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„Der nächste Rettungsversuch gilt Merkel“

Nachdem Die PARTEI den Einzug ins Parlament verpasst hat, geht Martin Sonneborn die Probleme unserer Zeit auch ohne absolute Mehrheit an. In der dreiteiligen ZDFneo Reportage macht sich der ehemalige „Titanic“-Chefredakteur auf, die Welt mit den Waffen der Satire zu retten. Sendestart von „Sonneborn rettet die Welt“ ist der 10. Oktober.

Interview: Kim Döpke

Herr Sonneborn, wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis, das Die PARTEI bei der Bundestagswahl erzielt hat? Es waren ja immerhin 0,2 Prozent.

Dazu kann ich erstmal sagen, dass wir sehr viel schneller als die anderen Parteien unser Ergebnis analysiert haben. Nur um festzustellen, dass wir die Wahl verloren haben. Trotzdem konnten wir natürlich unser letztes Wahlergebnis verbessern, das ist schön, es lässt sich aber sicher noch steigern.

Gibt es schon eine Strategie für die nächste Wahl?

Ich denke, die Zeit spielt uns da in die Hände. Wir werden ja hauptsächlich von Jüngeren gewählt, deshalb warten wir einfach darauf, dass die Alten wegsterben und noch mehr Junge wahlberechtigt sind. Ich gehe dann von zweistelligen Ergebnissen aus.

Und wenn diese rosigen Zeiten angebrochen sind, gäbe es im Bundestag eine Partei, mit der Sie eine Koalition bilden würden?

Nein, ich glaube, die sind alle zu unseriös. Besonders die CDU müsste man da ausschließen, die sind noch gefährlicher als die Linkspartei. Einfach zu unsozial. Für die neue Sendung bei ZDFneo habe ich mich unter anderem mit dem Thema Lobbyismus und Korruption auseinandergesetzt und finde schon beeindruckend, wie sehr sich die Unionsparteien in den Dienst von Wirtschaft und Kapital stellen. Die CDU ist auch federführend bei der Ablehnung der Ratifizierung des Antikorruptionsgesetzes. Da liegen wir gleichauf mit Syrien und zwei anderen Schurkenstaaten.

Neben dem Korruptionsthema setzen Sie sich in „Sonneborn rettet die Welt“ auch mit der Umweltpolitik und der Finanzkrise auseinander. Hatte jemand aus der Politik eine Lösung für die Probleme parat?

Nein, selbst zuständige Minister sind phantastisch ahnungslos. Besonders eindrucksvoll fand ich den Augenblick, als Bundesumweltminister Peter Altmaier uns im Interview bat, die Kamera auszumachen, um zu erklären, dass er absolut keine Ahnung habe, wovon wir eigentlich reden. Es ging um CO2-Emissions-Zertifikate, die ich gekauft hatte. Ein paar Tage später hat er in Berlin eine internationale Klimakonferenz eröffnet.

Bislang gibt es nur drei Folgen von „Sonneborn rettet die Welt“, Probleme gibt es aber mehr als genug. Wo sollte man noch Rettungsversuche starten?

Ich denke, der nächste Rettungsversuch gilt Merkel. Sie wird gerade auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes gefeiert, aber wir wissen, dass die Geschichte zyklisch verläuft. Nach acht bis zwölf Jahren schlägt das Pendel zurück. Ich denke allerdings, dass da jeder Rettungsversuch vergeblich sein wird.

Und wie sieht es mit der NSA aus, könnte man da nicht Licht ins Dunkel bringen?

Das Problem ist, dass es da eigentlich kein Dunkel mehr gibt. Die Leute wissen ja, was passiert, es interessiert in diesem Land nur niemanden. Zumindest die Regierung jedoch hätte die Pflicht, zu handeln. Merkels Untätigkeit ist eine bemerkenswerte Dreistigkeit. Wir planen nicht umsonst nach der Machtübernahme durch Die PARTEI einen Schauprozess gegen sie. Merkel wird sich im Stadion aus einem Käfig heraus zu verantworten haben für das, was sie getan und was sie nicht getan hat!

Was hätte Die PARTEI getan?

Wir hätten zumindest alle Telefonleitungen in die USA gekappt, Klinsmann und Nowitzki zurückgezogen und für Obama ein Focus-Geschenk-Abo abgeschlossen.

Und wie sieht Ihre Bilanz aus: Ist die Welt noch zu retten?

Also, ich habe es versucht, und mir ist es in den insgesamt 90 Minuten nicht gelungen. Ich habe es zwar für Geld getan, aber auch aus Idealismus. Und jetzt setze ich mich ins Kaffeehaus und verfolge wohlwollend, wie die nachfolgenden Jahrgänge das in die Hand nehmen.