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Foto: Laurin Schmid
Politik

Der Bösewicht von der SPD

Und sonst so? Dass Matthias Ilgen landesweit bekannt ist, verdankt er seinem ungewöhnlichen Hobby: In der Freizeit steigt er als Wrestler in den Ring.

von Martin Koch

Wrestling – in Deutschland auch Catchen genannt – ist in erster Linie Schaukampf. Matthias Ilgen beschreibt es als "knallharten Vollkontakt-Kampfsport mit choreografischen Anteilen". Die Griffe, Tritte und Sprünge sind echt. Doch ganz anders als beim ­politischen Schlagabtausch geht es nicht unbedingt darum, dem Gegner zu schaden sondern darum, eine gute Show für das Publikum abzuliefern.

Seit 2013 sitzt der Husumer Ilgen für die SPD im Bundestag. Sein Hobby hat ihn landesweit bekannt gemacht. Beim Wrestling verkörpert er den Bösewicht, im Fachjargon "Heel" genannt. Seine Aufgabe ist es, die Antipathie des Publikums auf sich zu ziehen, damit der Held, das "Babyface", glänzen kann. Nach seiner Wahl in den Bundestag riet ein Freund Ilgen dazu, sein ungewöhnliches Hobby nicht zu verstecken, sondern lieber offensiv damit umzugehen.

Mit der Schlagzeile "Hulk Ilgen" erschien ein kurzes Porträt im "Spiegel". Das war "ein super Aufschlag für den Beginn einer glanzvollen Medienkarriere", erklärt Ilgen mit nordisch trockenem Humor. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Soeren van Heck zeigt uns Ilgen im Paul-Löbe-Haus einige Ringergriffe. Der 31-jährige Abgeordnete hat sichtlich Spaß bei der Sache. Sein Mitarbeiter erträgt es mit Geduld. "Mir geht es perfekt", versichert er, nachdem er sich aus der Umklammerung seines Chefs befreit.

Was halten eigentlich die Parteigenossen von seinem Hobby? "Die Fraktion findet es klasse", sagt Ilgen. Der Beweis folgt auf dem Fuße, als Uwe Beckmeyer gut gelaunt eine Seitentreppe herunterkommt. "Darf ich Euch helfen?", ruft der Staatssekretär Ilgen zu. Ilgen, der seinen Mitarbeiter gerade noch im Würgegriff hielt, nutzt die Begegnung, um mit Beckmeyer die Details eines gemeinsamen Betriebsbesuchs abzuklären. Auch Gesundheitspolitiker Edgar Franke lässt es sich wenig später nicht nehmen, mit Ilgen im Schwitzkasten für die Kamera zu posieren.

Ilgens Wrestling-Karriere ruht seit seinem Einzug in den Bundestag. Die Politik hat jetzt Vorrang. Aber auch in manchem Politiker steckt ein Stück Wrestler, findet Ilgen. Das falle ihm beispielsweise bei den Generalsekretären der Union auf. Die seien so etwas wie die "Heels" der Politik.