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Fotos: EBD, Collage: Janice Arpert
Europawahl

"Die Leute anders ansprechen, als das Wahlplakate tun"

DGB-Chef Sommer, Industrie-Präsident Grillo und der Deutsche Brauerbund: Sie alle rufen dazu auf, zur Europawahl zu gehen. Im p&k-Interview erklärt Karoline Münz von der Europäischen Bewegung Deutschland (EBD) die Kampagne "1000 gute Gründe für Europa".

Interview: Martin Koch

p&k: Frau Münz, bei Ihrer Kampagne „1000 gute Gründe für Europa“ lässt die Europäische Bewegung Deutschland (EBD) Unternehmer, Gewerkschafter und Verbandsvertreter zu Wort kommen. Woher stammt die Idee für die Kampagne?

Karoline Münz: Die Idee stammt aus der Praxis. Die EBD ist ein zivilgesellschaftliches Netzwerk aus über 200 Organisationen. Wir haben immer versucht darzustellen, was unsere Mitglieder zum Thema Europa zu sagen und beizutragen haben. Wir finden es sinnvoll zu sammeln, was aus Sicht der Verbände, Unternehmen und Stiftungen für die Europawahl relevant ist. Sie haben uns je einen Grund genannt, warum man wählen gehen sollte. Das Ergebnis ist ein sehr schönes Meinungsbild zu Europa, zusätzlich zu dem der Parteien. Bisher haben sich über 50 Verbände und Gewerkschaften an der Aktion beteiligt.

Wie sind Sie mit der Idee an Ihre Mitglieder herangetreten?

Seit dem Herbst haben wir unsere Mitglieder immer wieder angeschrieben. Manche haben sofort begeistert geantwortet, andere waren zögerlicher. Jetzt, nach dem erfolgreichen Start, stellen wir fest, dass sich viele Organisationen kurzfristig an der Aktion beteiligen möchten. Das geht auch über unser Netzwerk hinaus. Teilweise sind das Organisationen, die uns gar nicht kennen, die aber von der Kampagne erfahren haben und gerne dabei sein möchten.

Welche Zielgruppe möchten Sie erreichen?

Wir versuchen, über unsere Mitgliedsorganisationen als Multiplikatoren jeden Bürger und jede Bürgerin zu erreichen. Der Hintergedanke ist, dass jeder in irgendeiner Form organisiert ist – sei es die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, einer Partei oder einem Verein. Von der Kirche, über den Tierschutz bis hin zu lokalen Organisationen möchten wir alle abdecken. Wir hoffen, dass man am Frühstückstisch beispielsweise in der Kundenzeitschrift der Hausbank blättert und einen guten Grund findet, zur Wahl zu gehen. Unsere Mitgliedsorganisationen können die Leute anders ansprechen, als das Wahlplakate tun.

Plant die EBD im Vorfeld der Europawahl zusätzlich zur Kampagne weitere Aktionen?

Wir haben beinahe Schwierigkeiten, all die Beiträge im Rahmen der „1000 gute Gründe“-Kampagne bis zur Europawahl zu publizieren und zu würdigen. Als Europäische Bewegung verbreiten wir aber auch weiter, was es in unserem Netzwerk an Kampagnen, Wahlaufrufen und Wegen der Beteiligung gibt. Das bilden wir regelmäßig auf unserer Webseite, über Twitter und Facebook ab. Ein Beispiel ist die iChange-Europe-Kampagne. In der Woche vom 5. Mai wollen wir darstellen, was die großen Verbände zur Europawahl von den Parteien fordern. Die Wahl ist am 25. Mai. Bis dahin kann sich, wer möchte, gerne noch an unserer Kampagne beteiligen.

Foto: EBD
Karoline Münz

ist stellvertretende Generalsekretärin des zivilgesellschaftlichen Netzwerkes Europäische Bewegung Deutschland (EBD).