Barack Obama (c) Flickr.com/Scout Tufankjian for Obama for America/CC BY-NC-SA 2.0
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Foto: Flickr.com/Scout Tufankjian for Obama for America/CC BY-NC-SA 2.0

Eine Frage der Ideologie

Der Einsatz von Technologie hat das US-amerikanische Politikgeschäft grundlegend verändert. Die Demokraten hatten dabei immer die Nase vorn. Jetzt haben sie einen neuen Coup gelandet.  

Von Yussi Pick

Der Einzug von Technologie in die Politik wird meistens mit Barack Obama verbunden, startete aber lange vor ihm. Bereits 2004 begannen sich unterschiedlichste Bereiche – vom Fundraising bis zum Organizing – grundlegend zu verändern. Die Demokraten hatten dabei immer die Nase vorn.

Mit dem Aufstieg der so genannten Netroots 2004 kamen die Demokraten auf die Idee, ActBlue zu kreieren. Mit diesem Online-Fundraising-Tool für Kleinspenden konnten Kampagnen nicht nur einfach Geld sammeln. Darüber hinaus bot ActBlue Unterstützern die Möglichkeit, eigene Seiten anlegen, um einen bestimmten Kandidaten oder einen Pool von Kandidaten zu unterstützen.

Es war das erste Anzeichen, dass Technologie nicht nur das Musik-, sondern auch das Politikgeschäft radikal verändert. Erst durch ActBlue wurden Grassroots-Spenden zu einem ernstzunehmenden Faktor im Campaigning. Die Republikaner gaben sich alle Mühe nachzuziehen – ohne Erfolg: Eine republikanische Firma nach der anderen scheiterte bei dem Versuch, eine mit ActBlue vergleichbare Plattform zu gestalten. Seitdem hinken die Republikaner – trotz aller Bemühungen – den Demokraten konstant hinterher.  

NARWHAL versus ORCA

Nach der verlorenen Wahl 2004 begann die Demokratische Partei, in eine gemeinsame, zentrale Wählerdatenbank – das Voter Activation Network (VAN) – zu investieren. Derweil blieben die Republikaner ihrer “Every Man for Himself“-Ideologie auch in dieser Frage treu.

Sie überließen das Sammeln von Wählerdaten den jeweiligen Kampagnen – zu ihrem Nachteil. Zwei Wahlkämpfe später baute die Romney-Kampagne als Antwort auf Obamas Datenbank NARWHAL das System ORCA auf, das allerdings am Wahltag “wie ein harpunierter Wal am Strand lag”, wie ein Romney-Helfer das Scheitern beschrieb. 

Vorbild Apple

Unzählige kleine Pannen der Republikaner  später – so nannten sie ihr Innovation Lab „Para Bellum“ und gaben ihm damit ausgerechnet den Namen eines Maschinengewehrs, das in jedem US-Kriegsfilm die Waffe der Nazis ist – haben Demokraten die Messlatte nochmals höhergelegt: Ihre Datenbank, die vor einigen Jahren mit dem Online Advocacy Tool NGP verschmolz, kündigte Ende August an, Schnittstellen für Entwickler zu öffnen.

In weniger technokratischen Worten: Die Demokraten machen das, womit Apple beim iPhone und beim App Store so erfolgreich war. Jeder Demokrat kann jetzt – aufbauend auf einer soliden Datenbank – eigene Programme für eigene oder fremde Kampagnen konzipieren und verkaufen. 

So oft wie Republikaner am Einsatz von Technologie gescheitert sind, kann man nicht mehr von Zufällen sprechen. Es scheint, dass sich die Frage, ob eine US-amerikanische Partei in der Lage ist, Technologie erfolgreich einzusetzen, an ihrer Ideologie entscheidet.

Programmieren wurde durch das Web und seine Schwarmintelligenz mehr und mehr kollektiviert: Guter Code und damit gute Programme entstehen selten in Einzelarbeit, sondern zumeist dann, wenn sie geöffnet werden. Denn dadurch können andere dazu beitragen, sie zu verändern und zu verbessern. Demokraten liegt dieser Ansatz offensichtlich mehr als Republikanern.