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Ist der Politiker der Zukunft eher emotional oder sachlich?

Wie gewinnt man das Vertrauen der Wähler? Führt eher Emotionalität oder Sachlichkeit ans Ziel? Das haben wir Henning Krumrey, Norbert Neß, Oliver Grün, Lars M. Heitmüller, Gabriele Heinen-Kljajić und Dunja Hayali gefragt.

Redaktion

Henning Krumrey, Leiter Unternehmenskommunikation und Politik bei der Alba Group

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"Emotionen bringen Aufmerksamkeit, Vertrauen aber gibt es nur durch Sachlichkeit. Langfristigen Erfolg wird also hoffentlich nur haben, wer gute Substanz empathisch verpackt. Unabhängig von aller Kritik an der Regierungsarbeit stehen nicht die Schaumschläger an der Spitze der politischen Beliebtheitsskala. Es wäre gut für unsere Demokratie, wenn dies auch in noch ärgeren Krisenzeiten so bliebe."

 

Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne), niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur



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"Gerade in gesellschaftlichen Umbruchphasen sehnen sich viele Menschen in erster Linie nach Verlässlichkeit und Sicherheit. Das erklärt die hohen Zustimmungswerte für Politiker, die ihr Handwerk eher nüchtern und rational betreiben. Trotzdem kann ich als Politikerin nur erfolgreich in der Umsetzung meiner Ideen sein und die Menschen für diese gewinnen, wenn ich einen emotionalen Zugang zu den Themen habe."

 

Norbert Neß, Leiter des Berliner Büros von Evonik Industries

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"Heißes Herz und kühler Kopf gehören zusammen. Kein Entweder-Oder. Für den Politiker der Zukunft reicht es aber nicht aus, nur auf Fakten, Fakten, Fakten zu setzen. Für die Wahlentscheidung sind Bauch, Herz, Emotion von größter Bedeutung. Politiker müssen ihre Inhalte in Bilder oder Storys packen, die jeder Wähler nachfühlen und verstehen kann: So wie Brandts Kniefall oder Merkels Lebensbiografie."

 

Oliver Grün, Präsident des Bundesverbands IT-Mittelstand

  

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"In der Politik geht es immer um Menschen, da gehört Emotionalität dazu. Wähler müssen Politikern vertrauen, und das geht nicht aus reiner Sachlichkeit. Es kann aber auch bedenklich sein, wenn Sachlichkeit verloren geht. Diese Entwicklung kann man vermehrt beobachten. Das Resultat ist ein politischer Aktionismus, in dem als Folge auf emotionale Debatten Gesetze entstehen. Hier würde mehr Sachlichkeit guttun. Für die Politiker der Zukunft ist es wichtig, die Balance zu halten."

 

Lars M. Heitmüller, Leiter External Relations bei Fischer Appelt

Foto: fischerAppelt

"Narrative müssen her! Der Politiker der Zukunft ist visionär genug, um Narrative zu entwickeln, die Menschen Sicherheit und Orientierung bei den großen Herausforderungen geben. Dazu muss er emotional sein, um sich in die Gefühlswelt der Bevölkerung hineinzuversetzen. Und sachlich genug, um konkrete Schritte zu benennen und anzugehen."

 

Dunja Hayali, Moderatorin und Journalistin

 

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"Auch Politiker dürfen – je nach Thema – emotional argumentieren und diskutieren. Entscheidungen müssen jedoch ohne Wenn und Aber auf einer sachlichen Basis getroffen werden. Die schlimmen Ereignisse von Köln führen uns aber auch vor Augen, was passiert, wenn Maß und Mitte verloren gehen. Nach einer verständlich auch emotional geführten Diskussion täte nun Sachlichkeit not – nicht nur bei Politikern, sondern auch bei Medien, Behörden und Gesellschaft. Populismus hilft niemandem und kann auch nicht mit den gleichen Mitteln bekämpft werden."