Türken wählen erstmals von Deutschland aus ihren Präsidenten

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01.08.2014

Zum ersten Mal konnten türkische Staatsbürger ihren Präsidenten von Deutschland aus wählen. Bislang mussten die rund 1,4 Millionen Wahlberechtigten in ihr Herkunftsland reisen, um ihre Stimme abzugeben. Vier Tage lang, bis zum 3. August, konnten Türken bundesweit in sieben Wahllokalen an die Urne gehen. Rund 140.000 türkische Staatsbürger aus dem Raum Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern konnten ihre Stimme im Berliner Olympiastadion abgeben. Dort mietete das türkische Generalkonsulat 51 VIP-Logen, um sie als Wahlkabinen zu nutzen. Weitere Wahllokale gab es unter anderem in Frankfurt am Main, München und Karlsruhe. Die Kosten für die Wahl trägt die Türkei.

Die Wahlberechtigen mussten sich im Vorfeld der Wahl beim türkischen Wahlamt in Ankara registrieren. Dabei bekamen all jene, die keinen Wunschtermin innerhalb der vier Wahltage angaben, ein Datum zugewiesen. Wer sich nicht registrierte oder den Wahltermin verpasste, konnte nicht abstimmen. Ausgezählt werden die Stimmzettel am eigentlichen Wahltag in der Türkei, dem 10. August. Die rund 500 Wahlurnen werden dafür in die Türkei geflogen. Drei Kandidaten treten zur ersten Direktwahl des türkischen Staatsoberhaupts an: Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, Ekmeleddin Ihsanoglu, der von den Oppositionsparteien ernannt wurde, sowie der Kandidat der pro-kurdischen Partei, Selahattin Demirtas.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte die Rahmenbedingungen der Abstimmung. Während der vier Tage andauernden Wahlen sei Journalisten der Zutritt zu den Wahllokalen untersagt worden, hieß es in einer Pressemitteilung. Die Türkei hatte als Ausrichter und Organisator der Wahl das Hausrecht in den Wahllokalen. Der Bundesvorsitzende des DJV, Michael Konken, forderte: "Für die Berichterstattung über die türkischen Wahlen in Deutschland müssen die gleichen Regeln gelten wie für die Wahlen zum Bundestag oder zu den Landesparlamenten auch." (von Luisa Pischtschan)

 

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