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Ist der X-Exodus deutscher Parteien und Funktionäre zielführend?
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Ist der X-Exodus deutscher Parteien und Funktionäre zielführend?
PRO & CONTRA
Fotos: Nils Leon Brauer, David Hollstein
SPD, Grüne und Linke ziehen sich gemeinsam von „X“ zurück – aus Protest gegen zunehmende Desinformation auf der Plattform. Doch der Schritt ist umstritten: Während Grünen-Politikerin Pegah Edalatian „X“ nicht mehr als freien Debattenraum sieht, warnt „Stern“-Chefreporterin Miriam Hollstein vor dem Verlust eines wichtigen politischen Diskussionsortes. Was bedeutet der Rückzug für die demokratische Debatte im Netz?
Am Montag kündigten Funktionsträger und offizielle Accounts der SPD, Grünen und Linken ihren Rückzug von „X„ (ehemals Twitter) an. Sie kritisieren die Plattform als einen Hort der Desinformation. Diese Entscheidung spaltet die Meinungen in der politischen Landschaft. Während Miriam Hollstein vom „Stern“ „X„ als wichtigen Debattenraum sieht, betont Pegah Edalatian von den Grünen, dass die Plattform ihren Charakter als freier Raum für öffentliche Diskussionen verloren hat. Lesen Sie mit p&k+, welche Folgen dieser Exodus für die politische Kommunikation hat.
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Wenn bestimmte Inhalte gezielt gepusht werden, wenn Forschung blockiert wird und Moderation kaum noch stattfindet, dann ist das keine freie Öffentlichkeit mehr. Dann ist es Manipulation, die das Ziel hat, unsere freiheitliche Demokratie zu beschädigen. Dazu kommen konkrete Fälle von Deepfakes und KI-Missbrauch. Eine Plattform, die so funktioniert, ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.
Die EU hat X unter dem Digital Services Act sanktioniert – passiert ist wenig. Wer bleibt, akzeptiert die Spielregeln. Wer geht, setzt ein klares Signal. Es geht auch um Marktanteil und damit um Macht. Solange X weiter genutzt wird, gibt es keinen echten Anreiz, das System zu verändern. Genau so funktioniert Marktlogik.
Es gibt Alternativen wie Bluesky, die sich an Regeln halten und Öffentlichkeit ermöglichen. Demokratie braucht Öffentlichkeit. Aber sie braucht auch Regeln, Fairness und Vertrauen. Genau das fehlt auf X.
Kontra
Aber, um Herbert Wehner zu zitieren: Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen. Oder in diesem Fall: Wer den Anspruch erhebt, sich über Politik auch außerhalb der eigenen Wählerblase austauschen zu wollen (und das sollte der Anspruch jedes Politikers und jeder Politikerin sein), muss es auch in einem sozialen Netzwerk tun.
Das muss nicht Twitter sein. Es gibt Alternativen – ob sie nun Instagram, Linkedin, Bluesky oder anders heißen. Aber machen wir uns doch nichts vor. Sie alle werden von amerikanischen Konzernen betrieben. Und auf allen gibt es Pöbeleien und Hasskommentare, die mal mehr, mal weniger sanktioniert werden.
Ich werde Twitter nicht verlassen. Weil viele wichtige Debatten immer noch oft hier geführt werden. Weil ich immer wieder dazulerne, Dinge und Perspektiven erlebe, die mich weiterbringen, meinen Blick verändern. Und – vielleicht das Wichtigste: Weil ich dort Menschen kennengelernt habe, die im echten Leben zu Freunden geworden sind. Allein dafür werde ich Twitter immer dankbar sein.