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"Das Motto ist nicht FDH sondern FDPur"

Mit neuem Logo und Beinamen hat die FDP auf ihrem Dreikönigstreffen den Neustart der Partei eingeläutet. Im Interview mit p&k erklärt Bundesgeschäftsführer Marco Buschmann, warum die Liberalen auf die Telekom-Farbe Magenta setzen und wie sie den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen wollen.

Interview: Viktoria Bittmann

Neben Gelb und Blau gehört jetzt auch Magenta zum Farbspektrum im FDP-Logo. Was soll diese neue, dritte Farbe symbolisieren?

Marco Buschmann: Deutschland wird bunter und das gilt auch für die FDP. Wir wollen damit unterstreichen, dass unsere Partei in der Vielfalt, im Wettbewerb und in der persönlichen Individualität und Freiheit eine Stärke erkennt. Eine solche Partei darf gern auch etwas bunter sein.

Mit Magenta wird hierzulande vor allem die Telekom in Verbindung gebracht. Farbexperte Axel Venn bewertet diese Farbe als aggressiv und kampfbetont. Warum setzen die Liberalen ausgerechnet auf eine solche Farbe?

Im CMYK-Farbmodell (Cyan, Magenta, Yellow und Key, Anm. d. Red.) sind wir bei 100 Prozent Cyan beziehungsweise Blau, 100 Prozent Gelb und 100 Prozent Magenta. Wir wollen also 100 Prozent geben, das heißt "FDP pur". Deshalb gehen wir mit diesen drei Farben in den Ring.

Auch die Selbstbezeichnung der FDP hat sich gewandelt: "Die Liberalen" nennen sich wieder "Freie Demokraten". Was hat es damit auf sich?

 "Freie Demokraten" ist eine Rückkehr zum Ursprung. Die FDP bleibt aber die liberale Partei. Im Liberalismus geht es darum, frei zu sein. Diesen zentralen Wert wollen wir nicht hinter einer Abkürzung verstecken, sondern klar zum Ausdruck bringen, um welchen Grundwert es uns geht. Deshalb sagen wir: Wir sind Freie Demokraten.

Bislang hat die FDP gern betont, die einzige liberale Partei zu sein. Im Logo taucht das Wort "liberal" nun gar nicht mehr auf. Kann man sich das erlauben, wenn man die Liberalität für sich als Alleinstellungsmerkmal beansprucht?

Liberal zu sein beweist sich nicht dadurch, dass man sich das Wort aufs Etikett schreibt, sondern im Handeln. Man muss eine Politik betreiben, die die Freiheit des einzelnen Menschen in der Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt. Es braucht ein liberales Programm, das wirtschaftliche Vernunft mit gesellschaftlicher Freiheit und Chancenorientierung für den einzelnen Menschen miteinander verbindet. Im Kern des liberalen Denkens steht die Freiheit und dies betonen wir als Freie Demokraten.

In den vergangenen Monaten ist die FDP damit nicht besonders erfolgreich gewesen. Nach aktuellen Umfragen sieht es nicht gut aus für Ihre Partei. Viele Menschen scheinen die Liberalen nicht zu vermissen. Glauben Sie, mit dem auf dem Dreikönigstreffen angeschobenen Neustart die Menschen vom Gegenteil überzeugen zu können?

Wir wissen, dass sich sehr viele Menschen eine Partei wünschen, die klar und gern auch mal kantig für wirtschaftliche Vernunft, gesellschaftliche Offenheit, Weltoffenheit und Toleranz steht. Wir müssen aber mit gewissen Vorbehalten leben, die wir uns selbst eingebrockt haben.

Was meinen Sie damit?

Bei den vielen kleinen Erfolgen, die wir in der vergangenen Legislaturperiode erzielt haben, ärgern sich noch viele, dass der eine große Erfolg – gemeint ist die große Steuerreform – ausgeblieben ist. Deshalb haben sich einige die Frage gestellt, ob man der FDP noch vertrauen kann. So offen und ehrlich haben wir das diskutiert. Wir haben einen sehr umfangreichen, selbstkritischen Leitbildprozess im vergangenen Jahr durchgeführt: Wir haben etwa 300 Veranstaltungen durchgeführt. Etwa 15.000 Parteimitglieder haben sich beteiligt. Zu Dreikönig hat sich unser Parteivorsitzender Christian Lindner ebenfalls mit diesen Problemen auseinandergesetzt. Nun wollen wir dokumentieren, dass wir inhaltlich an uns gearbeitet haben. Wie Christian Lindner es formuliert hat, ist das Motto nicht "FDH" ("Friss die Hälfte", Anm. d. Red.) sondern "FDPur". Das ist der eigentliche Treiber unseres Relaunch-Prozesses.

Ihnen bleiben zwei Jahre, um sich für die Bundestagswahlen 2017 fit zu machen. Wie wollen Sie das in Angriff nehmen als Partei, die nicht mehr im Bundestag vertreten ist?

Das ist natürlich eine schwierige Aufgabe. Christian Lindner spricht immer vom Marathonlauf. Es ist aber eine Aufgabe, der wir uns gern stellen, weil wir eine Organisation von Überzeugungstätern sind. Wir glauben, dass es eine gewaltige Lücke im Parteiensystem gibt, die auch immer deutlicher wird. Deshalb glauben wir, dass uns die Kombination aus einem starken Programm und einer festen inneren Überzeugung am Ende stark genug machen wird, diesen Marathonlauf durchzustehen.

Aber werden Sie denn überhaupt noch stark genug wahrgenommen? Abgesehen von der zum Dreikönigstreffen enorm gestiegenen medialen Beachtung war es in den vergangenen Monaten doch sehr ruhig um Ihre Partei geworden.

Ich glaube, dass der Bedarf nach der liberalen Perspektive kräftig steigen wird. Die Berichterstattung über das Geschehen im Bundestag ist, wenn ich das so sagen darf, stinklangweilig, weil alle das Gleiche erzählen und sich nur in Nuancen unterscheiden. Es gibt deshalb einen steigenden Bedarf nach wirklich anderen Konzepten und mit dem Fortschreiten der Legislaturperiode wird das immer deutlicher werden.

Sie vergleichen die Arbeit bis zur nächsten Bundestagswahl mit einem Marathonlauf. Viele Sportler stecken sich ein konkretes Ziel, bevor Sie an den Start gehen. Wie lautet Ihres?

Wir wollen im ersten Schritt 2017 wieder in den Deutschen Bundestag einziehen und dann mit unserer parlamentarischen Arbeit beweisen, dass dieser Vertrauensvorschuss gerechtfertigt war, um anschließend umso mehr Menschen von uns zu überzeugen.

Marco Buschmann

ist Bundesgeschäftsführer der FDP. Von 2009 bis 2013 saß er im Bundestag. (Foto: Die Hoffotografen)