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Political Campaign Festival

"Es gibt kein einzelnes Tool, mit dem man eine Wahl gewinnen würde"

EVP-Wahlkampfchef Dara Murphy betont die Wichtigkeit des Zuhörens. Teil fünf unserer Reihe mit Rednern des Political Campaign Festivals.

aus der Redaktion

Welche Strategien haben sich für Sie im Wahlkampf bisher bewährt?

Ursprünglich komme ich aus der Lokalpolitik. Die wichtigste Kampagne, an der ich mitgewirkt habe, war die zum Referendum im Mai 2012, als Irland in einer tiefen Finanzkrise steckte. Mit unserer Kampagne haben wir sowohl den Einzelnen als auch die Partei beworben.

Welche Tools haben Sie genutzt?

Wir haben Pressearbeit gemacht, eine Online-Kampagne gefahren und viele Bürgerversammlungen und regionale Veranstaltungen durchgeführt. Wir haben alle Parlamentsmitglieder mobilisiert, die unser Anliegen unterstützt haben. Sie haben sich mit den Teilen der Gesellschaft auseinandergesetzt, die am stärksten betroffen sein würden. Dazu haben wir uns genau angesehen, in welchen Teilen des Landes kulturelle, industrielle oder touristische Fragen von größerer Bedeutung waren. Dann haben wir uns mit den Lokalpolitikern getroffen. Zunächst sind wir auf ihre Anliegen eingegangen, später haben wir sie eingeladen, Teil unserer Kampagne zu sein.

Was haben Sie für Ihre heutige Aufgabe gelernt?

In der EVP ist es ebenso wichtig, den Menschen zuzuhören. Manfred Weber macht nun eine dreimonatige Zuhörtour quer durch den Kontinent. Die Menschen müssen merken, dass die Kommunikation nicht nur in eine Richtung verläuft. Das ist ein Fehler, den Politiker oft machen. Wir werden zeigen, dass wir den Menschen zuhören, dass wir verstehen, dass sie Sorgen und Hoffnungen haben. 

Wie genau gehen Sie dabei vor?

Manfred Weber wird auf unserer Website die Menschen einladen, sich uns mitzuteilen. Vor allem aber wird er in jedem einzelnen Mitgliedsstaat sein. Er hat damit bereits vor Weihnachten begonnen, sodass wir schon ein gutes Gespür für einige der Sorgen haben, die die Menschen umtreiben. Unserer Meinung nach sollte jeder, der Präsident der Europäischen Kommission werden will, nach dem Wahlkampf für seine Versprechen Rechenschaft ablegen. Das war ein Fehler des früheren Systems, bei dem der Europäische Rat in einem geschlossenen Raum mit besten Absichten eine Person zum Präsidenten der Kommission ernannt hat. Mit der Aufstellung von Spitzenkandidaten haben wir das bereits verbessert, aber wir müssen immer noch ein Stück Weg zurücklegen, bis die Menschen das Gefühl haben, dass die Europawahlen und nationale Wahlen gleichwertig sind. Die Lücke schließt sich bereits, und wir wollen, dass sie ganz verschwindet.

Welche Trends gibt es im politischen Campaigning?

Wir alle sind uns der zunehmenden Präsenz von Digital Campaigning, Social Media und all den verschiedenen Tools bewusst. Aber es ist auch sehr wichtig zu betonen, dass persönlicher Kontakt, Veranstaltungen, Interviews in Zeitungen, Fernsehdebatten und gegebenenfalls auch der Haustürwahlkampf weiterhin sehr wichtig sind. Es gibt kein einzelnes Tool, mit dem man eine Wahl gewinnen würde.

Dara Murphy ist Kampagnendirektor der Europäischen Volkspartei (EVP) für die Europawahl 2019 und Vizepräsident der Partei. Von 2014 bis 2016 war er irischer Staatsminister für Europaangelegenheiten und Datenschutz.

Das Political Campaign Festival, das die Quadriga Hochschule Berlin und politik&kommunikation gemeinsam veranstalten, findet am 30. Januar im Quadriga Forum in Berlin statt. Weitere Informationen finden Sie hier.