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Deutsche Think-Tanks an der Weltspitze

Denkfabriken, in denen politische Ideen wachsen, breiten sich weltweit immer mehr aus. Deutschland spielt in diesem Prozess eine bedeutende Rolle. Eine Studie aus den USA belegt das jetzt mit einem Ranking.

Von Ulrike Thiele

Deutschland ist eins der führenden Think-Tank-Länder. Wie eine Studie der Universität von Pennsylvania in Philadelphia zeigt, ist die Bundesrepublik nicht nur bei der Anzahl, sondern auch bei der Qualität ihrer politischen Denkfabriken international auf den vorderen Plätzen. 190 Denkfabriken zählen die Wissenschaftler in Deutschland, damit liegt es auf Platz fünf weltweit. Davor rangieren die USA auf Platz eins sowie China, Großbritannien und Indien.
Politische Problemlösungen erforschen und entwickeln, Verantwortungsträger beraten und damit Entscheidungen beeinflussen – das ist die Arbeit von Think-Tanks. Weltweit gibt es derzeit rund 6300 solcher Institutionen, und ihre Zahl wächst noch. Um den „Global Think-Tank Index“ zu erstellen, schickte das Team von James G. McGann, der an der Universität von Pennsylvania ein Programm zu Think-Tanks und zur Bürgergesellschaft leitet, einen Fragebogen Experten, die selbst in Think-Tanks arbeiten. Diese wurden gebeten, Kandidaten für das Ranking zu nominieren. Dabei gab er ihnen einige Eckpunkte an die Hand, um sicherzustellen, dass nach objektiven und transparenten Kriterien ausgewählt wird. Ausgeschlossen war beispielsweise, dass die Think-Tank-Experten ihre eigene Institution nominieren. Sie sollten sich bei ihren Vorschlägen daran halten, dass die ausgewählten Think-Tanks sich etwa durch ihren politischen Einfluss, ihre Relevanz und ihre Präsenz in der Öffentlichkeit hervortun. Die Fragebögen wurden von McGanns Team ausgewertet, und so entstand ein Ranking, das die Denkfabriken nach Standort und Forschungsbereichen geordnet bewertet.
Im Ranking der 50 besten ThinkTanks außerhalb der USA steht Transparency International an zweiter Stelle. Die deutsche Organisation, die sich auf Korruptionsbekämpfung spezialisiert hat, folgt damit auf das Chatham House aus Großbritannien, das Internationale Beziehungen zum Schwerpunkt hat. Die Stiftung Wissenschaft und Politik landet auf Platz zehn, die Bertelsmann-Stiftung auf Platz elf.
Die Aufgabe von Think-Tanks ist es laut McGann, „eine Brücke zwischen Wissen und politischem Handeln zu bauen“. Dabei sind die Organisationen keinesfalls immer unabhängig. Einige werden von Kirchen oder Gewerkschaften unterstützt, andere sind Teil von Parteien oder Regierungen. Die größte Bedeutung dürften die Denkfabriken in den USA haben, wo 1815 Think-Tanks an der politischen  Entscheidungsfindung beteiligt sind. Auch die Nummer eins weltweit kommt aus den USA. Es ist die traditionsreiche Brookings Institution in Washington D.C., die sich seit 1916 der Politikforschung verschrieben hat.