Nur noch jeder Zwölfte hält Politiker für vertrauenswürdig

Vor 2 Jahren waren es doppelt so viele

Bundeskanzler Friedrich Merz und Kabinettsmitglieder gehen im Schloss Neuhardenberg in einer Gruppe zusammen.
Der Anteil derer, die Politikern ausdrücklich misstrauen, ist gestiegen: von 52 auf 67 Prozent. Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel

Wem kann man trauen? Bei Politikern fällt die Antwort in Deutschland inzwischen ernüchternd aus. Nur acht Prozent der Befragten halten sie für vertrauenswürdig – also etwa jeder Zwölfte. Vor zwei Jahren waren es noch 17 Prozent. Das zeigt der „Ipsos Global Trustworthiness Index 2026“, für den das Meinungsforschungsinstitut im Frühsommer Menschen in 31 Ländern befragt hat.

Zugleich ist der Anteil derer gewachsen, die Politikern ausdrücklich misstrauen: von 52 auf 67 Prozent. Zwei von drei Befragten stufen sie damit als nicht vertrauenswürdig ein, das übrige Viertel legt sich nicht fest. Kaum besser schneiden Regierungsminister ab: Elf Prozent halten sie für vertrauenswürdig – halb so viele wie 2024.

Ipsos legte den Befragten eine Liste von 22 Berufsgruppen vor, von Ärzten über Journalisten bis zu Social-Media-Influencern. Für jede Gruppe sollten sie auf einer Skala von eins bis fünf angeben, wie vertrauenswürdig sie diese in ihrem Land finden. Als „vertrauenswürdig“ zählt, wer eine der beiden positiven Stufen wählte. Gemessen wird also das Bild einer ganzen Berufsgruppe – nicht das Vertrauen in einzelne Politiker, Parteien oder Institutionen.

Wem die Deutschen weiterhin trauen

Der Einbruch betrifft fast ausschließlich die Politik. Ärzte halten 58 Prozent der Befragten für vertrauenswürdig, Wissenschaftler und die Polizei jeweils 55 Prozent, Richter 50 Prozent. Diese Werte sind seit 2024 praktisch stabil geblieben: Die Verschiebungen von zwei oder drei Punkten liegen innerhalb der statistischen Unschärfe der Umfrage (mehr dazu unten). Polizei und Richter schneiden in Deutschland sogar besser ab als fast überall sonst – in beiden Fällen liegt Deutschland unter den 31 Ländern auf Platz drei.

Noch weniger Vertrauen als Politiker genießen hierzulande nur zwei Gruppen: Werbemanager mit sechs Prozent und Social-Media-Influencer mit fünf Prozent.

Dass Politiker wenig Vertrauen genießen, ist kein deutsches Phänomen. Im Schnitt der 31 Länder halten nur 13 Prozent der Befragten sie für vertrauenswürdig, damit stehen sie weltweit am Ende aller abgefragten Berufsgruppen. Deutschland liegt jedoch noch deutlich unter diesem Mittelwert. Nur in Belgien ist der Anteil mit sieben Prozent niedriger; gleichauf mit Deutschland liegen Frankreich, Polen, Rumänien und Spanien. Am besten schneiden Politiker in Indien (31 Prozent) und Singapur (28 Prozent) ab.

Keine Absage an die Demokratie

Seit der Befragung hat sich das politische Klima weiter eingetrübt. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kam die AfD Anfang September auf 43,8 Prozent, die CDU nur noch auf 17,2 Prozent. Mit der Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung sind laut ARD-Deutschlandtrend 84 Prozent der Befragten unzufrieden. Die Ipsos-Daten wurden allerdings schon im Juni und Juli erhoben. Sie sind also keine Reaktion auf die Wahl, sondern beschreiben eine Stimmung, die bereits vorher bestand.

Robert Grimm, Leiter der Politikforschung bei Ipsos in Deutschland, sieht in den Zahlen einen Ausdruck politischer Unzufriedenheit, nicht eine Absage an die Demokratie. Er verweist auf die guten Werte für Polizei und Justiz. Ob diese Deutung trägt, kann die Umfrage allerdings nur begrenzt zeigen: Sie fragt nach Berufsgruppen, nicht nach dem Vertrauen in das politische System.

Offen bleibt auch, ob hinter dem Einbruch ein dauerhafter Trend steckt. Der Vergleich stützt sich auf zwei Messpunkte, 2024 und 2026 – mit identischer Frage und Skala, aber mit zwei unabhängigen Stichproben. Ob das Vertrauen seither stetig gesunken ist oder 2024 ungewöhnlich hoch lag, lässt sich daraus nicht ablesen.

Wie belastbar sind die Zahlen?

Ipsos hat vom 19. Juni bis 3. Juli 2026 über seine Online-Plattform Global Advisor insgesamt 23.537 Menschen in 31 Ländern befragt, in Deutschland rund 1.000 Personen zwischen 16 und 74 Jahren. Die Daten sind nach Angaben des Instituts so gewichtet, dass sie die Bevölkerungsstruktur abbilden; die deutsche Stichprobe gilt als repräsentativ für die Bevölkerung unter 75 Jahren.

Weil die Teilnehmer online rekrutiert und nicht per Zufall ausgewählt werden, lässt sich keine klassische Fehlermarge berechnen. Ipsos gibt stattdessen ein sogenanntes Credibility Interval von plus/minus 3,5 Prozentpunkten an. Praktisch heißt das: Veränderungen von zwei oder drei Punkten, wie bei Ärzten oder Polizei, können auch Zufall sein. Der Rückgang bei Politikern um neun Punkte liegt dagegen klar außerhalb dieser Spanne.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier.