Foto: Getty Images/Trifonenko
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Political Campaign Festival

"Klarheit ist wichtiger als Haltung"

Was sind die Trends in der Kampagnenführung 2019? Wir haben beim SPD-Wahlkampfexperten Tobias Nehren nachgefragt. Teil zwei unserer Reihe mit Rednern des Political Campaign Festivals.

aus der Redaktion

Welche Mittel und Strategien haben sich für Sie im Wahlkampf besonders bewährt?

Gute Kampagnen haben wir immer dann umgesetzt, wenn wir alle Bereiche an einen Tisch gebracht und transparent zusammengearbeitet haben: Inhalte, Presse, Sprache, Analysen und Daten, Online, Media und so weiter. Wenn ein starkes Team wächst, das Verständnis für Online und Offline hat und den zur Verfügung stehenden Werkzeugkasten genau kennt, ohne auf eins der Werkzeuge zu fixiert zu sein. Alles muss den Zielen dienen, nichts den Werkzeugen an sich.

Wie wichtig ist das Budget?

Kampagnen hängen nicht mehr nur vom Budget ab, auch wenn man ohne Budget nichts erreichen kann. Kreativ und effizient eingesetzt, können kleine Budgets eine riesige Wirkung erzielen. Ich werbe immer dafür, flexibel zu sein und auf die Dinge schwenken zu können, die den größten Mehrwert für eine Kampagne bringen, schnell und beweglich. Das ist in politischen Strukturen nicht immer ganz einfach. 

Was glauben Sie, auf welche Strategien die Parteien bei der Bundestagswahl 2021 zurückgreifen werden?

Ich glaube, dass die Digitalisierung auch weiter die Kommunikation und die Abläufe ändert, jeden Tag und jede Woche. Deshalb müssen unsere Strukturen, Kampagnen-Setups und unsere Pläne flexibler werden. Ich glaube, dass Erfolg immer enger mit Agilität verbunden sein wird.

Wie trifft man mit einer Kampagne den richtigen Ton?

Alle sprechen über Haltung und darüber, wie wichtig sie ist. Ich glaube, dass Klarheit es besser trifft. Unser politisches System beruht auf Kompromissen, und das ist eine seiner Stärken, weil es Menschen zwingt, zusammenzukommen und etwas auszuhandeln. Das ist elementar für eine Demokratie. Wenn aber die Haltung alles wäre, wären Kompromisse schwer zu finden. Denn wer will schon seine Haltung aufgeben – und sei es nur ein Stück davon. Deshalb glaube ich, dass Klarheit wichtig ist. Klarheit über die eigenen Ziele und Klarheit dieser Ziele in der Kommunikation. Dann kann man auch deutlicher zeigen, welche der eigenen Ziele man erreicht hat. 

Was sind für Sie Trends in der Kampagnenführung?

Das Grundrauschen in der Welt und im Netz ist enorm hoch. Durchdringen und Wahrgenommen werden wird uns also auch 2019 enorm beschäftigen. Wir sehen deshalb gerade, wie viele Organisationen Direct Messaging für sich entdecken, um zu den Bürgern durchzudringen. Das wird uns sicher die kommenden Jahre weiter beschäftigen. Und um wahrgenommen zu werden, gilt es, relevant zu sein. Politische Kommunikation und Kampagnen müssen also interessant sein, sich was einfallen lassen, mit Technik und Botschaften spielen. Darüber hinaus bleiben Daten wichtig, um das, was man tut, sachlich zu betrachten und das eigene Handeln ständig aus- und nachsteuern zu können.

Das Political Campaign Festival, das die Quadriga Hochschule Berlin und politik&kommunikation gemeinsam veranstalten, findet am 30. Januar im Quadriga Forum in Berlin statt. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Tobias Nehren

ist Leiter des Newsrooms beim SPD-Parteivorstand, wo er unter anderem das Digitalteam für die Bundestagswahl 2017 aufgebaut hat. Zuvor hat er das Referat Digitale Kampagnen im Willy-Brandt-Haus geleitet.