Die Bundesregierung kämpft mit einem Wahrnehmungsproblem: Der Eindruck kommunikativer Schwäche wiegt schwer. Besonders Bundeskanzler Friedrich Merz wird von fast neun von zehn Deutschen ein mangelndes Gespür für die Vermittlung politischer Botschaften attestiert.
Einem, dem es vergleichsweise gut zu gelingen scheint, ist Innenminister Alexander Dobrindt. In politischen Kreisen genießt er schon länger Anerkennung als Stratege und effektiver Organisator, der weniger über öffentliche Inszenierung als über geräuschlose Arbeit im Hintergrund Einfluss gewinnt.
In diesen Wochen ist er aufgrund des Anschlags auf den Christopher Street Day in Berlin und des Drohnen-Vorfalls am Leipziger Flughafen verstärkt in den medialen Fokus gerückt. Seine Kommunikation scheint dabei bei einem nennenswerten Teil der Bevölkerung angekommen zu sein: Etwa ein Drittel der Deutschen verbindet mit Dobrindt in erster Linie kommunikative Klarheit. Das ist für einen Minister, der primär anlassbezogen und in zugespitzten Debatten auftritt, ein beachtlicher Wert.
Knapp 40 Prozent zeigen sich mit Dobrindts Arbeit zufrieden. Damit erzielt er etwa doppelt so hohe Zufriedenheitswerte wie der Bundeskanzler und übertrifft prominente Kabinettskollegen wie Lars Klingbeil oder Katherina Reiche. Überstrahlt wird er im Kabinett weiterhin nur von Boris Pistorius, der eine parteiübergreifende Ausnahmestellung behauptet.
Dobrindts Rückhalt speist sich naturgemäß stark aus der eigenen Anhängerschaft der Union. Bemerkenswert jedoch: Auch ein Drittel der AfD-Wähler bewertet seine Arbeit positiv. Das könnte vor allem als Anerkennung seiner restriktiven Migrationspolitik gewertet werden.
Bedeutet all dies, dass die Deutschen in ihm einen zukünftigen Kanzlerschaftsanwärter sehen? Die Zahlen mahnen zur Differenzierung. Nur etwa ein Viertel der Befragten hält Dobrindt für das Amt geeignet. Selbst unter Unions-Anhängern reicht es nicht für mehrheitlichen Zuspruch. Jedoch gehört zum Gesamtbild, dass sich auch andere medial gehandelte Anwärter der Union schwertun, breiten Zuspruch bei der Frage nach einer Kanzlereignung zu mobilisieren: So kommt Markus Söder nur auf 26 Prozent, Hendrik Wüst immerhin auf 31 Prozent.
„Es wäre demnach verfrüht, in Alexander Dobrindt den ersten bayerischen Bundeskanzler zu sehen.“
Es wäre demnach verfrüht, in Alexander Dobrindt den ersten bayerischen Bundeskanzler zu sehen. Jedoch gilt festzuhalten, dass es ihm bislang gelungen ist, in einem kommunikativ schwächelnden Kabinett zu den wenigen Akteuren zu gehören, die sich mit Klarheit im Ton und vorzeigbaren Zufriedenheitswerten erfolgreich behaupten. Vor dem Hintergrund des insgesamt schwachen Erscheinungsbilds der Bundesregierung ist das bereits ein bemerkenswerter Befund.