Erika Mustermann

Preis

16.99€

Verlag

Piper-Verlag

Autor

Robert Löhr

Magazin

Der Titel des neuen Romans von Robert Löhr verrät wenig: „Erika Mustermann“. Aussagekräftiger ist da schon der geblümte Totenkopf auf dem Cover. Der Journalist und Drehbuchautor wagt in dem Buch einen Blick in die Parallelwelt der Piraten, und das nicht aus irgendeiner Perspektive, sondern aus der Sicht einer Lehrerin, die sich den Grünen verbunden fühlt. Hauptfigur Friederike, waschechte Berlinerin und dem Umweltschutz im Sinne der Grünen verschrieben, hegt eine tiefe Aversion gegen die Piratenpartei. Stimmungsvoll untermalt wird diese Abwehrhaltung durch die Ängste ihrer  kleinen Tochter: Sie fürchtet sich vor den Räubern der Meere und bricht in Tränen aus, wenn sie von den Erfolgen der Piraten hört.


Friederikes Abneigung richtet sich dagegen vor allem gegen einen: Volker Plauschenat, fiktiver Abgeordneter der Partei. Der Grund für die Ablehnung scheint weit hergeholt, ein abgekupferter YouTube-Erfolg war der Auslöser, aber woher das Feindbild kommt, ist eigentlich auch egal. Auf wirren Wegen landet Friederike bei den Hauptstadt-Piraten, taucht in eine Art Parallelwelt ab und wird sogar Mitglied der Partei. Auch eine Liebesgeschichte darf in dem Roman nicht fehlen, und so kommen sich Hauptfigur und Pirat doch näher als zunächst erwartet.


Robert Löhr gelingt es dank sorgfältiger Recherchearbeit, das ganz eigene Universum der Piraten für Nichtmitglieder zu öffnen. Neben wohlgestalteten Romanpassagen gibt es Einfügungen aus Foren, Twitter-Beiträge und E-Mails, um die netzwerkaffine Partei realistisch darzustellen. Der Roman thematisiert nicht nur die neue Partei, die Piraten, sondern zieht auch Parallelen zur nicht mehr ganz so neuen Partei, den Grünen. Engagierte Grüne werden in dem Buch viel aus ihrer eigenen Lebenswelt entdecken und auch Berliner treffen auf Wohlbekanntes. Wer jedoch mit Ritter Butzke, Späti, der Friedrichshainer Szene und dem Spittelmarkt wenig assoziiert, könnte in der Parallelwelt der Parallelwelt verloren gehen.


Das Buch zeigt eine Partei im Selbstfindungsprozess. Es wird deutlich, dass sich alteingesessene Politiker, die sich schon längst gefunden zu haben glauben, von den offenen Lernprozessen der Piraten noch etwas abgucken können. Gerade im Wahlkampf eine lohnende Lektüre.

von Kim Döpke

 

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