Klar statt laut: Warum die Junge Gruppe stilbildend für politische Kommunikation werden könnte

Gastbeitrag

Vom „Sprengsatz“ (Bild), der Schwarz-Rot vor eine „Zerreißprobe“ (FR) stellte, bis zum „Renten-Zoff“: An drastischen Beschreibungen rund um die von der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion initiierte Diskussion zum Rentenpaket mangelte es nicht.

Doch hinter die plakativen Zuschreibungen lohnt ein genauerer Blick – besonders auf die kommunikative Leistung der Protagonisten: Das waren der JU-Vorsitzende Johannes Winkel und der Junge-Gruppe-Vorsitzende Pascal Reddig.

In der politischen Kommunikation galt lange die unausgesprochene Regel: Polemik erzeugt Aufmerksamkeit. Ein prägnantes Beispiel lieferte Philipp Mißfelder, ein Vorgänger Winkels im JU-Vorsitz. 2003 erklärte Mißfelder, dass 85-Jährige kein neues künstliches Hüftgelenk auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen sollten. Die drastische Zuspitzung löste einen öffentlichen Aufschrei aus und verschaffte Thema und Absender enorme mediale Resonanz.

Sachlich Argumentiert

Ganz anders handeln Winkel und Reddig heute. Hoch diszipliniert, ruhig und sachlich orientiert, verzichteten sie auf billige Aufmerksamkeitspunkte. Sie argumentierten mit Zahlen, belegen diese sorgfältig – und zeigten, dass man eine Debatte auch ohne polarisierende Rhetorik prägen kann.

Das heißt nicht, dass sie auf Inszenierung verzichten. Wer den Deutschlandtag der Jungen Union verfolgte, konnte die dramaturgische Professionalität erleben: Johannes Winkel peitschte die Delegierten musikalisch untermalt ein. Sämtliche Landesvorsitzende stellten sich auch physisch hinter Winkel und die Junge Gruppe. Der Kongress beschloss einen untermauernden Initiativantrag. Gegen diese kommunikative Leistung wirkten Bundeskanzler Merz und Arbeitsministerin Bas ziemlich blass.

Nicht unterschätzen darf man die strategischen Grundlagen für diesen kommunikativen Erfolg: Teamgeist und Organisation:

  • Teamgeist: Winkel und Reddig agieren abgestimmt, vermeiden Konkurrenz untereinander und verstärken so den Eindruck, es gehe um die Sache. Dieser Zusammenhalt überträgt sich auf die von ihnen geführten Organisationen: Junge Union und Junge Gruppe treten beim Thema Rente geschlossen auf.
  • Organisation: Strategisch früh positioniert, besetzen sie wichtige Fraktionsposten: Winkel als Obmann im Ausschuss für Arbeit und Soziales, Reddig als Berichterstatter für Rententhemen, der Junge-Gruppe-Kollege Yannick Bury als Berichterstatter im Haushaltsausschuss für das Bas-Ministeriums. So sind die jungen Unionler thematisch fit und dran am Informationsfluss.

War der Einsatz erfolgreich? Die SPD blieb beim Gesetzestext bretthart, wich keinen Millimeter. Doch die Junge Gruppe erreichte ein Vorziehen der Rentenkommission und erzeugte erhöhten Druck auf die Koalition, echte Reformen anzugehen.

In die Mitte der Wählerschaft

Und kommunikativ wirkten Winkel und Reddig stilbildend: obwohl sie die jüngsten Akteure in der Debatte waren, wirkten sie stets, als seien sie die Erwachsenen im Raum.

Strategisch waren die letzten Monate ein klarer Gewinn: Winkel und Reddig setzen sich als einzige relevanten Vertreter der politischen Jugendorganisationen sichtbar für Generationengerechtigkeit ein. Mit dem Thema und ihrer Tonalität haben sie ein Thema gefunden, mit dem die Junge Union stark in die Mitte der Wählerschaft ausstrahlt – weg vom Image des Merz-Ultra-Fanclubs.