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Motiv: Grabarz&Partner
Politikaward 2016 – Die Preisträger, Teil 4

Hass mit Humor bekämpfen

13 Kampagnen wurden mit dem Politikaward 2016 ausgezeichnet. In einer neuen Serie stellen die Preisträger der verschiedenen Kategorien ihre Kampagnen vor. Grundlage ist ein Fragebogen. Teil 4: "Hass hilft" – mit Humor gegen Rechts

Redaktion

Zurzeit werden insbesondere Soziale Medien mit rassistischen und fremdenfeindlichen Kommentaren geflutet. Um diesen etwas entgegenzusetzen, hat das  Zentrum Demokratische Kultur (ZDK) zusammen mit der Agentur Grabarz & Partner die Kampagne "Hass hilft" – die erste unfreiwillige Online-Spenden-Aktion ins Leben gerufen. Die Idee: Sie machen jeden menschenverachtenden Kommentar zu einem Euro Spende für Flüchtlingsprojekte der "Aktion Deutschland Hilft" und "Exit-Deutschland", einer Initiative gegen Rechts. Die Nachfolgeaktion der Erfolgskampagne "Rechts gegen Rechts" wurde beim Politikaward 2016 als "Disruptive Kampagne" ausgezeichnet.

Worin bestanden die größten kommunikativen Herausforderungen bei der Konzeption und Umsetzung der Kampagne?

Uns war von Anfang an bewusst, dass wir Hass nicht mit Hass beantworten konnten. Also mussten wir eine Sprache entwickeln, die erst einmal leicht, vielleicht sogar lustig daher kommt, dann aber doch den Punkt macht, dass wir Hass nicht tolerieren, sondern ihn sogar "bestrafen".

Was ist an der Kampagne innovativ?

Zum einen haben wir erstmalig aus Hass etwas Gutes gemacht. Nämlich die "unfreiwilligen Spenden". Und zum anderen mussten wir ein Programm, ein Tool, entwickeln, das uns und unseren Partner ermöglichen würde, halbautomatisch auf die Hasskommentare zu antworten. Wir wussten, dass ein Bot unseren Job nicht machen konnte. Denn jeder Kommentar muss zuerst mit Verstand überprüft und überhaupt als Hasskommentar identifiziert werden. 


Welche Ressourcen hatten Sie zur Verfügung?

Wir haben lange gebraucht, um im Voraus Geldgeber zu finden. Zum Start der Aktion wussten wir, dass wir mit knapp 5.000 Euro anfangen könnten Gegenkommentare abzusetzen und Spenden zu verteilen. In der Zwischenzeit konnten wir viele weitere Unterstützer finden. Vor allem sind Kleinstspenden von vielen Privatpersonen dazugekommen. Die eigentliche Facebook-Seite wird bis heute ehrenamtlich vom "Aktionskreis Exit-Deutschland" betreut. 

Welche Erfolge konnten Sie verbuchen und an welchen Kriterien haben Sie diese gemessen?

Im November 2016, ein Jahr nach Kampagnenstart, konnten wir das zweite Mal eine große Spendensumme an die beiden Empfängerorganisationen übergeben. Im Januar 2017 beträgt der nun verteilte Betrag 21.500 Euro. Weiterhin haben wir durch unsere neuen Partner Spenden zugesagt bekommen, die uns eine Weiterführung der Aktion ermöglichen. Über die Aktionsseite wurden in 2016 über 38 Millionen Facebook-Nutzer erreicht – wöchentlich zwischen 300.000 und 900.0000, täglich erreichen uns weiterhin 30 bis 50 private Nachrichten und seit dem Start in 2015 reagierten Nutzer auf 17.000 Hasskommentare. National wie international hat "Hass hilft" große Aufmerksamkeit erzeugt und diverse Preise erhalten. Die Europäischen Kommission führt die Aktion sogar als "best practice" auf. 

 

Hier finden Sie den 3. Teil der Serie: die Kampagne gegen Gewalt gegenüber Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Beamtenbund-Jugend NRW.

 

Ina Bach und Fabian Wichmann

Ina Bach ist Head of Corporate Communications bei Grabarz & Partner. Fabian Wichmann ist Mitinitiator der Aktion und Sprecher der Neonazi-Aussteigerorganisation Exit.