigning. (Foto: Silke Reents)