Blaue Zöpfe, Doktortitel in Astrophysik, Listenplatz 9: Die CDU-Kandidatin Elisabeth Ignasiak passt in kein Parteiklischee – das wurde ihr im Netz zum Verhängnis. Die selbstständige Nachhaltigkeitsberaterin will am 20. September in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg einziehen.
Im Interview erklärt sie, wie sie mit dem Hass im Netz umgeht, welchen Zuspruch sie aus anderen Parteien bekommen hat, warum sie sich für die CDU entschieden hat und was sie in der BVV als Erstes anstoßen würde.
Frau Ignasiak, am 10. September postete ihr Kreisvorsitzender Timur Husein ihr Wahlplakat auf X, um sie im Wahlkampf vorzustellen. Was folgte, waren massive Anfeindungen. Haben Sie Ihre Kandidatur bereut?
Ignasiak: Nein, das habe ich nicht. Ich engagiere mich politisch und kandidiere für die BVV, um etwas zu bewirken und meinen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Schwierige Phasen haben mich noch nie davon abgehalten, das zu tun, was ich für richtig halte. Im Gegenteil. Es hat mich darin bestärkt, mich für eine freiheitliche Gesellschaft einzusetzen, in der Menschen miteinander statt übereinander reden. Für mich ist jede Krise eine Chance zu wachsen, zu lernen und stärker zu werden.
Wir stellen euch unsere Kandidaten für die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg vor. Heute Dr. Elisabeth Ignasiak (Listenplatz 9). Am 20. September CDU wählen!
— Timur Husein, MdA (@TimurHusein) September 10, 2026
Haben Sie die heftigen Reaktionen im Netz überrascht?
Ignasiak: Das war erst mal schon ein Schock. Ich bin ja keine Berufspolitikerin, sondern mache das alles ehrenamtlich. Und zwar auf sehr niedriger, sehr lokaler Ebene, in einem der kleinsten Bezirke von Berlin. Ich dachte, meine Vorstellungskachel kriegt ein paar Herzchen und dann dreht sich die Welt weiter zu bekannteren Gesichtern. Dass ich auf einmal mit mehr als 1.000 Hass-Kommentaren konfrontiert bin – nein, darauf war ich nicht vorbereitet.
Haben Sie Zustimmung aus anderen Parteien erfahren?
Ignasiak: Ich denke ja. Ich erinnere mich an einen positiven Kommentar, der explizit eine andere Parteizugehörigkeit erwähnte. Mehr als 800 Nutzer haben meine Vorstellung auf X geliked und es gab auch Zuspruch in den Kommentaren. Aber bei so vielen Nutzern sehen Sie es mir bitte nach, dass ich nicht geprüft habe, wer zu welcher Partei gehört. Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass ich von CDU-Freunden nichts als Unterstützung erfahren habe. Dafür bin ich sehr dankbar und es hat mich darin bestärkt, dass ich die richtige Partei gewählt habe.
Wieso haben Sie sich entschlossen, in die Politik zu gehen? Und warum ausgerechnet in die CDU?
Ignasiak: Früher habe ich mich viel ehrenamtlich in Vereinen engagiert. Damals habe ich gelernt: Der beste Weg, etwas zu verändern, ist es einfach selbst zu tun. Das dann irgendwann auch im politischen Kontext in die Tat umzusetzen, war für mich eigentlich nur die logische Konsequenz. Meckern ist einfach. Sich einbringen ist es nicht.
Für die CDU habe ich mich entschieden, weil mir Klima- und Umweltschutz wichtig sind und weil ich der Überzeugung bin, dass Klima/Umwelt und Wirtschaft zusammen gedacht werden müssen. Das erlebe ich jeden Tag in meiner beruflichen Praxis und dafür ist die CDU aus meiner Sicht prädestiniert. Weniger Idealismus. Mehr Pragmatismus. Dafür steht die CDU.
„Weniger Idealismus. Mehr Pragmatismus. Dafür steht die CDU.“
Falls Sie in die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg gewählt werden, was würden Sie als Erstes anstoßen?
Ignasiak: Als Erstes würde ich besseren Hitzeschutz anstoßen (mehr Bäume, gepflegte Grünflächen, bessere Nutzung von Regenwasser usw.). Jetzt, wo der Sommer vorbei ist, ist die Zeit, sich auf den nächsten Hitzesommer vorzubereiten, damit vulnerable Menschen wie Kinder, kranke und alte Personen im kommenden Sommer besser vor den Folgen der Hitze geschützt sind. Der Berliner Senat hat bereits ein Klimaanpassungsgesetz für Berlin beschlossen und den Grundstein gelegt. Dieses gilt es nun in die Praxis umzusetzen.