Screenshot: http://www.fdp-brandenburg.de/
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Screenshot: http://www.fdp-brandenburg.de/
Kampagne

"Keine Sau braucht die FDP" - oder etwa doch?

"Keine Sau braucht die FDP" lautet der selbstironische Slogan einer Kampagne, mit der sich die Brandenburger Liberalen bei der Landtagswahl am 14. September über die Fünf-Prozent-Hürde retten wollen. Lassen sich so Wähler mobilisieren? p&k hat Experten dazu befragt.

von Viktoria Bittmann

Mit dem Mut der Verzweiflung kämpft die FDP Brandenburg ums Überleben. "Keine Sau braucht die FDP" lautet der selbstironische Slogan der Kampagne, die die Liberalen bei der Landtagswahl am 14. September über die Fünf-Prozent-Hürde retten soll. Auf mehreren Großplakaten und der Webseite der FDP prangt der Spruch in blauen Großbuchstaben vor gelbem Hintergrund. Tagelang hatte FDP-Landeschef Gregor Beyer zu der eigenwilligen Aktion geschwiegen. Auf dem Anrufbeantworter seines Handys hieß es lediglich: "Keine Sau braucht die FDP! Leider können wir daher auch Ihren Anruf zurzeit nicht entgegennehmen."

Am Donnerstag informierte die Partei die Medien in einer Pressekonferenz über ihren ungewöhnlichen Kampagnenauftakt zur Landtagswahl - und läutete sogleich "Phase 2" des Wahlkampfs ein. Mit 110 Großflächen geht die FDP ins Rennen. Auf den neuen Plakaten schlägt die Partei einen ganz anderen Ton an. Der ursprüngliche Slogan "Keine Sau braucht die FDP!" hat den Zusatz bekommen "Aber die Menschen schon". Auf anderen Plakaten heißt es beispielsweise: "Jeder Arbeitslose braucht die FDP" oder "Jeder Autofahrer braucht die FDP".

Bis zur Landtagswahl bleiben der FDP nur wenige Wochen, um ihre geschrumpfte Wählerschaft zu mobilisieren. 2009 hatten die Liberalen 7,2 Prozent der Stimmen und damit sieben Sitze im Brandenburger Landtag erzielt. Ihr Wiedereinzug in das Landesparlament ist jedoch stark gefährdet. Die Zustimmung zur FDP war bei der Sonntagsfrage Anfang Juni im nicht messbaren Bereich gewesen.

Mit ihrer "Keine Sau braucht die FDP!"-Kampagne ist es der Partei zweifellos gelungen, das mediale Interesse zu wecken. Aber lassen sich so auch Wähler mobilisieren? "politik&kommunikation" hat Experten dazu befragt.

Professor Volker Riegger, Geschäftsführer Logos

Foto: Archiv

"Das Kalkül dieser Kampagne ist, es könne noch hinreichend viele Wähler geben, die man mit dieser Art kognitiver Dissonanz für die FDP von heute gewinnen könne. In früheren Wahlen war die Evozierung des drohenden Untergangs ein regelmäßiges und oft höchst erfolgreiches zentrales Issue der FDP. Ob das Kalkül für die heutige FDP noch funktioniert, ist fraglich. Nicht nur wegen der dabei gewählten Sprachebene ('Sau'), sondern weil es für diese FDP heute vielleicht wirklich keinen politischen Bedarf mehr gibt. Oder um es mit dem Titel des wunderschönen Karikaturen-Bandes von F. K. Waechter zu sagen: 'Wahrscheinlich guckt doch wieder kein Schwein.'"

Kajo Wasserhövel, Elephantlogic

Foto: photothek.net Fotoagentur

"Die Brandenburger FDP versucht, ohne Strategie der Bundes-FDP (und die braucht eine kleine Landespartei schon im Rücken) mit Mätzchen zu punkten. Ich habe gelernt, dass man mit Ironie in Wahlkampagnen nicht allzu weit kommt. Das Grundproblem der Partei bundesweit besteht offenkundig darin: Die Neugründung einer liberalen Partei mit einem radikalen, anspruchsvollen und reduzierten Profil ist bislang nicht vorangekommen. Die FDP stand viele Jahrzehnte für Bürger- und Freiheitsrechte, Wirtschaftskompetenz und solide Außenpolitik. Davon ist sie weg. Und solange die FDP dies nicht mit Ausdauer und kluger Strategie angeht, ist sie aufs Roulettespielen reduziert."

Dieser Wahlwerbespot soll's richten: