TV-Duell im Spartensender: ARD und ZDF ernten Kritik

Fotos: Dominik Butzmann, Flickr.com/European People's Party Collage: Janice Arpert
25.04.2014

Die Entscheidung von ARD und ZDF, die TV-Debatte der Spitzenkandidaten zur Europawahl lediglich beim Spartensender Phoenix auszustrahlen, erntet heftige Kritik. Am 15. Mai sollen bei der von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) organisierten, europaweiten Debatte die Spitzenkandidaten von fünf im Europaparlament vertretenen Fraktionen aufeinandertreffen.

Teilnehmen werden neben Martin Schulz für die Sozialdemokratische Partei Europas (SPE) und Jean-Claude Juncker für die Europäische Volkspartei (EVP) auch der griechische Linken-Politiker und GUE/NGL-Spitzenkandidat Alexis Tsipras, der Fraktionschef der liberalen ALDE-Fraktion Guy Verhofstadt und ein Spitzenkandidat der Europäischen Grünen.

Der Geschäftsführer des kulturellen Spitzenverbandes Deutscher Kulturrat, Olaf Zimmermann, äußerte sich am Freitag kritisch zu der Entscheidung. Es sei unverständlich, dass ARD und ZDF die wichtige TV-Debatte nur auf ihrem Spartensender zeigen und stattdessen im Hauptprogramm die Bundesliga und einen Familienfilm ausstrahlen wollten, so Zimmermann.

Auch im Internet regt sich Widerstand gegen die Pläne der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. In einer offenen Petition auf der Plattform „change.org“ fordert die Organisation Junge Europäische Föderalisten (JEF) die Sender dazu auf, die EBU-Debatte in den Hauptkanälen zu zeigen. Die Petition zählt bisher 8.250 Unterzeichner (Stand: Freitag, 17 Uhr). Zu den prominenten Unterstützern gehören der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold, FDP-Chef Christian Lindner und der Bundesverband der Jusos in der SPD.

In Kooperation mit dem ORF strahlt das ZDF am 8. Mai eine eigene TV-Debatte aus. Ähnlich wie beim Fernsehduell vor der Bundestagswahl treffen dort jedoch nur die Kandidaten der beiden stärksten Gruppierungen, Martin Schulz und Jean-Claude Juncker aufeinander. Außerdem zeigt das Erste am 20. Mai eine „Wahlarena“ mit den beiden Kandidaten. Die Entscheidung der deutschen Sender, die Debatten auf Schulz und Juncker zu begrenzen, wurde von den kleineren Parteien im Europaparlament heftig kritisiert. (Martin Koch)

 

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