Freiheit oder Anarchie? Wie das Internet unser Leben verändert.

Preis

10.00€

Verlag

Vorwärts-Verlag

Autor

Björn Böhning, Alexander Görlach

Magazin

as gute alte Internet feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Mittlerweile gehen wir nicht mehr rein und raus, das Internet „umgibt uns konstant als Lebenswirklichkeit“, wie Autor Alexander Görlach bei der Buchpräsentation Mitte Juli in einem Berliner Café klarstellte.
Auf 96 Seiten erklären Görlach und sein Co-Autor Björn Böhning, „wie das Internet unser Leben verändert“. Bereits im Vorwort gibt Böhning zu, die Leser könnten weder Vollständigkeit noch Aktualität erwarten. Diese Aufrichtigkeit zeigt, wie das Internet Grundlegendes in Frage stellt: Kann es in in der heutigen Gesellschaft einen Anspruch auf Vollständigkeit geben?
Nein. So ist die Strategie des Buchs klug gewählt: SPD-Mann Böhning und der konservative Publizist Görlach heizen in zehn Kapiteln den Diskurs von unterschiedlichen Seiten an: Sie debattieren Fragen zu Leistungsschutzrechten für Verlage bis zur vermeintlichen „Religion Facebook“.
Vor allem Görlach wirft spannende Fragen auf: Leben wir bereits im „digitalen Nihilismus“, weil wir durch die „Apps“ dieser Welt über nichts mehr überrascht sind, über nichts mehr staunen – und in eine gewisse Apathie verfallen? In diesem Zusammenhang überraschend: Die Autoren widersprechen sich nur selten, ihre unterschiedlichen Schwerpunkte jedoch bereichern unsere Vorstellung vom Internet: Görlach fokussiert die Befreiung des Individuums, Böhning betont den Anbruch eines neuen ökonomischen Zyklus.
Dabei diskutiert Böhning eher informierend als zuspitzend: Weder Leistungsschutzgesetze noch bewahrende Kulturkritik hätten neue Medientypen je aufgehalten. Der Staat solle freie Marktmechanismen nicht beeinflussen. Er bestätigt das Fazit des Buchs: In der neuen Welt recodieren Bits and Bytes alte ideologische Grenzlinien.
Zwei Schwachpunkte hat das ansonsten unterhaltsame Streitgespräch: Die beiden Autoren haben es versäumt, ihre Thesen mit Studien zu belegen; auch eine Linkliste zu weiterführenden Blogs und Webseiten fehlt. Ein bisschen Anarchie muss eben auch offline möglich sein.

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