„Für viele ist die de’ge’pol COM die erste Anlaufstelle in Berlin“

Interview der Woche

Louisa Kropp und Tobias Jung / Foto: Svenia Hermes
Louisa Kropp und Tobias Jung / Foto: Svenia Hermes

politik&kommunikation: Die de’ge’pol COM wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Warum wurde das Nachwuchsnetzwerk damals gegründet?

Tobias Jung: Vor zehn Jahren kamen mehrere Entwicklungen zusammen. Einerseits waren die Strukturen der de’ge’pol damals noch nicht darauf ausgelegt, Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger früh einzubinden. Andererseits kam aus Hochschulen und aus der Branche selbst der Wunsch nach einem Angebot für junge Menschen, die sich für Public Affairs interessieren. Die COM sollte deshalb eine Plattform schaffen, auf der Studierende, Berufseinsteiger und erfahrene Praktiker miteinander ins Gespräch kommen können.

Louisa Kropp: Gleichzeitig ging es darum, Orientierung zu bieten. Viele junge Menschen wissen zwar, dass sie sich für Politik interessieren, haben aber nur eine vage Vorstellung davon, welche beruflichen Möglichkeiten es im Bereich Public Affairs überhaupt gibt. Die COM schlägt hier eine Brücke zwischen Studium und Praxis.

politik&kommunikation: Welche Rolle spielt ein Netzwerk beim Einstieg in die Branche?

Kropp: Eine sehr große. Public Affairs ist und bleibt ein People Business. Gerade viele Berufseinsteiger ziehen neu nach Berlin und kennen zunächst niemanden. Die COM bietet ihnen die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und erste Einblicke in die Branche zu gewinnen.

Jung: Für viele ist die COM tatsächlich die erste Anlaufstelle in Berlin. An Universitäten wird oft nicht vermittelt, wie das politische Berlin funktioniert oder welche Karrierewege es in Public Affairs gibt. Genau diese Orientierung wollen wir bieten.

politik&kommunikation: Hat sich der Berufseinstieg in den vergangenen Jahren verändert?

Kropp: Ja, durchaus. Wir merken bei unseren Veranstaltungen, dass viele Studierende den Arbeitsmarkt als anspruchsvoller wahrnehmen als noch vor einigen Jahren. Entsprechend groß ist der Bedarf an Informationen und Austausch.

Jung: Gleichzeitig verändert Künstliche Intelligenz viele Arbeitsprozesse. Das wirft bei Berufseinsteigern natürlich Fragen auf: Welche Aufgaben bleiben künftig bestehen? Welche Fähigkeiten werden wichtiger? Unsere Antwort darauf ist klar: Technologische Kompetenz wird wichtiger, aber analytisches Denken, politische Einordnung und strategische Beratung bleiben zentrale Kernkompetenzen.

politik&kommunikation: Welche Rolle spielt KI konkret?

Jung: KI wird viele Routineaufgaben verändern. Gleichzeitig braucht es Menschen, die Ergebnisse bewerten, politische Entwicklungen einordnen und strategische Empfehlungen ableiten können. Deshalb sehen wir KI eher als Werkzeug, denn als Ersatz.

Kropp: Entscheidend wird sein, dass junge Kolleginnen und Kollegen lernen, mit diesen Werkzeugen professionell umzugehen. Das gehört künftig zum Handwerkszeug dazu.

politik&kommunikation: Was unterscheidet die de’ge’pol COM von anderen Nachwuchsnetzwerken?

Kropp: Wir profitieren von zehn Jahren Erfahrung und der engen Anbindung an die de’ge’pol als Branchenverband. Gleichzeitig arbeiten wir sehr eng mit anderen Netzwerken zusammen. Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz, sondern als Teil eines größeren Ökosystems.

Jung: Ein besonderes Merkmal ist außerdem unsere Bildungsreise. Jedes Jahr besuchen wir gemeinsam eine europäische Hauptstadt oder Institutionenstandorte und organisieren ein eigenes politisches Fachprogramm. Das verbindet Weiterbildung und Networking auf eine besondere Weise.

politik&kommunikation: Welche Formate kommen bei den Mitgliedern besonders gut an?

Jung: Vor allem unsere fachlichen Austauschformate, die Einblicke hinter die Kulissen ermöglichen. Dazu gehören Besuche bei Medienhäusern, Gespräche mit Ministerien oder der Austausch mit Praktikern aus Politik, Verbänden und Unternehmen. Unsere Mitglieder erfahren aus erster Hand, wie ministerielle Abläufe funktionieren, wie Redaktionen arbeiten oder welche Erwartungen Behörden an die Zusammenarbeit mit Interessenvertreterinnen und Interessenvertretern haben.

Kropp: Dabei entsteht fast automatisch auch Networking. Man lernt gemeinsam etwas Neues, kommt miteinander ins Gespräch und knüpft gleichzeitig neue Kontakte. Fachlicher Austausch und persönliches Kennenlernen gehen bei uns immer Hand in Hand.

politik&kommunikation: Die gesamte Arbeit erfolgt ehrenamtlich – zusätzlich zu euren eigentlichen Berufen. Was motiviert euch persönlich?

Jung: Die COM hat mir selbst geholfen, als ich 2021 während der Corona-Zeit nach Berlin gekommen bin. Heute motiviert es mich zu sehen, wie andere von diesem Netzwerk profitieren und ihren Weg in der Branche finden.

Kropp: Mich begeistert vor allem, Menschen zusammenzubringen. Wenn aus einer Veranstaltung neue Kontakte, Kooperationen oder sogar Freundschaften entstehen, dann sieht man unmittelbar, welchen Wert dieses Engagement hat. Viele kommen neu nach Berlin, kennen niemanden und fragen sich, wie das politische Berlin eigentlich funktioniert. Für diese Menschen Ansprechpartnerin zu sein und ihnen den Einstieg zu erleichtern, macht einfach unglaublich viel Spaß.

politik&kommunikation: Wo soll die de’ge’pol COM in zehn Jahren stehen?

Kropp: Wir möchten weiter wachsen und noch mehr junge Menschen erreichen. Gleichzeitig wollen wir dazu beitragen, die Profession Public Affairs weiter zu stärken und die Werte der de’ge’pol – Transparenz, Professionalität und verantwortungsvolle Interessenvertretung – sichtbar zu machen. Es geht darum, das Berufsbild weiter zu stärken und Vertrauen in professionelle Public Affairs zu schaffen.

Jung: Und wir wollen auch künftig die erste Adresse für Nachwuchskräfte sein, die ihren Einstieg in die Branche suchen. Wenn die COM auch in zehn Jahren noch der Ort ist, an dem Studierende und Berufseinsteiger Orientierung finden, Kontakte knüpfen und sich fachlich weiterentwickeln können, dann haben wir unser Ziel erreicht.

politik&kommunikation: Was steht im Jubiläumsjahr noch an?

Kropp: Nach der Sommerpause folgen weitere Netzwerkveranstaltungen, ein Policy Sundowner und natürlich unsere Bildungsreise. In diesem Jahr geht es vom 19. bis 21. Oktober nach Den Haag.

Jung: Außerdem besuchen wir unter anderem die Deutsche Presse-Agentur und planen weitere Austauschformate mit Medien und Institutionen. Dazu können wir heute zwar noch nichts Konkretes sagen, aber wir haben für das zweite Halbjahr noch einiges vor. Langweilig wird es uns also nicht.