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Cover: Westend Verlag, Ullstein, Springer
Politik

Dreimal politische Lektüre für den Sommer

Welche aktuellen Fachbücher sollte man griffbereit haben? Drei Rezensionen aus der Redaktion

Redaktion

Verkürzt

Der Journalist und Sachbuchautor analysiert, wie es um unsere Demokratie bestellt ist. Sein Fazit: denkbar schlecht. Schuld daran: die Eliten und der Finanz­sektor, der sich der Demokratie nicht unter­ordne. Während Schreyer hier alarmistisch argumentiert, tut er die Gefahr, die von Populisten ausgeht, geradezu ab und erklärt: "Trump & Co. sind bei Wahlen vor allem deshalb erfolgreich, weil die Zustände eben nicht demokratisch sind." Die Rettung sieht er vor allem in der direkten Demokratie – greift in seiner Argumentation  für diesen Weg aber zu kurz. (bit)

Paul Schreyer: "Die Angst der Eliten", Westend Verlag, Frankfurt 2018, 224 Seiten, 18 Euro

Persönlich

Zentrale Aussage der Fortsetzung von "Fremdes Land Amerika" (2016) ist, dass es sich "bei Trump mehr um ein Symptom als um eine Ursache handelt". Das ist nicht neu – auch sonst findet sich wenig Unbekanntes. Der ehemalige ARD-Wa­shington-Korrespondent zeichnet ein USA-Bild inklusive Rustbelt-Tristesse und Drogen­missbrauch. Gute Gründe, die Bestands­aufnahme zu lesen, bieten die eingestreuten Reportagen sowie die Einblicke, die Zamperoni sogar in die Wahl-Konflikte seiner US-Schwiegerfamilie gewährt. (ahü)

Ingo Zamperoni: "Anderland", Ullstein, Berlin 2018, 208 Seiten,18 Euro

Weckruf

"Trostlose digitale Verwaltung", "Netzsperren und Zensursula" – wie schon der Buchtitel, machen auch die Kapitelüberschriften zunächst wenig Mut. Der Status quo ist deprimierend und einer reichen Industrienation unwürdig, das legt Schallbruch schonungslos offen. Der Autor weiß, wovon er spricht: Vor seinem Wechsel auf Uni-Seite war er in verantwortlichen Positionen in der Bundesregierung für Digitalpolitik zuständig. Seine durchdachten Forderungen in puncto digitaler Handlungsfähigkeit des Staats rütteln (hoffentlich) auf – bitte lesen! (ahü)

Martin Schallbruch: "Schwacher Staat im Netz", Springer, Wies­baden 2018, 271 Seiten, 19,99 Euro