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Foto: Thomas Maier (privat)

"Herr Kiesewetter, ist Ihr Alltag als Abgeordneter so ermüdend?"

Der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter sitzt seit 2009 im Bundestag. Was viele nicht wissen: Seit 30 Jahren schreibt der 50-Jährige Gedichte. Auf der Leipziger Buchmesse wird sein Band "Auszeit" vorgestellt. p&k hat Kiesewetter verraten, wie inspirierend Plenardebatten sind.

Interview: Viktoria Bittmann

p&k: Herr Kiesewetter, auf der Leipziger Buchmesse wird ein Gedichtband von Ihnen vorgestellt. Der Titel lautet „Auszeit“. Ist Ihr Alltag als Abgeordneter so ermüdend?

Roderich Kiesewetter: Nein. Seit 30 Jahren pflege ich eine literarische Ader. Wenn mir etwas einfällt, gönne ich mir eine Auszeit und mache Notizen. So sind 130 Gedichte entstanden, davon habe ich nun 18 veröffentlicht. Da die Gedichte mit meiner Arbeit nichts zu tun haben, habe ich den Band „Auszeit“ genannt.

Haben Sie immer ein Notizbuch in der Tasche?

Ja, ich habe immer ein Notizbuch dabei. Dort schreibe ich meine Einfälle auf.

Wie oft zücken Sie Ihr Büchlein im Bundestag?

Gar nicht. Bundestagsdebatten sind eher nicht so inspirierend und ich bin dort selbst zu konzentriert.

Über welche Themen schreiben Sie gern?

Ich schreibe über politische Themen wie den 11. September genauso wie Gedichte aus dem „puren“ Leben.

Gibt es ein Gedicht, bei dem Sie sich erinnern, wann Sie die Idee dazu hatten?

Mitten im Berliner Regierungsviertel ist mir das Gedicht „Heimweg“ eingefallen, als ich am Schiffbauerdamm die Spree entlanglief.

Ursprünglich wussten nicht einmal Ihre Eltern, dass Sie Gedichte schreiben. Was hat Sie dazu bewogen, sich der Öffentlichkeit zu stellen?

Ein guter Freund, der Lektor ist, riet mir dazu. Außerdem gehen Einnahmen an den Verein „Aufwind“ e.V. in meinem Wahlkreis Aalen-Heidenheim, der sich unter anderem um Jugendliche mit Migrationshintergrund kümmert. Das möchte ich gerne unterstützen.

Und wie haben Ihre Kollegen im Bundestag reagiert?

Ich hatte befürchtet, dass das spöttisch kommentiert wird. Aber das ist nicht der Fall. Ich stoße auf Erstaunen und Zustimmung. Im Zeitalter von Twitter und SMS gibt es offenbar ein neues Interesse an Lyrik.

Wie wirkt sich Ihr lyrisches Schaffen auf Ihre Arbeit als Abgeordneter aus?

Ich versuche, meine Reden weitestgehend frei zu halten. Für mich ist Verständlichkeit in der Politik sehr wichtig. Mich stört, dass viele Abgeordnete ab Rede 5 gar nicht auf ihre Vorredner eingehen. Ich würde mir weniger Verlautbarungen wünschen. Gerade im Zeitalter der Großen Koalition sollten wir unsere Reden lebendiger gestalten.

Könnten Sie sich vorstellen, sich irgendwann ganz der Literatur zu widmen?

Ja. Ich habe den Gedichtband ganz bewusst „Band 1“ genannt. Ganz sicher folgt Band 2. Vielleicht schreibe ich auch mal etwas Längeres wie einen Thriller.

Wann ist damit zu rechnen?

Ich möchte noch viele Jahre als Abgeordneter arbeiten. Aber es gibt schon erste Notizen in meinem Büchlein.