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Umfrage

Lobbyisten kritisieren Große Koalition

Viele Lobbyisten sind unzufrieden mit der Großen Koalition. Zu diesem Ergebnis kommt die "Public Affairs-Umfrage 2014" der Kommunikationsberatung MSL Germany.

Von Florian Till Patzer

Bereits zum 13. Mal hat MSL Germany im Juli und August mehr als 300 Public Affairs- Verantwortliche in Unternehmen und Verbänden um eine Einschätzung der Arbeit der Bundesregierung gebeten. 54 Prozent der Befragten bewerteten die Große Koalition als "schlecht", 43 Prozent als "gut". Damit steht eine Mehrheit der Befragten der Regierungsarbeit kritisch gegenüber. Verglichen mit der vorangegangen schwarz-gelben Koalition schneidet das aktuelle Regierungsbündnis allerdings wesentlich besser ab. Schwarz-Gelb war nach einem Jahr im Amt von 67 Prozent der Befragten als "schlecht" oder "sehr schlecht" bewertet worden.

Opposition fällt durch

Im Detail fiel das Votum der Umfrageteilnehmer sehr unterschiedlich aus. 52 Prozent stuften beispielweise die Wirtschaftspolitik der Großen Koalition als "gut" oder "sehr gut" ein. Gelobt wurde das Bundespresseamt, dessen Arbeit von 67 Prozent der Befragten mit "gut" oder "sehr gut" bewertet wurde. Die meiste Kritik gab es hingegen für die Arbeits- und Sozialpolitik, die 74 Prozent als "schlecht" oder "sehr schlecht" betrachten.

Ein noch schlechteres Zeugnis erhielt die Opposition im Bundestag: Lediglich sechs Prozent der Umfrageteilnehmer sind mit deren Arbeit zufrieden, wohingegen 70 Prozent die Leistung von Links- und Grünen-Fraktion als "schlecht" und 24 Prozent sogar als "sehr schlecht" bezeichnen.

Das Urteil der PA-Verantwortlichen über die Wirtschaftskompetenz der Parteien fiel wenig überraschend aus: Der Union wird diesbezüglich am meisten zugetraut. 54 Prozent der Befragten stimmten in der Kategorie "höchste Wirtschaftskompetenz" für CDU und CSU. 26 Prozent der Befragten halten die FDP für besonders kompetent in Wirtschaftsfragen, nur zwölf Prozent setzen auf die SPD.

Offenheit gegenüber allgemeinem Lobbyregister

Gefragt wurden die Umfrageteilnehmer auch nach ihrer Haltung zu einem Lobbyregister. Demnach befürworten 65 Prozent von ihnen eine verpflichtende namentliche Registrierung von Interessenvertretern – allerdings ohne die Angabe weiterer Daten. Die Bereitschaft zu mehr Transparenz in der Branche sei groß, sagte Axel Wallrabenstein, Chairman von MSL Germany. "Aber in die genaue Ausgestaltung wollen Public-Affairs-Verantwortliche involviert werden. So sollten zum Beispiel Anwälte, die Interessenvertretung betreiben, ebenfalls unter die Registrierungspflicht fallen", so Wallrabenstein weiter.

Aus der Umfrage geht außerdem hervor, dass Lobbyisten für ihre Kontakte in die Politik zunehmend soziale Medien nutzen. 54 Prozent der Befragten gaben an, über Facebook und Twitter politische Kontakte zu pflegen.