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Grünes Marketing

Ein Besuch in der Wahlkampfzentrale der Grünen: p&k zeigt, wie die Partei mit dem kleinsten Wahlkampfbudget sich daran versucht, bei den kommenden Wahlen dritte Kraft zu werden.

Von der Bundesgeschäftsstelle der Grünen in Berlin geht es einmal um die Straßenecke, und schon steht der Besucher vor der Tür des „Triebwerks“. So haben die Grünen ihre Wahlkampfzentrale getauft; wer eintritt, der trifft auf konzentriert arbeitende, vorwiegend jüngere Kampagneros. Wahlkampfzeiten sind anstrengend, gearbeitet wird hier bis spät abends – in einem überschaubaren Großraumbüro.
Im „Triebwerk“ treffen wir Steffi Lemke, die Grünen-Bundesgeschäftsführerin, die von einer Sitzung herbei eilt – der nächste Termin wartet schon. Auch Wahlkampfmanager Rudi Hoogvliet steht zur Verfügung und Robert Heinrich, der für die Öffentlichkeitsarbeit und den Onlinewahlkampf zuständig ist. Sie erklären die grüne Wahlkampfstrategie: Online steht im Mittelpunkt, Mitmachen ist angesagt. Im p&k-Interview vom September 2008 hatte Lemke einen „Graswurzelwahlkampf“ angekündigt, eine Mobilisierung von der Basis aus. Der Erfolg ist vor dem Wahltag zwangsläufig nur bedingt messbar, doch geben zumindest einzelne Zahlen den Wahlkämpfern Recht: So konnten Grünen-Anhänger zum Beispiel online Großflächenplakate buchen und darüber entscheiden, wo diese aufgestellt werden. Zu den 600 bereits gebuchten kamen auf diese Weise noch einmal weitere 600 dazu – so konnte die Partei vor der Europawahl deutlich mehr Menschen mit ihrer Botschaft erreichen, die da lautet: „Wums – für ein besseres Europa“. Das „Wums“ steht für „Wirtschaft und Umwelt, menschlich und sozial“, der Begriff ist eine Wortschöpfung aus dem Hause „Zum goldenen Hirschen“. Die Agentur macht für die Grünen – mit einer zwischenzeitlichen Unterbrechung – schon seit 2002 die Wahlwerbung.
Die Partei setze im Wahlkampf auf ein „hochdifferenziertes CRM“, sagt Robert Heinrich – also auf „Customer Relationship Management“. So nutzt die frühere Alternativ-Partei inzwischen moderne Marketing-Methoden zur Mobilisierung, die ursprünglich Unternehmen zur Kundenpflege dienten. Wer sich auf der Kampagnenplattform der Grünen registriert, kann sich nach individuellem Geschmack aussuchen, wie er sich in den Wahlkampf einbringen möchte: So kann  sich der Unterstützer zum Beispiel als Fahrer der Europa-Spitzenkandidaten Rebecca Harms und Reinhard Bütikofer zur Verfügung stellen.
Die Kampagneros der Grünen zeigen sich beim Besuch von p&k jedenfalls in guter Stimmung – auch wenn bei der einen oder dem anderen Augenringe von einer gewissen Anstrengung zeugen.

Steffi Lemke

Die Bundesgeschäftsführerin von Bündnis 90/Die Grünen ist die Wahlkampfleiterin der Partei. Seit 2002 ist die 41-Jährige Bundesgeschäftsführerin; in dieser Eigenschaft hat sie bereits den Europawahlkampf 2004 und den kurzen Bundestagswahlkampf 2005 geleitet. Von 1994 bis 2002 war Lemke Abgeordnete des Deutschen Bundestags, in den Jahren 1998 bis 2002 auch Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion.

Rudi Hoogvliet

Immer, wenn Wahlkampf ist, kommt Rudi Hoogvliet (50) nach Berlin: Schon 2002 und 2005 war der gebürtige Niederländer mit der doppelten Staatsbürgerschaft in der Hauptstadt, um als Wahlkampfmanager für die Grünen zu wirken. Eigentlich lebt Hoogvliet in Stuttgart, wo er für die grüne Landtagsfrak­tion arbeitet. Er bringt den zuweilen erforderlichen „Blick von außen“ mit, wie er sagt – und damit frischen Wind in den Wahlkampf.

Robert Heinrich

Seit 2007 ist Robert Heinrich (32) Leiter der ­Öffentlichkeitsarbeit der Grünen und damit auch verantwortlich für den Onlinewahlkampf; dieser macht im Wahljahr 2009 einen wesentlichen Baustein der Kampagne aus. Der vormalige Büroleiter von Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke hat früher als Journalist gearbeitet, unter anderem für den „Tagesspiegel“, die „Berliner Morgenpost“ und die „Leipziger Volkszeitung“.