Welchen Gast hätten Sie gern? – „Natürlich Wladimir Putin“

Gordon Repinski über neues Format ,,Hard Talk''

Foto: Axel Springer SE
Foto: Axel Springer SE

p&k: Herr Repinski, sie haben mit „Hard Talk“ ein neues Format ins Leben gerufen. Was hat Sie dazu bewogen, dieses Format zu starten?  

Repinski: Das politische Gespräch steckt doch aktuell in derselben Krise wie die Politik insgesamt. Aktuell verlieren sich viele Interviews in eingeübten, politischen Floskeln und im krampfhaften Versuch der politischen Seite, bestimmte Dinge einfach nicht zu sagen und stattdessen Umschreibungen zu verwenden. Am Ende sind alle eingeschläfert und verlieren gemeinsam. Das will der „Hard Talk“ durchbrechen. Also, kein Platz für Floskeln und wenn sie doch gesagt werden, dann werde ich sie so benennen in der Sendung.

p&k: Was muss ein Politiker bei Ihnen im ,,Hard Talk“ aushalten, was er in anderen Talkshows nicht aushalten muss?

Repinski: Ich empfinde das Format nicht als etwas, das ein Politiker „aushalten“ muss. Im Hard Talk mache ich etwas, das Politiker sich eigentlich wünschen: Wir gehen tief in die Themen, aber ich erwarte eben auch klare Aussagen. Wenn die nicht kommen, unterbreche ich – und wenn die Aussage immer noch nicht klar ist, dann benenne ich das so. Wenn ein Politiker sich seiner Sprache und Sache sicher ist, wird Hard Talk ein pures, beidseitiges Vergnügen.

p&k: Sie kennen die politischen Tricks und Ausweichmanöver in Berlin ziemlich gut. Wie schafft man es, einen Politiker festzunageln, ohne dass das Gespräch zur reinen Konfrontation wird?

Repinski: Es gibt einige Techniken, die ich immer wieder anwende. Eine Frage stellen, nicht fünf, selber Füllworte streichen, dann hat der Politiker weniger Zeit nachzudenken. Sicher im Thema sein und immer zuhören und vom Skript abweichen. Eine Frage, die nicht beantwortet wurde, einfach nochmal stellen. Und noch vieles mehr. Meine Philosophie ist, dass ich selbst eine andere Sprache sprechen muss, wenn ich das von meinem Gegenüber erwarte.

p&k: Sie beobachten die Berliner Politik seit vielen Jahren und kennen viele der handelnden Personen persönlich. Wie verändert diese Nähe Ihren Blick auf Politiker – und wie schafft man es, trotzdem die notwendige journalistische Distanz zu bewahren?

Repinski: Das ist unverhandelbar für mich. Und auch wenn ich die Akteure persönlich kenne: Ich trenne Privates und Professionelles und halte das auch für den einzig richtigen Weg. Sympathie ist keine Kategorie bei einem Interview. Wenn ein Politiker sich mit mir unterhält, ist das ein professionelles Gespräch, und das wissen die Politiker auch. Ich glaube, über die Jahre sollten alle von ganz links bis ganz rechts gelernt haben, dass ich mit ihnen ein kritisches aber faires Interview führe. Ich interessiere mich für die Themen. Das ist mein Antrieb.

p&k: Gibt es einen Politiker, den sie besonders gerne in „Hard Talk“ zu Gast haben möchten?

Repinski: Wenn ich freie Auswahl habe, international natürlich mit Wladimir Putin. Er ist der Verbrecher der Gegenwart, hat eine starke Bindung nach Deutschland und ist ein glänzender Rhetoriker. Alles also, was einen lebendigen Hard Talk verspricht. National natürlich der Bundeskanzler. Wir hatten zuletzt einen Austausch auf einer Bühne, als er mir vorwarf, keine Sachfragen zu stellen. Das löse ich gerne mit ihm beim „Hard Talk“ ein. Er muss nur einschlagen.