Transparenzgesellschaft

Preis

10.00€

Verlag

Matthes & Seitz

Autor

Byung-Chul Han

Magazin

Um es vorweg zu nehmen: Das Buch ist eine Streitschrift. Eine Streitschrift gegen die Piratenpartei, Facebook und das ganze Transparenz-Gedöns, kurzum: Da hat jemand richtig Dampf abgelassen. Aber der Reihe nach: Das Buch stammt von dem Kulturphilosophen Byung-Chul Han, geboren in Seoul, und seit 2010 Professor in Karlsruhe. Han hat es schon einmal auf die Feuilleton-Seiten der Zeitungen geschafft, mit seinem Essay „Müdigkeitsgesellschaft“. Darin stellt er die These auf, dass psychische Erkrankungen wie Burn-out gewissermaßen eine Folge der globalisierten Welt seien. Anstatt sich vor einer wie auch immer gearteten äußeren Macht zu fürchten, kollabiere der Mensch des 21. Jahrhunderts wegen der Unendlichkeit seiner Möglichkeiten.


Nach der Leistungsgesellschaft geht es in seinem neuen Buch nun der Transparenzgesellschaft an den Kragen. „Angesichts des Pathos der Transparenz, das die heutige Gesellschaft erfasst, täte es Not, sich im Pathos der Distanz zu üben“, schreibt Han. Transparent zu sein, ist für den Wissenschaftler nichts wünschenswertes, sondern etwas pornografisches, schamloses, nacktes. Seine These: „Die Transparenzgesellschaft setzt auf Information und Kontrolle. Auf diese Weise entsteht eine Kultur des Verdachts. Und wir stellen alles aus, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Transparenzgesellschaft ist in dem Sinne eine Pornogesellschaft.“ Unter dieser Prämisse lässt Han auch an Facebook und den Piraten kein gutes Haar. Das soziale Netzwerk fördere eine entpolisierte „Positivgesellschaft“. Es sei bezeichnend, so der Autor, dass Facebook sich weigere, dem „Gefällt-mir-Button“, einen „Dislike-Button“ entgegenzusetzen. Die Piraten trifft es gar noch härter: Sie sind für den Philosophen die erste Partei, die das „bereits Existierende“ unangetastet lasse. „Vielmehr stabilisiere die Partei das System.“


Fazit: Das Buch liest sich fast wie eine lange Glosse, die die viel beschworene Forderung nach mehr Transparenz mal ganz zu Ende denkt. Unter dem Gesichtspunkt ist Hans‘ Schrift ein längst fälliger Debattenbeitrag. Problematisch ist die begriffliche Komplexität und der bisweilen apokalytische Ton: „Transparent ist nur der Tod“, resümiert der Theoretiker.

von Christina Bauermeister

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